Die verhängnisvolle Love Story

Isabella Mueller @isabella_muenchen

Die Liebesgeschichte von Wilhelm Dengler und Emilie Stadler hätte glatt aus dem Drehbuch einer Soap Opera entsprungen sein können. Als der gutaussehende Goldschmied aus Ludwigsburg auf der Hochzeit seines Freundes 1845 die junge, attraktive Emilie Stadler erblickte, war es sofort um ihn geschehen. Wilhelm Dengler hatte sich auf den ersten Blick unsterblich in Emilie Stadler verliebt, die seine Avancen erwiderte. Zwei Jahre später wurde das junge Glück mit der Geburt eines gemeinsamen Kindes gekrönt und dies ohne Trauschein und gemeinsamer Wohnung. Denn Emilie Stadler lebte weiterhin in Marbach, wo sie als Näherin arbeitete, während Wilhelm Dengler in Ludwigsburg wohnte. Aber ihre Liebe war stark. Zumindest von Wilhelm Denglers Seite aus. Doch im Frühjahr 1848 kam eine Theatergruppe nach Marbach. Darunter war auch ein junger, äußerst charismatischer Schauspieler namens Friedrich Frick, der ausgerechnet gegenüber Emilies Wohnung sein Quartier bezogen hatte. Es dauerte nicht lange, dass Emilie eine leidenschaftliche Affäre mit dem jungen Mann begann, der nur so von Lebensfreude trotzte. Schnell war Wilhelm Dengler, der Vater ihres Kindes vergessen. Fortan spielte sie mit ihrem neuen Freund sogar auf der Bühne stürmische Liebesszenen bis ihr Geliebter vom Direktor der Theatergruppe aufgrund der Liaison mit Emilie entlassen und aus der Stadt verwiesen wurde. Emilie blieb allein und erneut schwanger zurück. In dieser Zeit besann sie sich an Wilhelm Dengler, der noch immer Gefühle für Emilie hegte. Bald schon wurden sie wieder ein Paar und auch das Kind des anderen akzeptierte Wilhelm Dengler. Doch Emilie fehlte das Abenteuer, weshalb sie sich in Affären mit anderen Männern stürzte und wieder schwanger wurde. Aber diesmal wollte Wilhelm Dengler kein weiteres Kuckuckskind akzeptieren. Er drängte auf einen Schwangerschaftsabbruch, der trotz Medikamenten missglückte. Während Emilie versuchte die Schwangerschaft geheim zu halten, redete Wilhelm Dengler täglich auf Emilie ein, dass sie das Kind nach der Geburt töten sollte, wenn sie wirklich mochte, dass er bei ihr blieb. Emilie versprach dies Wilhelm. Dieses Versprechen setzte sie kurz nach der Geburt in die Tat um. Sie erdrosselte ihr Neugeborenes und versteckte es im Schrank. Eines abends holte Wilhelm das Baby aus dem Schrank und packte es in ein Paket. Mit diesem ging er zum Ludwigsburger Bahnhof, wo er mit dem Zug nach Esslingen fuhr. Während der Fahrt versteckte er das Paket unter den Sitzen. Doch Reisende hatten das Paket bemerkt und die Polizei informiert. Als diese das Paket öffneten, entdeckten sie die tote Babyleiche, die in ein schönes Stück Stoff, deren Kanten einem Zuschnitt glich, gewickelt war. Dieses Stück Stoff musste von einer Näherin stammen. Mit dieser Information wandte sich die Polizei an die Presse. Die Zeitung „Schwäbische Merkur“ suchte nach Zeugen. Tatsächlich führte die heiße Spur zu Emilie Stadler und Wilhelm Dengler. Beide gestanden und wurden zu lebenslangem Zuchthaus wegen Mord und Anstiftung zum Mord verurteilt. Damit endete die einst so große Liebe der beiden. Wie schon der chinesische Philosoph Konfuzius weise feststellte: „Die Liebe ist das Gewürz des Lebens. Sie kann es versüßen, aber auch versalzen.“ In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos von der schönen Schillerstadt Marbach, in der einst Emilie Stadler lebte. 🙂

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