Der schiefe Turm

Isabella Müller Bretten Heidelberg @isabella_muenchen

Die Stadt Bretten im Landkreis Karlsruhe war um 1500 mit etwa 2.500 Einwohnern nach Heidelberg die zweitgrößte befestigte Stadt der rechtsrheinischen Kurpfalz. Zwischen dem Tiefgestade des Saalbachs im Süden und dem im Hügelland des Kraichgaus hochgelegenen Pfeiferturms im Norden war die Stadt terrassenartig angelegt. Im Süden war das Gelände sehr sumpfig. Durch diesen natürlichen Schutz waren dort die Befestigungsanlagen deutlich niedriger. Bretten war im Mittelalter vor allem von den nördlichen Höhen bei der Gölshäuser Lücke angreifbar. Von dort wollte 1504 auch Herzog Ullrich von Württemberg mit 20.000 Mann die Stadt erobern. Mit in die Stadt geschleuderten großen Steinkugeln konnten die Württemberger große Schäden anrichten. Einnehmen konnten sie das stark befestigte und sich verteidigende kurpfälzische Oberamt Bretten nicht. Erfolglos zogen sie gen Heidelberg weiter. Im Gedenken an die erfolgreiche Stadtverteidigung wird in Bretten alljährlich Anfang Juli das Peter-und-Paul-Fest gefeiert, das zu den größten mittelalterlichen Volks- und Heimatfesten Deutschlands zählt. Zum schwarzen Tag in der Geschichte Brettens wurde der 13. August 1689. Französische Truppen des Sonnenkönigs Ludwig XIV. brannten Bretten nieder und zerstörten es fast vollständig. Für die Kriegstechnik im ausgehenden 17. Jahrhundert war die Brettener Stadtbefestigung kein Hindernis mehr. Die Zerstörung Brettens erfolgte aus strategischen Gründen, da einer der größten Viehmärkte in der Kurpfalz dadurch unmöglich gemacht werden sollte. Was noch nicht zerstört war, hat das bei der Eppinger Linie lagernde Deutsche Reichsherr 1697 gesprengt. Das heutige Aussehen der Brettener Altstadt ist deshalb von Gebäuden geprägt, die erst nach 1697 wieder entstanden sind. Erhalten blieb aus dieser Zeit der stärkste Turm der Befestigungsanlage, der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet wurde, aber beim Inferno von 1697 schwere Beschädigungen erlitt. So wurde sein Dach und der Mauerkranz des Turmschaftes völlig zerstört. Die Steine der Innenwände des 26 Meter hohen Turms glühten. Vom prächtigen Turm, der nach dem Merianstich von 1645 ein Satteldach und zwei nach Norden und Süden gerichtete Erker mit spitzen Aufsatz in der Mitte hatte, blieb nicht mehr fiel übrig. Eine Wiederbelebung dieses Kulturguts, das seit 1830 ohne Helm war, erfolgte erst 2009 auf Initiative des damaligen Oberbürgermeisters Paul Metzger. Dieser gründete mit Brettener Handwerksbetrieben die ehrenamtlich tätige BBHD-Bauhütte-Pfeifertum. Am 13. Juni 2009 war es endlich soweit und das Dach wurde auf den Turmschacht hochgehievt und in einem neuen Ringanker verankert. Seitdem prägt der mit Dach bis zu 40 Meter hohe Pfeiferturm mit vergoldeter Wetterfahne das Stadtbild von Bretten. Im 40 Tonnen schweren und 8 Meter hohen Dach hängt eine Glocke von Rudi Tobler. Unterhalb des Dachbodens wurde eine verglaste Panoramaebene eingefügt. Der Pfeierturm hat kein eingegrabenes Fundament, sondern steht mit seinem 2.200 Tonnen frei auf einem 12 Meter mächtigen Lösslehmgrund. Im Norden hat sich der Turm mit seinem Grundmaß von 8,25 x 7,75 Meter 12 Zentimeter in den vom ehemaligen Stadtgraben und später vom Stauwasser aufgeweichten Lehm abgesenkt. Bis zum waagrecht aufgesetzten Dach mit einem Gewicht von 21 Tonnen neigt sich der Turmschacht 65 Zentimeter nach Norden, was ihm den Beinamen der schiefe Turm von Bretten einbrachte. Eine Totalsanierung wurde von 2011 bis zum 31. März 2017 durchgeführt. Seitdem kann der Turm, der im Mittelalter als Gefängnis genutzt wurde, besichtigt werden. Der Pfeiferturm bietet eine wunderschöne Aussicht über Bretten und seine Umgebung. Ich bin immer wieder von diesem mächtigen Bollwerksturm der ehemaligen Stadtbefestigung begeistert, der ein wertvolles Kulturgut ist, das dank dem Einsatz der Bürgerinitiative der Brettener Heimat- und Denkmalpflege bis heute für die Nachwelt erhalten blieb und mir so interessante Einblicke in das Leben im Mittelalter ermöglichte. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos des imposanten Pfeiferturms in Bretten. 🙂


