Der hingerichtete Reformator Jan Hus und die Vampirin von Konstanz

Isabella Müller Konstanz Bodensee @isabella_muenchen

Die Stadt Konstanz am Bodensee war vor über 600 Jahren ein Schauplatz, auf den die ganze Welt blickte. Denn in der 6.000 Einwohner zählenden Bischofsstadt fand am 5. November 1414 der größte Kongress des Europäischen Mittelalters mit 70.000 Menschen aus der ganzen Welt, das Konstanzer Konzil, statt. Dieser wurde vom römisch-deutschen König Sigismund einberufen, um die Kirchenspaltung mit der Wahl eines neuen gesamtkirchlichen Papstes zu überwinden und gegen die Irrlehren vorzugehen. Von 1414 bis 1418 wurden drei Päpste abgesetzt, der böhmische Kirchenreformator Jan Hus, der sich gegen die Missstände in der Kirche auflehnte trotz Zusicherung des freien Geleits von König Sigismund, auf dem Scheiterhaufen verbrannt und das erste Mal auf deutschem Boden Martin V. zum Papst gewählt. Zwar konnte die Kirchenspaltung verhindert werden, doch durch den Märtyrertod von Jan Hus entstand die Hussitenbewegung, die prägend für das tschechische Nationalbewusstsein war und erst nach siebzehn Jahren im Jahre 1436 ein Ende fand. König Sigismund wurde dadurch letzten Endes als böhmischer König anerkannt. Die letzten Worte von Jan Hus bevor er starb sollen: „Heute brät ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan auferstehen“, gewesen sein. Denn Gans heißt auf tschechisch „Husa“ und Jan Hus wurde als Ketzer verbrannt. Der Schwan ist ein Symbol Martin Luthers, der 100 Jahre später mit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen an den Türen der Schlosskirche Wittelberg zum Urheber der Reformation wurde. So war der qualvolle Tod von Luthers Vorgänger Jan Hus nicht umsonst, der nicht auf das versprochene Wort von Kaiser Sigismund hätte hören sollen. Dieser Kaiser heiratet in zweiter Ehe, die adelige Barbara von Cilli, die nicht nur großen politischen Einfluss hatte, sondern auch als Alchemistin und Okkultistin verschrien war. Dies rührte auch von ihrem großen politischen Engagement und der Mitgründung des legendären Drachenordens. Um ihre Macht zu schwächen, wurden zahlreiche Gerüchte ins Leben gesetzt. Besonders die Habsburger betrieben eine waschechte Hetzkampagne gegen sie. So soll sie der Legende nach als Vampirin während des Konstanzer Konzils umhergewandelt sein. Ebenso soll die römisch-deutsche, ungarisch und böhmische Königin, die in Abwesenheit ihres Mannes Statthalterin in Ungarn war, auch im Balkan als Vampirin ihr Unwesen getrieben haben. Bekräftigt wurden diese Anschuldigungen damit, dass sie bei der Heiligen Kommunion ihrer Tochter Elizabeth, Blut getrunken habe. Barbara von Cilli war eine selbstbewusste Frau, die auch in der Politik sehr aktiv war, was ihr zwar Ansehen, aber auch viele Feinde bescherte. Sie gehörte zu den meist gehassten Persönlichkeiten des 15. Jahrhunderts und galt als die deutsche Messalina. Messalina war die dritte Gemahlin des römischen Kaisers Claudius, die er wegen ihrer skandalösen Lebensweise im Jahr 48 hinrichten ließ. Zwar wurde Barbara von Cilli nicht hingerichtet, sondern starb am 11. Juli 1451 in Mělník an der Pest und wurde anschließend in der königlichen Gruft beigesetzt, doch auch sie soll neben ihrer dunklen Magie und ihrem großen Eingreifen in die Politik wie ihr Gemahl viele außereheliche Liaisons gehabt haben. Darum wird sie bis heute als enfant terrible bezeichnet, obwohl sie vielleicht als selbstbestimmte Frau, die sich aktiv ins Geschehen ihrer Zeit einmischte, einfach ihrer Zeit voraus war. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos von Konstanz Altstadt. 🙂

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