Der niederträchtige Syndikus

Isabella Mueller @isabella_muenchen

Einst lebte in der Stadt Zweibrücken in einem herrschaftlichen Haus ein alter, grässlicher Syndikus. Dieser Rechtsgelehrte war ein kluger Mann, der dem Stadtrat stets in heiklen Fällen zur Seite stand. Der reiche Syndikus lebte ganz allein in seinem großen Haus, was wohl an seinem nicht gerade ansehnlichem Äußeren und seiner barschen Art lag. Da er die Kirche mied und immer auf das Volk schimpfte, das die sonntäglichen Gottesdienste besuchte, galt er als eigenartiger Kautz. Doch eines Tages besuchte dieser Eigenbrötler jeden Sonntag den Gottesdienst in der Kapelle am Kreuzberg. Wenige Wochen später verkündete der Pfarrer, dass bald ein Paar sich in der Kapelle trauen lassen würde und bei diesem Brautpaar handelte es sich tatsächlich um den alten Syndikus und die bildschöne Magd Lisbeth. Schnell wurde klar, warum der alte Mann die Kapelle jeden Sonntag besucht hatte. Denn direkt daneben wohnte Lisbeths Mutter Martha. Eine arme verwitwete Frau, die er mit reichen Geldspenden davon überzeugte, dass diese in eine Heirat mit ihrer schönen Tochter nicht nur einwilligte, sondern diese auch dazu brachte, ihm ihr Ja-Wort zugeben, obwohl Lisbeth viel lieber den schmucken Jägersburschen geehelicht hätte. Totenbleich schritt sie am Tag ihrer Trauung zum Altar und heiratete den grauslichen Syndikus. Zusammen mit ihrer Mutter zog sie in sein großes Haus. Bald darauf starb ihre Mutter und Lisbeths Sehnsucht nach dem Jägersburschen wuchs von Tag zu Tag, bis sie es nicht mehr aushielt und ihn immer traf, wenn ihr Gemahl beim Stadtrat zugegen war. Doch eines Tages überraschte er die beiden inflagranti. Darauf floh der Jägersbursche und ward nicht mehr gesehen. Kurze Zeit später sah man den alten Syndikus mit Lisbeth zum Steinbruch spazieren. Am nächsten Tag brachte jemand die Nachricht, dass im Steinbruch eine tote Frau mit Messer im Herzen liege. Sofort wurde vermutet, dass es Lisbeth sein könnte. Man eilte zum Haus des Syndikus, der da war und die tote Frau in die Stadt bringen ließ, die tatsächlich Lisbeth war. Der Mord machte schnell die Runde, doch keiner traute sich den reichen Syndikus anzuklagen. Auch dem Herzog kam die Nachricht der ermordeten Frau zu Ohren. Darum beauftragte er seine Wachen den Syndikus zu verhaften. Als diese im Haus des Syndikus ankamen, entdeckten sie ihn mit abgeschnittenen Kopf am Boden liegend. Der Anblick war so grausam, dass sie aus dem Haus flohen und als sie zurückschauten, sahen sie den Syndikus mit seinem Kopf unter dem Arm am Fenster stehen. Es vergingen einige Tage bis sie sich wieder ins Haus trauten und den Leichnam im Sarg abtransportierten. Doch als sie zum Haus zurückschauten, stand wieder der Syndikus mit Kopf unter seinem Arm am Fenster. Sofort setzten sie den Sarg ab und öffneten den Deckel. Darin lag der Syndikus, den sie daraufhin schnell bestatteten. Nachdem der Syndikus begraben war, soll er wieder aus seinem Sarg gekrochen und mit seinem Kopf unterm Arm zum Steinbruch spaziert sein, wo er Lisbeth kaltblütig ermordet hatte. Dafür wurde er verdammt kopflos umherzuirren und nie mehr Ruhe zu finden. So die Sage vom niederträchtigen Syndikus. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von der Zweibrücker Altstadt. 🙂

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