Der weiße Wachhund im Geheimgang des Klosters

Isabella Müller @isabella_muenchen

Seit 1991 gehört das Kloster Lorsch im Herzen der hessischen Stadt Lorsch, das bereits 764 von der Familie des fränkischen Gaugrafen Cancor gegründet wurde, zum UNESCO-Weltkulturerbe. Dieses war als Reichskloster bis weit in das Hochmittelalter ein wichtiges kulturelles Zentrum zur Verbreitung der am Königshof entwickelten Bildungsprogramme. Das Kloster Lorsch, dessen Überreste zu den wichtigsten vorromanischer Baukunst in Deutschland zählt, besaß nicht nur eine der größten Bibliotheken des Landes, sondern auch mit dem Lorscher Arzneibuch aus dem 8. Jahrhundert eines der ältesten erhaltenen medizinischen Bücher des abendländischen Mittelalters, das als Symbol für den Beginn der modernen Medizin gilt. Nach der Klostergründung 764 wurden 765 die Relikte des Heiligen Nazarius von Rom nach Lorsch gebracht, wodurch das Kloster einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Anno 772 ging das Kloster in den Besitz von Kaiser Karl dem Großen über, der ihm Immunität gewährte. Um das Kloster und seine Unabhängigkeit zu verteidigen, wurde 1066 die 7 Kilometer entfernte Starkenburg in Heppenheim auf dem Schlossberg errichtet. Diese war angeblich über einen Geheimgang mit dem Kloster verbunden. Bei Gefahr konnten die Mönche so auf die Burg flüchten. Dieser unterirdische Geheimgang soll von einem weißen, großen Hund mit schwarzen Pfoten, der Melampus hieß und einem Müller gehörte, beschützt worden sein. Melampos bewachte nicht nur den Geheimgang, sondern diente den Mönchen auch als Bote. Eines Tages soll Melampos bei einem feindlichen Angriff getötet worden sein. Die Mönche begruben ihren treuen Wachhund im Geheimgang. Als 1924 der Wehrturm der Starkenburg gesprengt wurde, sollen dort Hundeknochen gefunden worden sein, die von Melampos stammen sollen. Bis heute spukt Melampos Geist im Geheimgang. An ihn erinnert der Waldlehrpfad „Spur des Melampos“, der durch den Wald zum Schlossberg führt. Auch im Nibelungenlied wurde das Kloster Lorsch als die letzte Ruhestätte des Drachentöters Siegfried verewigt. Im Jahr 1232 verlor das Kloster, das 1090 durch einen Brand zerstört und anschließend wieder aufgebaut worden war, einen Großteil seiner Schutzprivilegien und fiel an das Kurfürstentum Mainz. Nachdem die Benediktinermönche vertrieben worden waren, folgten erst die Zisterzienser und dann die Prämonstratenser. Im Jahr 1461 wurde das Kloster an die Kurpfalz verpfändet und fast ein Jahrhundert später aufgelöst. Eine vollständige Zerstörung erfolgte im Dreißigjährigen Krieg. Danach diente das Kloster als Steinbruch. Die Überreste alle voran die Torhalle, die sogenannte Königshalle, die zu den wenigen Denkmälern aus der Zeit der Karolinger zählt, sowie Teile der romanischen Kirche und der Klostermauer und anderer Gebäudeüberreste zählen heute zum Welterbe. Das Kloster Lorsch mit seiner bewegten Geschichte besitzt seit 2014 das experimentalarchäologische Freilichtlabor Lauresham, ein sogenanntes Idealmodell eines Herrenhofes aus der Zeit der Karolinger mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden mit Wiesen, Feldern und Gärten, die das Alltagsleben der Menschen vor 1.200 Jahren authentisch darstellen. Auch ich war beeindruckt von dem UNESCO-Welterbe Kloster Lorsch, das mich geballte Kulturgeschichte hautnah erleben ließ. Leider ließ sich bei meinem Besuch der Geist des Wachhundes Melampos nicht blicken. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom faszinierenden Welterbe Kloster Lorsch. 🙂

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