Der Amalienbrunnen: Erinnerungen an die Markgräfin Amalie von Baden

Isabella Müller Bruchsal Baden Württemberg Deutschland @isabella_muenchen

Gegenüber dem Haupteingang der ehemaligen Bruchsaler Barockresidenz der Fürstbischöfe von Speyer befindet sich vor dem Amtsgericht der Amalienbrunnen. Dieser Brunnen wurde der Markgräfin Amalie von Baden, die als „Schwiegermutter Europas“ in die Geschichte einging, da sie ihre sechs Töchter mit den einflussreichsten Fürstenhöfen Europas verheiratete, gewidmet. Nachdem ihr Ehemann der Markgraf Karl Ludwig von Baden verstorben war und ihr Sohn gegen ihren Willen Napoleons Adoptivtochter Stéphanie de Beauharnais geheiratet hatte, verlor sie ihren Rang als erste Frau am badischen Hof. Daraufhin wählte die verwitwete Erbprinzessin 1806 das Schloss Bruchsal als ihren Witwensitz. Hier feierte sie nicht nur prunkvolle Feste, sondern engagierte sich bis zu ihrem Tod am 21. Juli 1832 für wohltätige Zwecke. Anhand von Tagebuchaufzeichnungen ihrer Hofdame Karoline von Freystedt ging hervor, dass das Leben am Bruchsaler Hof wenig glanzvoll war. Nur zu bestimmten Feierlichkeiten und wenn hoher Besuch kam, erstrahlte die Residenz und die Markgräfin in neuem Glanz. Als Huldigung für ihre Ehrentaten wurde ihr der Amalienbrunnen gewidmet, der im Volksmund aufgrund seiner zehn am Beckenrand sitzenden, wasserspeienden Schnecken auch Schneckenbrunnen genannt wird. Entworfen wurde dieser außergewöhnliche Brunnen 1912 von Prof. Dr. Hirsch, der auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Renovierung der Bruchsaler Schlossanlage leitete und dafür 1922 die Ehrenbürgerwürde verliehen bekam. Mir gefielen am Brunnen besonders die beiden ovalen, goldenen Medaillons, die sich auf der zentralen Säule befinden. Diese stammen vom Medailleur Heinrich Ehehalt. Das erste Medaillon zeigt ein Bildnis der Markgräfin und das zweite das hessische und badische Wappen sowie die angeheirateten Herrscherhäuser ihrer Töchter. Der Brunnen ist dank seiner Schnecken zu einer kleinen Bruchsaler Attraktion geworden und ein sehr beliebtes Fotomotiv. Ich hatte Glück und konnte bei meinem Besuch sogar dem Glockenspiel lauschen, das täglich 9.45 Uhr, 13.45 Uhr und 15.45 Uhr vom Glockenturm des Amtsgerichts ertönt. Der Brunnen mit seiner herrschaftlichen Kulisse ist nicht nur sehenswert, sondern hatte mir auch interessante Einblicke in das Leben und Wirken der Markgräfin gegeben. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos dieses speziellen Brunnens vor dem Bruchsaler Amtsgericht. 🙂

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