Die Kapelle Maria Einsiedeln, bekannt als Einsiedelnerkapelle, ist ein bemerkenswertes Bauwerk in Rastatt, das 1715 von Johann Michael Ludwig Rohrer errichtet wurde. Dieses prächtige Gotteshaus ist eine Nachbildung einer früheren Kapelle von 1709 im Schlackenwerther Schlosspark, welche wiederum als Replik der Pilgerkapelle Maria Einsiedeln im schweizerischen Kanton Schwyz erbaut wurde. Die Geschichte der Einsiedelnerkapelle ist eng mit der Markgräfin Franziska Sibylla Augusta verbunden, die mehrfach nach Einsiedeln in der Schweiz pilgerte, wo sie Maria, die Mutter Jesu, verehrte. Eine besonders bemerkenswerte Reise unternahm sie 1708 in Sorge um ihren sechsjährigen Sohn Ludwig Georg, welcher noch nicht sprechen konnte. Als Votivgabe brachte sie eine goldene Zunge dar, und erstaunlicherweise begann der Junge noch während der Reise zu sprechen. Aus Dankbarkeit ließ die Markgräfin daraufhin die Kapelle in Schlackenwerth nachbauen, und 1715 folgte eine weitere Nachbildung in Rastatt. Die Hingabe der Markgräfin an den Glauben und ihre Dankbarkeit an die göttliche Fügung spiegeln sich in diesem Bauwerk wider. Von der ursprünglichen Kapelle in Einsiedeln ist heute nur noch eine klassizistische Nachbildung erhalten. Der erneute Bau der Kapelle in Rastatt wird als Zeichen des Dankes für den Friedensschluss von Rastatt 1714 vermutet. Die Kapelle beherbergt seit 1742 im Untergeschoss die Gräber der Piaristenpatres, was sie zu einem bedeutenden historischen Ort macht. Die prachtvolle Fassade der Kapelle zieht sofort alle Blicke auf sich. Über dem Eingangstor thront ein Giebel, getragen von korinthischen Säulen und gekrönt von einer Madonna auf einer Mondsichel. Zwei Putten halten das markgräfliche Wappen, während Heiligenstatuen die beiden Seiten des Giebels schmücken. Diese Statuen stellen den heiligen Benedikt von Nursia, den Gründer des Benediktinerordens, und den heiligen Meinrad dar, der im Jahr 835 als Einsiedler lebte und zu dessen Ehren das Kloster Einsiedeln gegründet wurde. Im Gegensatz zur prunkvollen Außengestaltung präsentiert sich das Innere der Kapelle schlicht und bescheiden. Im Zentrum steht eine Nachbildung des Gnadenbildes von Einsiedeln, welches die Schwarze Madonna zeigt, umringt von Putten und goldenen Blitzstrahlen. Ein besonderes Highlight ist die Nachbildung der Geburtsgrotte in Bethlehem, die sich im Untergeschoss befindet und einzigartig für diese Kapelle ist. Augusta Sibylla, die Frau des badischen Markgrafen Ludwig Wilhelm, war tief religiös. Dies zeigen die zahlreichen sakralen Bauwerke, die sie errichten ließ, wie die Schlosskirche, die Eremitage und natürlich die Einsiedelnerkapelle. Ihre regelmäßigen Pilgerfahrten zu heiligen Stätten betonten ihren tiefen Glauben und ihr Bedürfnis, Gott zu danken oder Unterstützung in schwierigen Zeiten zu finden. Die Kapelle zeigt an ihrer Fassade verschiedene Szenen aus dem Leben Mariens. Links vom Portal sieht man die Verkündigung, bei der Erzengel Gabriel Maria die Geburt Jesu ankündigt. Rechts ist die Heilige Anna mit der neugeborenen Maria dargestellt. Oben im Giebelfeld zeigt eine Darstellung den Tod Mariens im Kreise der Apostel, während darüber die bekrönte Maria mit erhobenen Händen schwebt, sinnbildlich für ihre Auferstehung. Mittig über dem Portal präsentieren zwei Putten das Wappen des Markgrafen, während an den unteren Ecken des Fassadengiebels die Heiligen Meinhard und Benedikt zu sehen sind. Typisch für die barocke Epoche verband die Markgräfin tiefste Frömmigkeit mit lebensfroher Lebenslust. Die zahlreichen Maskenbälle im Schloss beweisen, dass sie das Leben in vollen Zügen genoss. In unmittelbarer Nähe zur Einsiedelnerkapelle befindet sich die Pagodenburg, ein kleines Gartenschlösschen, das Augusta Sibylla 1722 erbauen ließ. Dieses Gebäude nutzte sie als Tee- und Spielhaus für ihre Kinder und demonstrierte damit ihre Liebe zum Genuss und zur Familie. Die Einsiedelnerkapelle in Rastatt bleibt ein faszinierendes Bauwerk mit einer reichen Geschichte, das bis heute spirituelle und kulturelle Bedeutung trägt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der faszinierenden Einsiedelner Kapelle in der Barockstadt Raststatt. 🙂











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