Im Jahre 1212 erlebte die Stadt Wien eine schaurige Episode, die bis heute in den Gassen und Geschichten der Stadt weiterlebt. In der malerischen Schönlaterngasse, bekannt für ihre bescheidenen Häuser und geschäftigen Handwerker, lebte einst ein Bäckermeister namens Martin Garhibl. Weniger bekannt, aber nicht minder entscheidend, war der Hausbrunnen, der eines Tages zum Schauplatz eines unheimlichen Geschehens werden sollte. Die Geschichte beginnt mit einer ganz gewöhnlichen Situation – einer Magd, die am frühen Morgen Wasser aus dem Brunnen schöpfen wollte. Doch an diesem Tag war etwas anders. Während sie ihr Eimerchen absenkte, erblickte sie im trüben Wasser ein geheimnisvolles Glitzern. Ein übler Gestank stieg auf, der ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. Erschrocken schrie sie auf und rannte davon. Ein mutiger Lehrjunge, der bekannt dafür war, sich vor nichts zu fürchten, bot sich an, das Geheimnis des Brunnens zu lüften. Getrieben von Neugier und vielleicht auch dem Wunsch, sich als Held zu beweisen, ließ er sich an einem Seil in die dunklen Tiefen abseilen. Was er dort sah, ließ selbst ihn erschauern: Ein grässliches Tier mit der Gestalt eines Hahnes, einem vielzackigen Schuppenschweif, plumpen Füßen und glühenden Augen, thronte im Wasser und trug ein glühendes Krönlein auf seinem Haupt. Mit einem erstickten Schrei wurde der Lehrjunge hastig zurückgezogen, sein Mut war in Furcht umgeschlagen. Die Aufregung breitete sich schnell aus. Die Einwohner der Schönlaterngasse versammelten sich, um dem Spektakel beizuwohnen. Der Stadtrichter, Jakob von der Hülben, und seine Knechte machten sich sofort auf den Weg, um das Ungeheuer zu untersuchen. Experten wurden konsultiert, darunter ein gelehrter Doktor namens Heinrich Polliker, der schließlich erklärte, dass es sich ohne Zweifel um einen Basilisken handelte – ein gefürchtetes Geschöpf, dessen Anblick tödlich war. Laut Überlieferung entsteht der Basilisk aus dem Ei eines Hahnes, das von einer Kröte ausgebrütet wird, der einen giftigen Atem und scharfe Krallen besitzt. Der Rat des Weisen war einfach, aber auch riskant: Um das Ungeheuer zu besiegen, musste man ihm einen Spiegel vorhalten. Denn das Monster, so wurde gesagt, könne seine eigene Hässlichkeit nicht ertragen und würde vor Wut zerplatzen, wenn es sich selbst erblickte. Eine Lösung war gefunden, doch die Aufgabe blieb gefährlich. Unter den neugierigen Blicken der Bewohner meldete sich diesmal der Bäckergeselle Hans Gelbhaar. Trotz seiner anfänglichen Angst hatte er den Entschluss gefasst, das Ungeheuer zu besiegen und damit auch das Herz der schönen Apollonia, der Tochter des Bäckermeisters, zu gewinnen. Diesem war Hans schon längst ein Dorn im Auge, insbesondere nachdem der Geselle um die Hand seiner Tochter angehalten hatte und mit einem höhnischen Kommentar abgewiesen worden war. Inmitten der aufgeregten Menge, hielt Hans einen Spiegel vor sich, während er sich an das Seil binden ließ. Als er in den Brunnen hinabgelassen wurde, war die Stille überwältigend. Der Basilisk bemerkte die Bewegung und drehte sich um. Die beiden Augen, glühend wie Kohlen, starrten auf den Spiegel. Ein lautstarker, ohrenbetäubender Schrei erklang, als der Basilisk sein eigenes Abbild erblickte. In einem Augenblick der Wut und des Schreckens zerplatzte das Ungeheuer, und das gespenstische Echo hallte durch die Gassen. Nach dem Sieg erzählten die Einwohner von dem mutigen Hans, der den Basilisken besiegt hatte. Für seine Tapferkeit erhielt er die Hand von Apollonia und der Bäckermeister war gezwungen, ihn als Schwiegersohn zu akzeptieren. Der Schrecken war gebannt, und der Brunnen wurde mit Erde zugeschüttet, sodass das grässliche Tier nie wieder sein Unwesen treiben konnte. Um diese denkwürdige Begebenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, ließ ein späterer Besitzer des Hauses einen steinernen Basilisken an der Stirnwand anbringen. Diese Statue, die bis heute zu sehen ist, erinnert an die unheimlichen Ereignisse, die sich in der Schönlaterngasse 7 zugetragen haben. Eine Nische im Haus birgt eine mittlerweile verwitterte Inschrift, die die Legende des Basilisken dokumentiert und die Nachwelt vor der Gefährlichkeit solcher Fabelwesen warnen sollte. Es ist bemerkenswert, dass der Glaube an solche Kreaturen weit verbreitet war. Über viele Jahre hinweg wurden Basilisken als echte lebendige Wesen angesehen und in Sammlungen zur Schau gestellt, obwohl sich herausstellte, dass viele dieser Exemplare nichts weiter als Betrug waren, hergestellt aus Teilen verschiedener Tiere. Die Geschichte des Basilisken von Wien ist mehr als nur eine gruselige Erzählung. Sie spiegelt die Ängste und den Aberglauben einer Zeit wider, in der das Unbekannte und Übernatürliche eine große Rolle im Leben der Menschen spielte. Es ist eine Erinnerung daran, dass Mut und Einfallsreichtum selbst die größten Schrecken überwinden können, und dass die Legenden vergangener Zeiten uns in ihren Bann ziehen und gleichzeitig lehren. Besucher der Stadt Wien sollten sich die Zeit nehmen, um die Schönlaterngasse zu erkunden und das steinerne Abbild des Basilisken zu bewundern – ein ehrwürdiges Denkmal für den Mut des jungen Hans und die schaurigen Abenteuer, die die Stadt prägten. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von der Donaumetropole Wien. 🙂


























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