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Herzlich Willkommen auf meiner Reise durch Kreativität und Entdeckung! Mein Name ist Isabella Mueller, und ich lade euch ein, die faszinierenden kreativen Universen zu erkunden, die ich durch meine Blogs erschaffe. Seit 2020 widme ich meine Leidenschaft dem Erzählen fesselnder Geschichten, die mysteriös, historisch und emotional sind. Es ist mein Ziel, nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen und den Entdeckergeist in jedem von uns zu wecken. Auf isabellas.blog kombiniert sich die Spannung von Kriminalgeschichten mit aufregenden Reisetipps. Stellt euch vor, ihr wandert durch malerische Straßen einer neuen Stadt und ergründet dabei dunkle Geheimnisse, die in den Schatten ihrer Geschichte verborgen liegen. Jedes Stück auf meinem Blog ist so konzipiert, dass es das Herz eines jeden Krimi-Fans höherschlagen lässt und gleichzeitig die Neugier auf unbekannte Orte weckt. Hier seid ihr eingeladen, den Nervenkitzel des Unbekannten und die Schönheit unserer Welt zu erleben – eine perfekte Kombination für alle Abenteuerlustigen! In meinem zweiten Blog, akteq.com, dreht sich alles um wahre, ungelöste Kriminalgeschichten. Unter dem Motto „akteQ: Cold Case Stories“ enthülle ich die unheimlichen und oft tragischen Geschichten hinter ungelösten Fällen. Gemeinsam können wir die Rätsel der Vergangenheit erforschen und tief in die menschliche Psyche eintauchen. Was geschah wirklich? Wer waren die Menschen hinter diesen mysteriösen Ereignissen? In diesem Blog lade ich euch ein, Fragen zu stellen und die Antworten zu finden, die oft im Dunkeln liegen. Ein weiteres spannendes Kapitel meiner Bloggerlaufbahn findet ihr auf thecastles.org. Hier beginne ich eine zauberhafte Reise durch die Geschichte der Burgen und Schlösser. Haltet inne, während ihr die Geschichten entdeckt, die in den Mauern dieser alten Gemäuer verborgen sind. „Explore the enchantment, discover the history – your journey begins at thecastles.org!“ Diese Worte sind mehr als nur ein Slogan; sie sind eine Einladung an alle, die Geschichte und Magie miteinander verbinden möchten. Lasst euch von den beeindruckenden Erzählungen und der Faszination vergangener Epochen inspirieren! Aber das ist noch lange nicht alles! Auf kripo.org erwartet euch ein umfassendes Onlinemagazin für echte Kriminalfälle. Taucht ein in die Welt des Verbrechens, erfahrt von den realen Geschichten hinter den Schlagzeilen und den Menschen, die sich mit der Aufklärung beschäftigen. Mit criminal.energy entführe ich euch in die packenden Erzählungen wahrer Verbrechen, in denen Bösewichte gejagt, gefasst und verurteilt werden. Die Suche nach Gerechtigkeit und die Konfrontation mit dem Unbekannten stehen im Mittelpunkt. Mit TrueCrime Blog 187.news geht’s in die Abgründe des Verbrechens. Und für all jene, die die Welt bereisen wollen, bietet wanderlust.plus die Möglichkeit, die Welt, ein Abenteuer nach dem anderen, zu erkunden. Hier geht es um die Liebe zur Erkundung und die Freude, neue Kulturen und Landschaften zu entdecken. Schließlich lädt truecrime.ch dazu ein, die dunklen Seiten der Schweiz und Europas zu entdecken: wahre Verbrechen, wahre Geschichten. Lasst uns gemeinsam die Geschichten entdecken, die die Welt um uns herum prägen. Ich freue mich darauf, euch auf dieser aufregenden Reise zu begleiten und hoffe, dass ihr viele unvergessliche Momente mit mir teilen werdet!