Der Amthof des Klosters Herrenalb

Isabella Müller @isabella_muenchen

Eines der besterhaltendsten klösterlichen Wirtschaftshöfe in Süddeutschland ist der Amthof in Oberderdingen. Dieses besondere Kulturdenkmal entstand anno 1216 aus einem Sitz des Oberadels der Herren von Derdingen, um das 50 Kilometer entfernte Kloster der Zisterziensermönche zu versorgen. Insgesamt bestand die historische Anlage aus mehreren Gebäuden wie dem Torwächterhaus, der Abtskapelle, dem Bandhaus, der Feuerwehrremise, der Laurentiuskirche, dem Hexenturm und dem freistehenden Glockenturm. Umgeben war der Amthof von einer Ringmauer, die um 1400 zum Schutz vor pfälzischen Überfällen errichtet wurde. Diese Ringmauer hatte auch Wasser- und Trockengräben und an der Südseite einen Zwinger durch den ein Durchlass, ein Teuchel-Loch, führte und durch das früher in Holzrohren das Trinkwasser für die Brunnen im Amthof geleitet wurde. Die Ringmauer hatte mehrere Wachtürme, einer von ihnen war der Hexenturm, der bis nach dem Zweiten Weltkrieg als Ortsarrest diente. Seinen Namen erhielt er als zur Zeit der Hexenverfolgung dort verdächtige Frauen eingesperrt wurden. In den Amthof gelangte man damals durch den Torbogen, der einst mit einer Zugbrücke ausgestattet war. Neben dem herrenalbschen Wappen in der Mitte des Torbogens befindet sich seit dem 16. Jahrhundert das Motto des Abts Lukas Götz von Merstetten „Ama Me Te Semper Arnavi“, „Liebe mich, wie ich Dich auch liebe“, dort. Auch das württembergische Wappen wurde nach der Eroberung von Herzog Ulrich dort angebracht. Neben dem Torbogen steht das Torwächterhaus, in dem seit 1985 die Bücherei untergebracht ist. Der Verwaltungssitz des Klosters befand sich im 1391 errichteten Amtsgebäude, das heute als evangelisches Gemeindehaus genutzt wird. Darüber hinaus gab es eine Kelter und eine Zehntscheune. In der Zehntscheune wurde 1480 das klösterliche Stabsamt eingerichtet. Dort mussten die Untertanen nicht nur ihren „Zehnten“ abgegeben, sondern das Gebäude diente auch als Depot für Getreide und andere Abgaben aus den sieben umliegenden Dörfern. Seit 1985 befindet sich dort das Rathaus. Direkt daneben liegt die Abtskapelle und das Bandhaus. Die Abtskapelle war die frühere Hauskapelle für den Pfleger und seine Laienbrüder. Das Bandhaus war neben der Küferei auch Behausung für die Bediensteten. Anno 1960 wurde es abgerissen, um Platz für ein Gebäude der Weingärtnergenossenschaft zu machen. Ebenso befindet sich im Amthof die Feuerwehrremise, die 1749 vom württembergischen Amtmann errichtet wurde und als Unterbringung der Löschgeräte diente. Auf dem Gelände befindet sich neben der Laurentiuskirche, die im Auftrag von Herzog Ludwig von Württemberg von 1571 bis 1574 als evangelische Kirche errichtet wurde, auch ein mächtiger 49 Meter hoher Glockenturm, dessen unterer Teil, das sogenannte Steinhaus als Getreidespeicher fungierte. Der Amthof mitten im Ortskern von Oberderdingen ist ein wertvolles kulturelles Gut, das mir einen Streifzug durch die Ortsgeschichte ermöglichte und das in herrlicher Kulisse von alten, sanierten Fachwerkhäusern. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos davon. 🙂

Verfasst von

Webseite: www.isabellamueller.com . Email: post@isabellas.blog . Instagram: @isabella_muenchen . Facebook: @IsabellaMuenchen . Twitter: @IsabellaMuelle9