Der meist gesuchteste Mann Deutschlands

Isabella Mueller @isabella_muenchen Osnabrück

Eine der größten Verbrecherjagden der Nachkriegszeit, die über 2 Jahre dauerte und die teuerste Fahndung der Bundesrepublik war, war die auf Bruno Fabeyer. Dieser 1,75 Meter große, schlanke Mann mit mittelblonden Haaren wurde am 4. Juni 1926 in Osnabrück geboren. Im Alter von drei Jahren führte ein traumatisches Erlebnis, ein Sturz in kochendes Wasser, zu einem Sprachverlust, der ein halbes Jahr andauerte. Zwar erlangte er die Sprache wieder, doch fortan stotterte er. Im Alter von sechs Jahren ließen sich seine Eltern scheiden. Zwei Jahre später beging sein mehrfach vorbestrafter Vater in seiner Gefängniszelle Suizid. Daraufhin bat seine überforderte Mutter das Jugendamt ihn und seinen älteren Bruder Fritz in eine Fürsorgeerziehung zu geben. 1936 konnten er und sein Bruder zu ihrer Mutter nach Hause zurückkehren. Doch aufgrund des häufigen Schule schwänzen, Diebstählen und einer Fahrt von Osnabrück nach Hamburg ohne Begleitung eines Erwachsenen als Bruno 12 Jahre alt war, entzog 1939 das Jugendamt der Mutter das Sorgerecht. Beide Brüder wurden in unterschiedliche Erziehungsanstalten untergebracht, wo sie körperlich misshandelt wurden. Als Bruno 15 Jahre alt war, begann er eine Lehre zum Schlachter. Sein Bruder Fritz wurde im Alter von 18 Jahren im Oktober 1942 zur Wehrmacht eingezogen. Nach einer Woche flüchtete er von dort, wurde jedoch bald darauf festgenommen und am 14. April 1943 im Gefängnis Wolfenbüttel wegen Fahnenflucht hingerichtet. An ihn erinnert bis heute ein Stolperstein, der sich vor dem Wohnhaus der Familie in der Kornstraße 50 in Osnabrück befindet. Bruno ereilte dasselbe Schicksal wie sein Bruder auch er wurde zur Wehrmacht eingezogen. Wie sein Bruder flüchtete er, wurde jedoch gefasst und zu vier Jahren Haft verurteilt. Danach wurde er ins Konzentrationslager Buchenwald gesperrt, von dem ihn 1945 die US-Armee befreite. Nach seiner Befreiung, kehrte er nach Osnabrück zurück, wo er sich mit verschiedenen Hilfsarbeiterjobs durchs Leben boxte. Aus chronischer Geldnot geriet er auf die schiefe Bahn, was dazu führte, dass das Gefängnis seine zweite Wohnadresse wurde. So verbüßte er 1948 eine viermonatige Haftstrafe wegen Diebstahls. Kurz nach seiner Entlassung wurde er erneut wegen Diebstahls 1949 zu zehn Monaten Haft verurteilt. Nachdem er seine Strafe verbüßt hatte, begann er 1957 einen gewaltsamen Raub, der ihn 6 Jahre Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung einbrachte. Am 1. August 1965 wurde Bruno Fabeyer im Alter von 39 Jahren wegen guter Führung aus dem Gefängnis in Celle entlassen. Statt sich mit seinem Bewährungshelfer zu treffen, tauchte er in Niedersachsens Wälder unter, was ihm den Namen Waldmensch einbrachte. Bruno Fabeyer setzte seine kriminelle Karriere fort. Diesmal aber mit dem Ziel nie gefasst und ins Gefängnis gesperrt zu werden. Im Großraum Osnabrück begann er eine unglaubliche Einbruchserie mit über 200 Einbrüchen. Dabei ging er immer nach demselben Schema vor. Er brach in die Häuser ein, machte sich über die Vorratskammer her und nahm Lebensmittel bevorzugt Schokolade und Bonbons mit, durchsuchte die Küchenschränke nach Bargeld und entwendete Kleidungsstücke. Danach flüchtete er mit einem Damenfahrrad in die Wälder und das Moor im Osnabrücker