Der Amoklauf

Isabella Müller Heilbronn Baden Württemberg Deutschland @isabella_muenchen

Vor rund einer Woche erschütterte der Amoklauf an der Robb Elementary School, einer Grundschule, in der texanischen Kleinstadt Uvalde die ganze Welt. Bei dem Amoklauf erschoss ein 18 Jahre alter junger Mann mit einem Sturmgewehr 21 insgesamt 19 Schulkinder und zwei Lehrerinnen. Zuvor hatte er seine Großmutter mit einem Schuss ins Gesicht schwer verletzt. Ein ähnlich grauenhaftes Blutbad hatte auch Ernst August Wagner angerichtet und das bereits 1913. Am 4. September brachte der ehrenwerte, schwäbische Dorfschuldirektor aus Degerloch, einem Stadtbezirk am Südrand der Stuttgarter Innenstadt, frühmorgens nach dem Aufstehen seine Ehefrau und die vier Kinder mit einem Totschläger und einem Messer um. Zuerst schlug er seine Frau Anna bewusstlos und tötete diese mit Messerstichen in Hals, Herz und Lunge. Anschließend tötete er die beiden Söhne Robert und Richard. Zuletzt seine Töchter Klara und Elsa. Danach holte er seine drei geladenen Pistole aus dem Keller und packte in seinen Rucksack 500 Schuss Munition ein. Auf der Türschwelle hinterließ er noch für die Nachbarin eine Bestellung von 3 Liter Milch, der er 35 Pfennig beilegte. Dann fuhr er mit dem Fahrrad nach Stuttgart, wo er in den Zug nach Bietigheim einstieg. Die Zugfahrt nutzte er um Briefe an seine Schwester, seinen Schwager und seinen Bruder zu schreiben. Zudem schrieb er einen Brief an die Redaktion des „Neuen Tageblattes“ in Stuttgart. In Bietigheim angekommen, schwang er sich auf sein Fahrrad, um nach Mühlhausen an der Enz zu fahren. Dort ankommen wartete er bis die Uhr zur Mitternachtsstunde schlug. Zur Geisterstunde zündete er vier Häuser im Dorf an und wartete hinter Büschen bis die Menschen vor Angst aus ihren Häusern liefen. Dann zielte er mit seiner Pistole auf die Männer, traf jedoch auch 3 Mädchen sowie eine Frau. Insgesamt tötete er 9 Menschen, 11 wurden schwer verletzt. Drei Einwohner gelang es schließlich Ernst Wagner zu überwältigen, der sich neben diversen Gesichtsverletzungen beim Kampf mit diesen seinen linken Unterarm zertrümmerte, der amputiert werden musste. Nach einem Krankenhausaufenthalt wurde dieser ins Gefängnis nach Heilbronn gesperrt. Bei der anschließenden Hausdurchsuchung fand die Polizei nicht nur die Leichen seiner ausgelöschten Familie, sondern auch das Tagebuch von Wagner, in dem er detailliert sein Attentat niedergeschrieben hatte. Hätte die Polizei Wagner nicht in Mühlhausen gestoppt, wäre dieser weiter nach Egolsheim gefahren, um seine Schwester und deren Familie auszulöschen. Danach wollte er das Ludwigsburger Schloss anzünden und sich im Bett des Herzogs Carl Eugen schließlich selbst erschießen. Ernst August Wagner wurde in Heilbronn vor Gericht gestellt. Die Gutachter Robert Wollenberg aus Straßburg und Robert Gaupp aus Tübingen bestätigten, dass Ernst August Wagner an Verfolgungswahn litt. Den Amoklauf in Mühlhausen hatte er darum begangen, da er einst sich dort an einer Kuh vergangen hatte und glaubte, dass alle Bewohner Mühlhausens davon wussten und über ihn lachten. Er entwickelte eine regelrecht krankhafte Paranoia. Erstmals in der Württembergischen Geschichte wurde ein Prozess wegen Unzurechnungsfähigkeit eingestellt. Am 4. Februar 1914 wurde Ernst Wagner in die Heilanstalt Winnethal bei Winnenden eingeliefert. Aus dieser schrieb er mehrere Dramen, in denen sich alles um das Thema Wahn drehte. Wagner wollte unbedingt seine Stücke auf die großen Theaterbühnen bringen, da er sich für ein Schriftsteller-Genie hielt. Er schrieb Dutzende Briefe an berühmte Persönlichkeiten, unter anderem auch an den Direktor des Mannheimer Nationaltheaters, aber erfolglos. Anno 1938 starb er in der Psychiatrie Winnethal an Tuberkulose. Gewisse literarische Bekanntheit erlangte Wagner dadurch, dass ihn der deutsch-schweizerische Autor Hermann Hesse, als Figur des Amokläufers in seiner 1919 erschienenen Novelle Klein und Wagner verewigte. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Heilbronn, in dem Ernst August Wagner einst vor Gericht gestellt worden war. 🙂

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