Das köstliche Rezept aus Knochen und Blut

Isabella Mueller @isabella_muenchen Mailand Italien

Leonarda Cianciulli galt als Sinnbild einer italienischen Mama. Keiner ahnte, dass sie in die Kriminalgeschichte als die Seifenmacherin von Corregio eingehen würde. Leonarda Cianciulli wurde am 14. November 1893 in Montella geboren. Nachdem Tod ihres Vaters, heiratete ihre Mutter, zu der sie keine enge Bindung hatte, erneut. Kurz danach versuchte sie sich ihr Leben zu nehmen, konnte aber gerettet werden. Als sie sich in Raffaele Pansardi verliebte, schien ihr Leben eine glückliche Wendung zu nehmen. Doch ihre Mutter akzeptierte ihre Beziehung zu diesem Mann nicht. Gegen ihren Willen heiratete sie 1914 im Alter von 21 Jahren Raffaele Pansardi und zog mit ihm nach Lariano, worauf ihre Mutter sie mit einem Fluch belegte. Anno 1930 wurde ihr Haus bei einem Erdbeben zerstört, weshalb sie nach Corregio zogen, wo Leonarda ein kleines Geschäft eröffnete und als Wahrsagerin sowie Heiratsvermittlerin arbeitete. Leonarda Cianciulli war äußerst beliebt bei Freunden und ihren Nachbarn. Sie galt als liebevolle Mutter, die ihre Kinder mit Argusaugen bewachte. Denn Leonarda Cianciulli war während ihrer Ehe 17 Mal schwanger, erlitt aber drei Fehlgeburten und verlor zehn ihrer Kinder in deren Jugend. Darum passte sie auf ihre vier gebliebenen Kinder besonders auf. Ihr ältester Sohn, der in Mailand studierte, war ihr Lieblingskind. Als sie hörte, dass er wegen des Zweiten Weltkrieges zum Militär eingezogen werden sollte, war sie sehr besorgt. Denn eine Wahrsagerin hatte ihr einst prophezeit, dass alle ihre Kinder sterben würden. Leonarda Cianciulli, die äußerst abergläubisch war, glaubte nur durch Menschenopfer ihren Sohn beschützen zu können. Diese Opfer fand sie in drei Frauen, mit denen sie befreundet war. Ihr erstes Mordopfer war die 70 Jahre alte Jungfer und Analphabetin Faustina Setti, die Leonarda bat, ihr einen Ehemann zu beschaffen. Diesen hatte Leonarda angeblich in Pula gefunden. Um diesen kennenzulernen sollte Faustina Setti dorthin reisen. Vor ihrer Abreise besuchte sie nochmals Leonarda Cianciulli, die ihr Postkarten und Briefe schrieb. Diese sollte Faustina bei ihrer Ankunft einwerfen, damit sich ihre Familie und ihre Freunde keine Sorgen machten. Doch dazu kam es nicht mehr. Denn Leonarda hatte ihr Wein zu trinken gegeben, der vergiftet war. Sie schleifte den bewusstlosen Körper von Faustina Setti zu ihrem Schrank, tötete diese mit einer Axt, zerteilte die Leiche in neun Teile und fing das Blut in einem Behälter auf. Die neun Stücke warf sie in einen Topf und fügte 7 Kilogramm Natronlauge hinzu, um daraus Seife herzustellen. Das Blut ließ sie gerinnen, trocknete es im Ofen, mahlte es und vermischte es mit Mehl, Zucker, Schokolade, Milch, Eiern und Margarine, um daraus einen knusprigen Kuchen zu backen. Diesen verschenkte sie zu gern an ihre Nachbarn und Freunde. Danach verschickte sie die Briefe und Postkarten von Faustina Setti, um keinen Verdacht zu erwecken. Den zweiten Mord begann sie an Francesca Soavi, der sie einen Job an einer Mädchenschule in Piacenza in Aussicht stellte. Auch Francesca Soavi hatte, als sie am 5. September 1940 kurz vor ihrer Abreise Leonarda besuchte, Postkarten und Briefe an ihre Freunde geschrieben, damit diese sich keine Sorgen machten. Sie ereilte dasselbe Schicksal wie ihre Vorgängerin und auch aus ihr wurde leckerer Teekuchen und wohlriechende Seife gefertigt. Das letzte Opfer von Leonarda Cianciulli war die Sopranistin Virginia Cacioppo, der sie eine Anstellung bei einem Theateragenten in Florenz in Aussicht stellte. Am 30. September 1940 wurde auch sie zu Seife und Kuchen, der bisher der süßeste von allen war. Doch die Schwester von Virginia Cacioppo, Albertina Fanti, war misstrauisch, warum ihre Schwester so plötzlich verschwunden war. Sie wandte sich an die Polizei in Correggio, dem letzten Wohnsitz ihrer Schwester. Da auch die anderen beiden Opfer dort als verschwunden gemeldet worden waren, begab sich die Polizei auf Spurensuche und diese führte zu Leonarda Cianciulli. Als die Polizei Leonarda Cianciulli aufsuchte, gestand sie die drei Morde. 1946 wurde sie in Reggio nell `Emilia vor Gericht gestellt. Da ihr der Kriminalpsychologe Filippo Saporito teilweise Unzurechnungsfähigkeit attestierte, wurde sie zu 30 Jahren Gefängnis und anschließend 3 Jahre in einer Irrenanstalt verurteilt. Am 15. Oktober 1970 starb sie in der Frauenstrafanstalt in Pozzuoli an einem Schlaganfall. Noch heute kann man im Kriminologischen Museum in Rom ihre Artefakten aus der Mordserie bestaunen. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos aus Mailands Altstadt, in der ihr geliebter Sohn einst studiert hatte. 🙂

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