Der größte Bankbetrug aller Zeiten

Isabella Mueller @isabella_muenchen München

Für den größten Bankbetrug aller Zeiten war ausgerechnet eine mittellose Schauspielerin verantwortlich, die als Erste das Schneeballsystem im großen Stil anwendete. Die große Betrügerin, die für einen der größten Bankskandale in München im 19. Jahrhundert sorgte, war Adele Spitzeder. Am 9. Februar 1932 hatte diese in Berlin das Licht der Welt erblickt. Adele war die Tochter des Künstlerpaares Josef Spitzeder und Betty Spitzeder-Vio. Sie genoss eine exzellente Ausbildung und besuchte eine teure Privatschule in Wien. Adele verkehrte in vornehmen Kreisen. Ihr großer Traum war es eine berühmte Schauspielerin zu werden. Anno 1856 im Alter von 24 Jahren gab sie ihr Debüt 1856 in Coburg. Doch leider fehlte Adele Spitzeder das Talent, weshalb sie kaum Schauspielengagements bekam. Als sie 1856 nach München kam war sie vollkommen abgebrannt, lebte aber weiterhin das Leben eines Schauspielstars. Statt in einer Wohnung zu leben, mietete sie sich lieber in exklusive Hotels ein. In München lebte sie zusammen mit ihrer Geliebten Emilie Stier im Hotel Deutsches Haus direkt am Marienplatz. Adele war finanziell am Ende und lieh sich immer wieder Kredite, um über die Runden zu kommen. Im Herbst 1869 traf sie in der Au eine Zimmermannsfrau. Als beide über Gott und die Welt redeten, kam auch das Thema auf den schnöden Mammut. Da kam Adele plötzlich eine clevere Idee. Sie wollte der Zimmermannsfrau, wenn diese ihr 100 Gulden gab, jeden Monat 10 Prozent Zinsen zahlen. Dies war ein gutes Geschäft für die Zimmermannsfrau, die sofort einwilligte und von Adele ihre ersten Zinsen in bar ausbezahlt bekam. Schnell sprach sich herum, dass Adele hohe Zinsen zahlte, weshalb immer mehr Menschen ihr Geld Adele anvertrauten ohne dafür eine finanzielle Deckung oder Sicherheit zu erhalten. Besonders die Menschen aus Münchens Armeleuteviertel vertrauten Adele bald all ihr Hab und Gut an. Sie war so erfolgreich, dass sie noch im selben Jahr in der Dachauerstraße mit ihrer Lebensgefährtin eine Bank gründete. Täglich stellte sie nicht nur 1.000 Wechsel aus, sondern Menschen brachten ihr auch täglich 100.000 Gulden. Dadurch verlor die Münchner Sparkasse in einem Jahr 50.000 Gulden. Adele hatte bald 83 Angestellte. Damit immer wieder Neukunden dazu kamen, engagierte sie Kreditvermittler, die für jeden neu gewonnen Kunden 5 Prozent Provision erhielten. Die Behörden konnten nichts machen, da es nicht strafbar war, das Geld von anderen Menschen aufzubewahren und mit Zinsen zurückzuzahlen. Nach außen gab sich Adele als gottesfürchtig und volksnah, damit immer mehr Kunden das Geld bei ihr deponierten. Mit diesem zahlte sie dann die Zinsen. Wenn Betrugsvorwürfe aufkamen, schmierte sie einfach die Presse, da sie einigen Zeitungen Kredite gewährt hatte oder engagierte sich sozial, in dem sie die Volksküche im Orlandohaus am Platzl eröffnete. Doch als 60 Gläubiger ihr Geld gleichzeitig ausbezahlt haben wollten, brach das Schneeballsystem zusammen. Adele versuchte noch durch ihre Freundin Emilie Stier 50.000 Gulden beiseite zu schaffen, bevor sie am 12. November 1872 verhaftet und zu 3 Jahren und acht Monaten Haft verurteilt wurde. Adele Spitzeder ließ über 32.000 geschädigte Kunden zurück, die Forderungen von umgerechnet 400 Millionen Euro geltend machten. Da sie nur Vermögenswerte von 15 Prozent der Forderungen besaß, verloren Tausende von Menschen ihre komplette Existenz. Es kam zu einer regelrechten Selbstmordwelle. Die Gier der Menschen war einfach zu groß gewesen. Keiner hatte das Geschäftsmodell hinterfragt, wie Adele Spitzeder so hohe Zinsen zahlen konnte. Die Geldgier der Menschen hatte wie so oft über den Verstand gesiegt. Nachdem Adele Spitzeder ihre Strafe verbüßt hatte, in der sie ihre Memoiren schrieb, versuchte sie wieder als Schauspielerin in Hamburg und Berlin Fuß zu fassen. Sie erhielt jedoch Auftrittsverbot, weshalb sie nach München zurückgekehrte. Sie arbeitete dort als Kapellmeisterin und trat als Volkssängerin auf. Eine erneute Bankeröffnung wurde ihr untersagt. Im Alter von 63 Jahren verstarb Adele an Herzversagen in München, die auf dem Südfriedhof unter dem Namen Adele Schmid beerdigt wurde. Bis zu ihrem Tod konnte Adele ein sorgenfreies Leben führen, die so viele Menschen durch ihr Schneeballsystem in den Tod getrieben hatte. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Münchens Marienplatz, in dem einst Adele Spitzeder mit ihrer Partnerin Emilie Stier im Hotel Deutsches Haus gewohnt hatte. 🙂


