Das Giftmorde nicht nur von Frauen ausgeübt werden, beweist folgender spannender Kriminalfall. Es war der 17. November 1909 als der Hauptmann Richard Mader, der in der Eisenbahnabteilung des kaiserlich und königlichen Generalstabes tätig war, von dem Offiziersburschen Anton Tomola stöhnend vor Schmerzen am Boden sich krümmend in seiner Wohnung in der Hainburgerstraße 56 im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße aufgefunden wurde. Sofort rief der Offiziersbursche einen Arzt, der nur noch den Tod feststellen konnte. Zunächst ging dieser von einem natürlichen Tod aus. Doch die gerichtlich angeordnete Obduktion ergab, dass dieser an einer Vergiftung durch Zyankali gestorben war. Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung wurde eine Schachtel mit einem Werbebrief gefunden, der über die potenzsteigernde Wirkung der Pillen informierte. Unterschrieben war der Brief mit „Charles Francis“. Offenbar hatte der junge Generalstäbler einen Werbebrief erhalten, dessen tödliche Pillen als Aphrodisiakum getarnt waren. Als dies publik wurde, meldeten sich andere Generalstabsoffiziere, die auch eine Werbesendung mit den Pillen erhalten hatten. Daraufhin ließ der Chef des kaiserlich und königlichen Generalstabes, Franz Conrad von Hötzendorf, an alle Garnisonen der Monarchie eine Warnung telegrafieren. Außer dem Hauptmann Richard Mader hatten 11 Generalstabsoffiziere das Potenzmittel per Post erhalten, die nach dem Poststempel am 14. November 1909 beim Postamt Wien 59 um 8 Uhr morgens verschickt worden waren. Der Absender „Charles Francis“ entpuppte sich schnell als Fantasiename. Wer hatte es nur auf die Generaloffiziere abgesehen, die allesamt Absolventen des Ausmusterungsjahrgangs 1905 waren? Während das Militär von einem politischen Motiv ausging, glaubte die Wiener Polizei, dass es sich um einen persönlichen Hintergrund handeln musste. Es wurden Schriftprobenvergleiche angefertigt und die Herkunft der Schachteln bestimmt. Die intensiven Recherchen führten schließlich zu dem Oberleutnant Adolf Hofrichter. Dieser gehörte welch Wunder auch dem Ausmusterungsjahrgang 1905 an, der derzeitig beim Infanterie-Regiment Nr. 14 in Linz stationiert war. Der junge Offizier, der am 20. Januar 1880 in Reichenau bei Gablonz das Licht der Welt erblickte und aus einer vermögenden Industriellenfamilie stammte, galt als krankhaft ehrgeizig, der erst frisch verheiratet war. Bei dessen Hausdurchsuchung wurden zwei Schachteln gefunden, die dieselben waren, die auch an die anderen 12 Generaloffiziere versandt worden waren. Auch das Schriftbild des Werbebriefes stimmte laut einem Sachverständigen mit dem von dem Oberleutnant Adolf Hofrichter überein. Doch warum hatte dieser seine ehemaligen Kriegsschulkameraden aus dem Weg räumen sollen? Adolf Hofrichter hatte zwar dem Generalstab angehört, wurde aber aufgrund schlechter Leistungen zur Truppe zurückversetzt, was ihn unglaublich gekränkt hatte. Er hatte sich erhofft, dass wenn er die Generalstäbler vergiftete, er selbst auf den Stufen der militärischen Karriereleiter wieder aufsteigen würde. Dazu hätte er fünf ins Jenseits befördern müssen, um eine Chance zur Rückversetzung in den Generalstab zu haben. Dadurch hätte er wieder höchstes gesellschaftliches Ansehen genossen. Dies bedeutete ein besseres Leben für seine Ehefrau Anna, die er über alles liebte. Alles hatte er aus Liebe zu Anna getan, die mittlerweile hochschwanger war. Bei den Ermittlungen wurden viele dunkle Geheimnisse von Adolf Hofrichter offenbart, der während seiner Kadettenzeit mit der Pastorentochter Johanna Amlacher verlobt war, bis diese plötzlich nach einem Besuch ihrer Schwester Elsbeth im Februar 1904 verstarb. Hatte er diese vergiftet? Die Leiche wurde exhumiert. Ob diese vergiftet worden war oder an einem natürlichen Tod verstarb, konnte nicht geklärt werden. Selbstmord konnte jedoch ausgeschlossen werden. Zur Zeit des Todes lag keine Schwangerschaft vor. Davor aber war die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine bestanden hatte. Demnach hatte Adolf Hofrichter Johanna zu einer Engelmacherin geschickt, die eine illegale Abtreibung vorgenommen hatte, die auch oft tödlich endete. Ferner kam ans Licht, dass Adolf Hofrichter auch Marschrouten für private Reisen 1. Klasse gefälscht hatte. Somit hatte er auch Urkundenfälschung begangen. Darüber hinaus hatte er im Juli 1909 auch eine junge Frau unter dem Decknamen „Dr. Haller aus Prag“ in ein Linzer Hotel bestellt. Doch die junge Frau roch die Lunte und alarmierte die Polizei, da sie Menschenhandel vermutete. Diese verhafteten Adolf Hofrichter nicht, da sie sich keinen Ärger wegen einem Offizier einhandeln wollten. Adolf Hofrichter legte am 26. April ein Geständnis ab, das er am 9. Mai 1910 widerrief, um der Todesstrafe zu entgehen. Im Militärgerichtsverfahren im Wiener Garnisonsgericht am Hernsaler Gürtel vom 23. bis 25. Mai 1910 wurde der Oberleutnant Adolf Hofrichter wegen des Mordes an dem Hauptmann im Generalstab Richard Mader zu 20 Jahren verschärften, schweren Kerker verurteilt. Am 27. Juni 1910 wurde er in die Militäranstalt Möllersdorf überführt, der erst wieder am 25. Juni 1930 entlassen worden wäre. Doch durch das Ende der Donaumonarchie wurde er am 8. November 1918 mit amtlichen Entlassungsschein in Freiheit entlassen. Im Mai 1919 wurde er erneut inhaftiert. Im September 1919 wurde er dann endgültig begnadigt. Seine Ehefrau Anna und ihr gemeinsames Kind warteten nicht auf ihn, da diese sich noch während Haft hatte scheiden lassen. In Freiheit änderte Adolf Hofrichter seinen Namen in Adolf Richter und arbeitete als Handelsvertreter, der gern nach Prag und Paris reiste, bis er am 29. Dezember 1945 in Wien das Zeitliche segnete. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom Kunst Haus Wien – Museum Hundertwasser, das sich im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße befindet, in dem einst der Generalstäbler Richard Mader von dem Oberleutnant Adolf Hofrichter ermordet worden war. 🙂











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