Der mordende Professor

Isabella Mueller @isabella_muenchen St Petersburg Russland

Jährlich werden allein in Russland nach Angaben von Aktivisten 16,5 Millionen Frauen Opfer häuslicher Gewalt. Eine dieser Frauen, die jahrelang ihr Leid still ertrug, war die 24 Jahre alte Studentin Anastasia Jeschtschenko, von Freunden Nastja genannt. Nastja lebte seit drei Jahren in einer Wohnung in St. Petersburg mit dem über vierzig Jahren alten Geschichtsprofessor Oleg Sokolow zusammen. Sie war einst dessen ehemalige Studentin gewesen, die mittlerweile gemeinsam mit Sokolow, dem angesehenen Napoleon-Experten, als Co-Autorin mehrere Bücher geschrieben hatte. Der renommierte Historiker galt als Exzentriker und Freak, der aufgrund seiner Forschung sogar Träger des Ordens der französischen Ehrenlegion war. Der exzellente Geschichtsprofessor war berüchtigt dafür, sich als Napoleon Bonaparte zu verkleiden, dessen Schlachten nachzuspielen sowie Bälle und Picknicks im Stil der Napoleon-Zeit zu veranstalten. Zudem hatte er trotz Ehe, ein Faible für junge Studentinnen, von denen eine ihn 2008 wegen schwerer Misshandlung angezeigt hatte. Doch der Fall kam nie vor Gericht. Eine andere Studentin, die mit Sokolow 2008 eine Affäre hatte, berichtete, dass er sie an einen Stuhl gefesselt, ihr ins Gesicht geschlagen und gedroht hatte, sie anzuzünden und zu töten, wenn sie ihn verlasse. Sokolow galt als rasend eifersüchtig und neigte zu Gewaltexzessen. Laut Nastjas Bruder hatte er kurz vor ihrem Tod, Nastja brutal zusammengeschlagen, nur weil sie auf eine Geburtstagsfeier eines Kommilitonen gehen wollte. Nastja wollte Sokolow verlassen und ins Studentenwohnheim ziehen. Diese Absicht kostete Nastja schließlich das Leben. Ans Licht kam der Mord an Nastja dadurch, dass Sokolow am 9. November 2019 aus dem Fluss Moika gerettet werden musste, in dem er im betrunkenen Zustand hineingefallen war. Die Rettungskräfte entdeckten in seinem Rucksack Frauenarme und Hände, die in Plastiktüten steckten. Die anschließende Hausdurchsuchung brachte fürchterliches ans Licht. Dort wurde die enthauptete Nastja sowie die blutverschmierte Säge gefunden. Der schillernde Professor gestand die Tat, die er angeblich zutiefst bereute. Anfang November 2019 war es zu einem Streit mit Nastja wegen seiner Kinder gekommen. Nastja hatte ihn dabei mit einem Messer bedroht. Er holte seine abgesägte, kleinkalibrige Jagdwaffe Typ TOS-17 und schoss Nastja viermal in den Kopf. Danach sägte er ihren Kopf, die Arme und Beine ab. Am nächsten Tag wollte er die Leichenteile im nahe gelegenen Moika Fluss entsorgen. Er warf diese in den Fluss, wobei ihn Überwachungskameras filmten. Doch die abgetrennten Hände sanken nicht, weshalb er weiter flussabwärts ging, wo er in den Fluss fiel, aus dem er schließlich gerettet werden musste. Dabei fanden die Rettungskräfte die Frauenarme und Hände. Laut russischen Medienberichten wollte sich Sokolow danach von der St. Petersburger Peter- und Paul-Festung stürzen. Sokolow wurde am 25. Dezember 2020 wegen dem Mord an Anastasia Jeschtschenko zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Damit endete Sokolows aufstrebende Karriere. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von St. Petersburg, in dem Sokolow mit seiner Freundin bis zu deren grausamen Hinrichtung gelebt hatte. 🙂

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