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Herzlich Willkommen auf meiner Reise durch Kreativität und Entdeckung! Mein Name ist Isabella Mueller, und ich lade euch ein, die faszinierenden kreativen Universen zu erkunden, die ich durch meine Blogs erschaffe. Seit 2020 widme ich meine Leidenschaft dem Erzählen fesselnder Geschichten, die mysteriös, historisch und emotional sind. Es ist mein Ziel, nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen und den Entdeckergeist in jedem von uns zu wecken. Auf isabellas.blog kombiniert sich die Spannung von Kriminalgeschichten mit aufregenden Reisetipps. Stellt euch vor, ihr wandert durch malerische Straßen einer neuen Stadt und ergründet dabei dunkle Geheimnisse, die in den Schatten ihrer Geschichte verborgen liegen. Jedes Stück auf meinem Blog ist so konzipiert, dass es das Herz eines jeden Krimi-Fans höherschlagen lässt und gleichzeitig die Neugier auf unbekannte Orte weckt. Hier seid ihr eingeladen, den Nervenkitzel des Unbekannten und die Schönheit unserer Welt zu erleben – eine perfekte Kombination für alle Abenteuerlustigen! In meinem zweiten Blog, akteq.com, dreht sich alles um wahre, ungelöste Kriminalgeschichten. Unter dem Motto „akteQ: Cold Case Stories“ enthülle ich die unheimlichen und oft tragischen Geschichten hinter ungelösten Fällen. Gemeinsam können wir die Rätsel der Vergangenheit erforschen und tief in die menschliche Psyche eintauchen. Was geschah wirklich? Wer waren die Menschen hinter diesen mysteriösen Ereignissen? In diesem Blog lade ich euch ein, Fragen zu stellen und die Antworten zu finden, die oft im Dunkeln liegen. Ein weiteres spannendes Kapitel meiner Bloggerlaufbahn findet ihr auf thecastles.org. Hier beginne ich eine zauberhafte Reise durch die Geschichte der Burgen und Schlösser. Haltet inne, während ihr die Geschichten entdeckt, die in den Mauern dieser alten Gemäuer verborgen sind. „Explore the enchantment, discover the history – your journey begins at thecastles.org!“ Diese Worte sind mehr als nur ein Slogan; sie sind eine Einladung an alle, die Geschichte und Magie miteinander verbinden möchten. Lasst euch von den beeindruckenden Erzählungen und der Faszination vergangener Epochen inspirieren! Aber das ist noch lange nicht alles! Auf kripo.org erwartet euch ein umfassendes Onlinemagazin für echte Kriminalfälle. Taucht ein in die Welt des Verbrechens, erfahrt von den realen Geschichten hinter den Schlagzeilen und den Menschen, die sich mit der Aufklärung beschäftigen. Mit criminal.energy entführe ich euch in die packenden Erzählungen wahrer Verbrechen, in denen Bösewichte gejagt, gefasst und verurteilt werden. Die Suche nach Gerechtigkeit und die Konfrontation mit dem Unbekannten stehen im Mittelpunkt. Mit TrueCrime Blog 187.news geht’s in die Abgründe des Verbrechens. Und für all jene, die die Welt bereisen wollen, bietet wanderlust.plus die Möglichkeit, die Welt, ein Abenteuer nach dem anderen, zu erkunden. Hier geht es um die Liebe zur Erkundung und die Freude, neue Kulturen und Landschaften zu entdecken. Schließlich lädt truecrime.ch dazu ein, die dunklen Seiten der Schweiz und Europas zu entdecken: wahre Verbrechen, wahre Geschichten. Lasst uns gemeinsam die Geschichten entdecken, die die Welt um uns herum prägen. Ich freue mich darauf, euch auf dieser aufregenden Reise zu begleiten und hoffe, dass ihr viele unvergessliche Momente mit mir teilen werdet!