The Great Train Robbery

Isabella Mueller @isabella_muenchen Glasgow

Eines der spektakulärsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts, der als „The Great Train Robbery“ in die Kriminalgeschichte einging, war der Überfall auf den königlichen Postzug der britischen Royal Mail am 8. August 1963. Dieser war mit 12 Waggons von Glasgow auf den Weg nach London unterwegs. Mit an Bord waren 75 Postangestellte, die Briefe und Päckchen im Akkord sortierten sowie das Geld englischer und schottischer Banken, das in die Zentralbank nach London gebracht werden sollte. Insgesamt hatten die Ein- und Fünf-Pfund-Noten, die in 128 Geldsäcke verpackt waren, einen Wert von 2,6 Millionen Pfund, was heute einem Wert von 67 Millionen Euro entspricht. Diese Geldsäcke wollte eine 15-köpfige Gauner-Bande stehlen. Ihr Anführer war Bruce Reynolds, der ein Jahr lang den großen Postzugraub geplant hatte. Um 3.10 Uhr morgens stoppten sie den Zug durch ein manipuliertes Zugsignal an einer Brücke bei Ledburn. In Windeseile überwältigten sie den Lokführer Jack Mills und koppelten die restlichen Waggons ab. Zusammen mit der Lokomotive und dem Geldwaggon, der nur von 4 Postleuten überwacht worden war, die die Bande gefesselt hatte, fuhren sie zur 800 Meter entfernten Brücke. An der Brücke angekommen, warteten schon ein Dreitonner und zwei Geländewagen. Schnell warfen sie die Geldsäcke, etwa 120 Stück auf die Fahrzeuge und rasten nach 15 Minuten zu ihrem 50 Kilometer entfernten Versteck, der Leatherslade Farm, die sie extra dafür erworben hatten. Zwei Tage verharrten sie dort, ehe sie das Versteck nach und nach verließen. Das letzte Bandenmitglied sollte die Farm in Brand stecken. Doch dazu kam es nicht mehr, da Scotland Yard einen heißen Tipp von einem Hirten bekommen hatte. Zwar war die Bande ausgeflogen, doch sie konnten sowohl die Fahrzeuge, als auch haufenweise Fingerabdrücke und witzigerweise auch ein Monopoly-Spiel sicherstellten, mit dem die Gangster um echtes Geld gespielt hatten. Der Postzugraub war das Medienereignis schlechthin und die Räuber wurden wie Helden gefeiert, da sie außerdem niedergeschlagenen Lokführer niemand verletzt und auch keine Schusswaffen gebraucht hatten. Scotland Yard konnte nach wenigen Monaten 12 Gangster festnehmen, denen im Januar 1964 der Prozess gemacht wurde. Dieser dauerte zehn Wochen und war der längste in der englischen Kriminalgeschichte. Am 16. April 1964 verurteilte der Richter Edmund Davies die 12 Männer zu 18 bis 30 Jahren Haft, was zu großen Proteste in der Öffentlichkeit führte, da sie die Strafen als zu ungerecht und hart ansahen. Unter den 7 Männern, die zu einer Freiheitsstrafe von 30 Jahren verurteilt worden waren, befand sich auch Ronald Biggs. Dieser wurde einer der bekanntesten Posträuber in der Kriminalgeschichte, da ihm am 8. Juli 1965, nach 15 Monaten Haft, eine filmreife Flucht gelang. Zusammen mit drei anderen Insassen gelang es ihnen auf ihrem Freigang über eine Strickleiter, die von außen über die Mauer des Wandsworth Gefängnisses geworfen worden war, hinüber zu klettern. Zwar hatte ein Polizist Alarm geschlagen. Doch sie konnten diesen überwältigen und gebrauchten ihn als Schutzschild. Nachdem sie über die Mauer geklettert waren, sprangen sie auf das Dach eines LKWs. Dieser hatte ein Loch, durch das sie stiegen, um danach aus dem Fahrerraum herauszuspringen. Dort liefen sie zu geparkten Personenwagen und fuhren davon. Biggs floh mit seiner Familie zunächst nach Paris, wo er sich gefälschte Papiere und ein neues Gesicht zulegte. Nächster Halt wurde Australien bis er schließlich 1974 in Rio de Janeiro landete und dort blieb. Er wurde dort sogar von dem New Scotland Yard Ermittler Jack Slipper aufgespürt. Doch dieser konnte Ronald Biggs nicht verhaften, da Biggs ein Kind mit der Einheimischen Raimunda de Castro hatte und darum nicht ausgewiesen werden konnte. Biggs begann intensiv seine Geschichte und sein Leben erfolgreich zu vermarkten. Prominente nahmen mit ihm Songs auf und Journalisten führten massenweise Interviews mit Biggs, der aber 2001 freiwillig nach Großbritannien zurückkehrte, da er große gesundheitliche Probleme hatte. Er stellte sich und trat seine Haftstrafe an. Im Jahr 2009 nach 8 Jahren Haft wurde er begnadigt und aus dem Gefängnis entlassen. 4 Jahre später, 2013, starb er im Alter von 84 Jahren. Im selben Jahr starb auch der Anführer der Postzugräuber-Bande Bruce Reynolds, der damals zusammen mit seiner Frau und ihrem Sohn nach Mexiko geflüchtet war. Erst 5 Jahre nach dem Postzugraub wurde er bei seiner Rückkehr nach Großbritannien verhaftet und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach 10 Jahren Haft wurde er jedoch 1978 entlassen. Der Postraub von 1963 galt als Jahrhundert-Coup, der mehrfach verfilmt wurde. In Deutschland wurde er im TV-Dreiteiler „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ 1966 thematisiert, der bis heute als erfolgreichster Fernsehfilm gilt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Glasgow, der einst gefährlichsten Stadt der Welt, von dem der Postzug aus gestartet war. 🙂

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