Die Kirche Santa Maria delle Grazie al Naviglio in Mailand: ein verstecktes Juwel

Isabella Müller Milano @isabella_muenchen

Bei meinem Spaziergang durch die lombardische Hauptstadt Mailand, besuchte ich auch das romantische Viertel Navigli, das für seine Wasserkanäle berühmt ist. In den Abendstunden ist es ein hippes Ausgehviertel besonders bei jungen Menschen, die gern die Nacht zum Tag machen. Ich mag dieses charmante Viertel mit seinen zahlreichen Bars, Cafés, Restaurants und trendigen Läden direkt am Naviglio-Ufer. Beim entspannten Bummel entdeckte ich auch auf der anderen Uferseite die Kirche Santa Maria delle Grazie al Naviglio, die sich hinter einer unscheinbaren roten Backsteinfassade verbirgt. Über eine schmale Brücke gelangte ich zu dieser Kirche, die 1556 auf den Mauern einer kleinen Kirche aus dem 4. Jahrhundert entstand. Die Kirche avancierte aufgrund ihres langsamen Baufortschritts zu einer kleinen Wallfahrtskirche der Madonna delle Grazie. Leider fiel sie 1719 einem Brand zum Opfer, wurde aber wiederaufgebaut und 1849 zur Pfarrei erhoben. Nach stetigem Wachstum der Gemeinde musste die Kirche zu Beginn des 20. Jahrhunderts erweitert werden. Dies geschah nach den Entwürfen des Architekten Cesare Navo. Am 1. Mai 1909 wurde sie vom Mailänder Kardinalerzbischof Andrea Carlo Ferrari geweiht, obwohl ihre Backsteinfassade unvollendet war und bis heute noch nicht fertig gestellt ist. Ich betrat den lichtdurchfluteten Kirchenraum, der von hohen Pfostenfenstern mit bunten Glas geprägt ist. Der Innenraum der Kirche ist im neoromanischen Stil mit neugotischen Elementen gestaltet. Die Kirche hat ein lateinisches Kreuz mit drei Kirchenschiffen, hervorstehendem Querschiff und einer tiefen Apsis. Ebenso imposant ist ihre große Kuppel mit Laterne und den Gewölbedecken der Seitenschiffe. Besonders beeindruckend für mich waren die acht korinthischen Marmorsäulen, die das Mittelschiff umrahmen, vier der Marmorsäulen stammen aus der alten Basilika San Paolo in Rom. Auf den mächtigen Marmorsäulen ruhen Rundbögen. Das Querschiff ist mit einem Tonnengewölbe bedeckt, das die gleiche Höhe wie das Mittelschiff hat. Der Altar des linken Querschiffs beherbergt die Statue der Pietà und das rechte Querschiff ist dem Heiligen Antonius von Padua gewidmet. Die Apsis, die vollständig mit Fresken bemalt ist, ist im neugotischen Stil gehalten und einfach wunderschön anzusehen. Das Presbyterium ist von einer Marmorbalustrade begrenzt, die von zwei Bronzekanzeln, die 1913 errichtet wurden, eingerahmt ist. Der neugotische Hochaltar aus Marmor befindet sich in der Mitte des Presbyteriums. Ich war von der schlichten Schönheit dieser Kirche beeindruckt, vor allem die vier großen Engelsstatuen an den Ecken der Laterne sind wunderschön. Die Kirche besitzt sogar zwei Pfeifenorgeln. Die Hauptorgel wurde von Daniele Michelotto 2020 gebaut und befindet sich in der Mitte des Chores in der Apsis hinter dem Hauptaltar. Die zweite Orgel wurde auf den Boden im linken Arm des Querschiffs in der Nähe des Presbyteriums platziert. Sie stammt aus dem Jahr 1996 und wurde von Silvano Barani erbaut. Die Kirche Santa Maria delle Grazie al Naviglio ist dank ihrer schlichten Fassade leicht zu übersehen, doch im Inneren ist sie wirklich reich an Schönheit und zählt zurecht zu einer der schönsten Kirchen Mailands. Ich genoss den Besuch dieser Kirche und die Stille, die dort herrschte. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Foto-Impressionen dieser eindrucksvollen Kirche am Ufer des Naviglio. 🙂

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