Der aufgespießte Bischof

Isabella Mueller @isabella_muenchen Straßburg Frankreich

Freiburg, die Schwarzwaldmetropole, wurde von dem Geschlecht der Zähringer gegründet. Diese hatten 1091 eine Burg auf dem Schlossberg errichtet. Anno 1120 erhoben Konrad und Herzog Bertold III. die kleineren Ansiedlungen durch die Siegelung der Marktgründungsurkunde zur Stadt. Freiburg wurde dank des Marktrechts, der verkehrsgünstigen Lage und der reichen Silbervorkommen im Schwarzwald zu einer florierenden Stadt, in der 1200 der Zähringerherzog Bertold V. eine große Pfarrkirche, das heutige Münster, erbauen ließ. Doch nach dessen Tod wurde sein Neffe Egino aus dem Geschlecht der Grafen von Urach, die sich fortan Grafen von Freiburg nannten, neuer Regent. Unter dieser Herrschaft kam es zu großen Konflikten mit der Bürgerschaft, die in einen offenen Kampf 1299 mündeten. Inzwischen war Graf Egino II. an der Macht und der Unmut der Freiburger Bevölkerung gipfelte darin, dass sie die Burg auf dem Schlossberg, in der der Graf residierte, zerstörten. Dies hatte zur Folge, dass das Heer des Grafen und der Straßburger Bischof Konrad III. von Lichtenberg, ein Schwager des Grafen Egino II., die Stadt belagerten. Immer wieder kam es zu erbitterten Kämpfen. Ein solcher Kampf fand vor den Toren der Stadt im Dorf Betzenhausen statt. Dort soll der Legende nach ein wütender Metzger namens Hauri den Straßburger Bischof mit einem Spieß aufgespießt haben. Der Bischof erlag seinen schweren Verletzungen, was zum Waffenstillstand führte. Deshalb dürfen die Metzger an Fronleichnam bis heute den Prozessionszug anführen. Für den getöteten Bischof wurde in Betzenhausen ein Sühnekreuz, das sogenannte Bischofskreuz neben einer Linde aufgestellt, die namensgebend für den Stadtteil Bischofslinde wurde. Das Sühnekreuz erhielt als Schutz eine kleine Kapelle, die jedoch 1787 zerstört wurde. Im 19. Jahrhundert verlor das Kreuz seinen linken Arm. Anno 1999 wurde es durch eine Kopie ersetzt. Das Original befindet sich heute in der St. Albert-Kirche. Soweit die Sage vom mutigen Metzger Hauri, der durch seine blutige Tat erreichte, dass die Soldaten den Kampf einstellten. Insgesamt herrschten die Grafen von Freiburg über die Stadtbevölkerung 150 Jahre, die sich 1368 für 15.000 Mark Silber von ihnen freikaufte und sich unter die Herrschaft der Habsburger begab. Mehr als 400 Jahre lang war Freiburg vorderösterreichisch und erhielt 1457 von Erzherzog Albrecht sogar eine Universität. Erst 1677 endete diese Herrschaft als Freiburg von den französischen Truppen König Ludwig XIV. eingenommen wurde. Nach 1697 wechselte Freiburg zwischen Frankreich und Österreich bis es 1745 wieder ganz unter österreichische Herrschaft kam. Anno 1796 nahmen die Franzosen wieder Freiburg ein, das 1805 von Napoleon in das neu geschaffene Großherzogtum Baden eingegliedert wurde. Im Jahr 1818 erhielt Baden eine Verfassung und genau hundert Jahre später, 1918, wurde Baden zur Republik. Im Zweiten Weltkrieg erlitt Freiburgs Altstadt am 27. November 1944 schwere Schäden, jedoch blieb das Freiburger Münster unbeschädigt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Freiburg von den Franzosen besetzt. 1946 wurde die Stadt Regierungs- und Verwaltungssitz für das Land Baden und nach der Zusammenlegung von Baden und Württemberg 1952 wurde Freiburg Sitz des Regierungspräsidiums. Heute leben in der Schwarzwaldmetropole rund 200.000 Menschen, die aufgrund ihrer Umweltpolitik auch als Deutsche Umwelthauptstadt bezeichnet wird und auf stolze 900 Jahre Stadtgeschichte zurückblicken kann, in dieser auch der Metzger Hauri verewigt wurde. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Freiburgs Altstadt. 🙂

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