Der Fälscher

Isabella Müller Wien Österreich @isabella_muenchen

Nach Wiens Staatsbankrott 1811 gelang nachdem Ende der Napoleonischen Kriege und durch die Wiener Kongresse die Sanierung des Finanzsystems. Entscheidend dazu bei trug die Gründung der österreichischen Nationalbank 1816, deren erste Aufgabe darin bestand, die Wiener Währung gegen Conventionsmünzen einzutauschen. Zu dieser Zeit hielt sich auch der 21 Jahre alte Julius Franz Kusterer in Wien auf. Dieser junge Mann stammte ursprünglich aus dem bayerischen Haunstetten und war schon in jungen Jahren Halbwaise geworden. In Augsburg erlernte er das Figuren-, Landschafts- und Landkartenzeichnen. Der talentierte junge Mann mit großen Zeichentalent fand Arbeit als Tagschreiber beim Landgericht Göckingen. Anno 1814 war er als Kommis beim renommierten Universitätsdrucker Herder in Freiburg tätig. Danach begleitete er den Fürstlich-Metternischen Sekretär Herrn von Pilat während der Napoleonischen Feldzüge. Julius Franz Kusterer widerstand sogar den Versuchen der Russen ihn als Spion und geheimen Armee-Agenten zu akquirieren, weshalb er wegen treuer Pflichterfüllung vor allen Beamten des Hoflagers belohnt wurde. Alles schien prächtig für den jungen Mann zu laufen, der im Sommer 1814 nach Wien kam, um für den angesehen Kunstverleger Tranquillo Mollo und den Hofrat Friedrich von Gentz zu arbeiten. Doch plötzlich und völlig unerwartet wurde er im Oktober 1816 plötzlich arbeitslos. Fortan versuchte er vergeblich neue Arbeit zu finden. Es plagten ihn entsetzliche Existenzprobleme, weshalb er sich ein kleines Zimmer in der Vorstadt mietete und alles verkaufte, was wertig war. Sein Stolz hinderte ihn daran, seine einstigen Gönner um Hilfe zu bitten. In dieser äußersten Notlage ließ er von seinem letzten Geld eine Zinnplatte anfertigen, auf die er mit einer Radiernadel und einem Grabstichel die Banknote zeichnete. Da er keine Walze hatte, verband er mit einem Riemen zwei Nudelwalker, die er auf der Zinnplatte hin- und herlaufen ließ. Mit einfacher Druckerschwärze druckte er Zwei-Gulden-Scheine. Dann fälschte er darauf mit einer Tuschfeder die Unterschrift des Grafen Wrbna. Von diesen Zwei-Gulden-Scheinen stellte er insgesamt 36 Stück her. Im Dezember 1816 flog jedoch sein Falschgeld auf, als er seine Zeche mit einem Zwei-Gulden-Schein bei dem Wirt vom Wirtshaus zum grünen Kranz auf der Windmühle zahlen wollte. Dieser erkannte die Fälschung und alarmierte die Polizei, die Julius Franz Kusterer auf das Polizeirevier Mariahilf mitnahm. Dort gab er zu, dass er bereits mehr als 20 Scheine in Umlauf gebracht hatte. Bei seiner Zimmerdurchsuchung auf der Laimgrube Nr. 78 fand die Polizei die im Stroh des Bettes versteckten Geräte zur Herstellung der Banknoten. Da die Fälschung aufgrund des einfach verwendeten Papieres leicht zu erkennen war und die Geschädigten auf Ersatz verzichteten, wurde wegen des jungen Alters des Täters und dessen wirtschaftlicher Notlage auf ein mildes Urteil plädiert. Doch das Gericht verhängte gnadenlos die Todesstrafe. Das Obergericht wandelte dieses Urteil ein halbes Jahr später zu einer 10-jährigen Haftstrafe um. Diese Strafe verbüßte Julius Franz Kusterer im Provinzialstrafhaus Leopoldstadt, wo er an Siechtum litt. Als seine Schwester Cleopha von der Krankheit ihres Bruders erfuhr, reiste sie im Januar 1822 nach Wien und bat um Audienz bei dem Kaiser, die ihr gewährt wurde. Bei dieser Audienz fiel sie dem Monarchen zu Füßen und bat ihn ihren kranken Bruder zu begnadigen. Der Kaiser Franz war gerührt über diese Geste und begnadigte Kusterer, der am 22. Februar 1822 aus der Haft entlassen wurde. Julius Franz Kusterer wurde zwar des Landes verwiesen, konnte aber endlich wieder in den Armen seiner geliebten Schwester liegen. Hier bewahrheitete sich einmal mehr: „Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann.“ In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos der berühmten Rahlstiege aus dem Jahr 1870 in Wiens 6. Gemeindebezirk Mariahilf, wo einst der junge Julius Franz Kusterer auf der Polizeistation sein Geständnis abgelegt hatte. 🙂

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