Land. Bruno Fabeyer galt als Gewohnheitsverbrecher. Dies änderte sich jedoch schlagartig als er am 29. Dezember 1965 gegen 02.45 Uhr in ein Haus im Osnabrücker Stadtteil Gretesch einbrach. Bei seinem Streifzug durch das Haus landete er im Schlafzimmer der 20 Jahre alten Irmentraud Broxtermann, die er bedrängte. Als diese laut um Hilfe schrie, wurde ihr Vater, der Postbeamte Alois Broxtermann, geweckt, der ihr zur Hilfe eilte. Bruno Fabeyer, der völlig überrascht war, schoss dem Mann in den Bauch und flüchtete mit dem Fahrrad. Von diesem Zeitpunkt an galt Bruno Fabeyer als ein gefährlicher Gewaltverbrecher, der mit einer groß angelegten Medienfahndung gesucht wurde. Für ihn wurde sogar die „Soko Fabeyer“ eingerichtet und eine Belohnung für 4000 Mark ausgesetzt. Trotz der großen Fahndung setzte Bruno Fabeyer seine Einbruchsserie fort. Bruno Fabeyer schreckte noch nicht einmal davor zurück, obwohl überall Fahndungsfotos von ihm hingen, in Gaststätten Essen zu gehen. Am 24. Februar 1966 besuchte er gegen 18 Uhr die Gaststätte Heemann im Moordorf Hunteburg-Meyerhöfen, wo er genüsslich ein Kotelett verspeiste. Die Wirtin erkannte ihn, informierte ihren Bekannten, der die Polizei rief. Als der Polizeiobermeister Heinrich Brüggemann eintraf, war Bruno Fabeyer kurz zuvor gegangen. Der Polizist nahm in einem Personenwagen die Verfolgung auf und schaffte es tatsächlich am Dorfrand Fabeyer einzuholen. Er sprang aus seinem Wagen und rannte Fabeyer nach, der daraufhin drei Schüsse auf Brüggemann abfeuerte und im Wald verschwand. Heinrich Brüggemann verblutete noch während seines Transports ins Krankenhaus. Seitdem war der Seriendieb nun endgültig in der Presse und Öffentlichkeit zur mordenden Bestie geworden. Die größte Fahndungsaktion der Nachkriegszeit wurde ausgelöst, um Bruno Fabeyer endlich dingfest zu machen. Bruno Fabeyer wurde von der Polizei und den Medien gejagt. Insgesamt fünf Verstecke in Wäldern konnte die Polizei entdecken. Dort hatte sich Bruno Fabeyer ein Lager mit Lebensmitteln und Diebesgut aufgebaut. Sogar die Tatwaffe mit der Broxtermann angeschossen worden war, fand die Polizei. Doch von Bruno Fabeyer fehlte jede Spur. Er schien der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein. Am 24. Februar 1967 passierte das Unfassbare, Bruno Fabeyer wurde gefasst. Eine Kassiererin in einem Kassler Kaufhaus hatte Bruno Fabeyer erkannt und die Polizei gerufen. Auf der Toilette des Kaufhauses als er sich die Hände wusch, wurde Bruno Fabeyer von zwei Polizeibeamten festgenommen. Bruno Fabeyer wurde zu lebenslangen Zuchthaus wegen Totschlags in einem besonders schweren Fall verurteilt. Im Jahr 1983 machte er nochmal Schlagzeilen, als der inzwischen 56 Jahre alte Bruno Fabeyer als Knast-Freigänger in Celle, abermals flüchtete. Doch diesmal wurde er bereits nach zwei Tagen in der Nähe von Bramsch wieder verhaftet. Er wollte das Grab seiner verstorbenen Mutter besuchen. Doch er kannte sich in der Gegend, die er früher wie seine Wespentasche kannte, nicht mehr aus. Anno 1992 wurde Bruno Fabeyer aus der Haft entlassen. Er starb im Alter von 72 Jahren in einem Altenheim in Bad Orb an Herzversagen. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Osnabrücks Altstadt, in der einst der meistgesuchteste Mann Deutschlands geboren wurde. 🙂

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