Gefesselt und geknebelt

Isabella Müller Kaufbeuren @isabella_muenchen

Ein gar scheußliches Verbrechen ereignete sich am Abend des 14. März 2020 in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses im Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz. Dort erstickte nach mehreren Stunden ein 50 Jahre alter brutal gefesselter und geknebelter Mann an seiner Zahnprothese. Diese hatte sich durch den Knebel tief in den Rachen geschoben. Da Schmuck sowie Bargeld in Höhe von 3.500 Euro fehlten, ging die Polizei von einem Raubmord aus. Doch wer hatte den pflegebedürftigen Mann, der schon 5 Herzinfarkte überlebt hatte, an Diabetes litt, fast blind und auf den Rollstuhl angewiesen war, so geknebelt, obwohl dieser kaum atmen konnte und dadurch billigend seinen Tod in Kauf genommen hatte? Aufgrund dieses gewaltsamen Todes richtete die ermittelnde Kriminalpolizei Kaufbeuren eine Sonderkommission mit der Kriminalpolizei Kempten ein. Schnell erhärtete sich der Verdacht gegen den 21 Jahren alten aus Syrien stammenden Hazem K., der dem Opfer schon mehrere Jahre Nachbarschaftshilfe im Alltag geleistet hatte und diesem auch immer dabei behilflich war im Internet Kontakte zu Sexpartnern herzustellen. Der junge Mann kristallisierte sich als Drahtzieher heraus, der wusste, dass sein Bekannter über wertvollen Schmuck und Bargeld verfügte. Hazem K. steckte in Geldschwierigkeiten und schmiedete einen perfiden Plan, den er mit seinem 29 Jahre alten, ebenfalls aus Syrien stammenden Freund Karam A. in die Tat umsetzen wollte. Dieser sollte den 50-Jährigen in seiner Wohnung ausrauben. Darum verschaffte Hazem K. seinem Freund Karam A. über einen fingierten Kontakt über ein Internetportal Zutritt zu der Wohnung des pflegebedürftigen, bisexuellen Mannes. Als dieser im Glauben es handelte sich um ein Sexdate Karam A. in seine Wohnung ließ, fesselte er und knebelte er den Mann brutal. Er nahm sowohl den Schmuck als auch das Bargeld an sich und verließ nach 20 Minuten die Wohnung, obwohl er wusste, dass das Opfer kaum Luft bekam. Draußen im Auto wartete schon Hazem K. auf ihn. Am nächsten Morgen plagte Hazem K. sein Gewissen so sehr, dass er einen Notruf bei der Polizei machte. In der Zwischenzeit versteckte Karam A. einen Teil der Beute bei seinem 23 Jahre alten Bruder. Am 26. März verhaftete die Kriminalpolizei die 3 Tatverdächtigen. Hazem K. gestand alles und bereute die Tat zutiefst, da das Opfer wie ein Ersatzvater für ihn gewesen war, dessen Tod er nicht gewollt hatte. Er beging noch im August 2020 in der Untersuchungshaft Selbstmord. Karam A. hingegen wies alle Schuld von sich und behauptete, dass Hazem K. ihn zu der Tat gezwungen habe. Seine gefundene DNA in der Wohnung des Opfers erklärte er damit, dass sein Bekannter dort seine Handschuhe benutzt hatte, was ihm das Gericht nicht glaubte und dank eines Gutachters widerlegt wurde. Karams Bruder wurde wegen Begünstigung und Hehlerei zu 8 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Karam A. selbst wurde wegen gemeinschaftlichen Mordes in Tateinheit mit schweren Raub mit Todesfolge zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der verurteilte legte Revision ein, die jedoch der Bundesgerichtshof ablehnte. Wie immer bewahrheitete sich auch hier: „Verbrechen lohnt sich nicht.“ In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos von Kaufbeurens schöner Altstadt. 🙂

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