Die irre Erpressung der Leipziger Hammermörder

Isabella Mueller @isabella_muenchen Leipzig

Die Stadt Leipzig war einst der wichtigste Standort für deutsche Verlage und Buchgroßhändler. Diese waren hauptsächlich im Graphischen Viertel östlich der Innenstadt ansässig. Hier befanden sich auch die späteren Verlagshäuser und Druckereien von Johann Jacob Weber, außer seinem Stammhaus in der Nikolaistraße in Leipzigs Altstadt. Dieser hatte Deutschlands erste Illustrierte, die sogenannte „Illustrirten Zeitung“ herausgegeben. Sein Enkel Siegfried Weber erlangte später Berühmtheit, da er über zwei Jahre lang erpresst wurde. Man schreibt das Jahr 1908. Es ist Heiligabend als in der Firma J.J. Weber ein Brief ohne Absender an den Verlagsbuchhändler Siegfried Weber einging. Dieser las den Brief aber erst am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages. In dem Brief forderte ein Mann namens Argus, dass Weber am 24. Dezember bis 18 Uhr 5000 Mark in Gold im Zeitungskiosk am Alten Theater hinterlegen sollte. Dies sollte quasi ein Vorschuss für seine sensationellen Memoiren sein, in denen er über 30 eigenhändig ausgeführte Morde berichten würde. Wenn das Buch fertiggestellt ist, sollte Weber nochmals 5000 Mark in Gold zahlen. Damit es sich nicht um eine Finte handelte, schilderte der Mann zum Beweis den brutalen Doppelmord an dem 60-jährigen Schriftsetzer Georg Friedrich und seiner Frau Marie, deren Schädel er mit einem Hammer zertrümmert hatte. Tatsächlich wurde am 2. November 1908 in der Windmühlenstraße 21 das Ehepaar Friedrich in ihrer Wohnung von einem Untermieter ermordet und ausgeraubt aufgefunden. Das Königliche Justizministerium hatte eine Belohnung von 500 Mark auf Hinweise ausgesetzt. Verdächtigt wurden zwei gut gekleidete Männer Mitte 20, die sich am 30. Oktober bei den Friedrichs für den 2. November 1908 unter falscher Identität eingemietet hatten. Die Polizei konnte die beiden Herren jedoch nicht ausfindig machen. Da der Verleger Weber wegen zu späten Öffnens den Übergabetermin verpasst hatte, erhielt er weitere Briefe mit Forderungen von dem Erpresser. Insgesamt erhielt Weber 12 Briefe, die neben Geldforderungen auch üble Morddrohungen gegen ihn und seine Familie beinhalteten. Per Zeitungsinserat versuchte Weber Kontakt zu dem Erpresser aufzunehmen, in dem er in einem Brief 500 Mark an einem Zeitungskiosk für den Erpresser hinterlegen ließ, damit er endlich ihn und seine Familie in Ruhe lasse, da er keinerlei Interesse an seinem Buch hege. Doch der Brief wurde nicht abgeholt. Im Februar 1909 war der Höhepunkt erreicht als der Erpresser für seinen angeblichen Weltbestseller 30.000 Mark von Weber forderte. Da es keine Rückschlüsse auf den Erpresser gab, versuchte die Staatsanwaltschaft mithilfe von Psychologen und Schriftsachverständigen Rückschlüsse auf den Erpresser zu ziehen. Auch ein Phantombild nach Zeugenaussagen von dem Mord an dem Ehepaar Friedrich wurde angefertigt und die Presse ermahnte die Öffentlichkeit zur Mithilfe. Zudem hatte die Staatsanwaltschaft die Belohnung für Hinweise auf 5000 Mark erhöht. Am 16. Juni 1910 passierte ein Wunder. Weber wurde von einem Eilbotenjungen ein Brief überreicht. Er wusste, dass dieser nur vom Erpresser sein konnte und schrieb geistesgegenwärtig eine Antwort, die der Eilbotenjunge dem Absender bringen sollte. Dann eilte er zu seinem Freund, der im Auto gewartet hatte, da sie eigentlich einen Jagdausflug machen wollten. Stattdessen machten sie Jagd auf den Erpresser, in dem sie dem Eilbotenjungen folgten. Nach langer Strecke übergab er den Brief von Weber einem Mann, der als Weber aus dem Auto stieg und diesem sich näherte, die Flucht ergriff. Weber setzte sich wieder ins Auto und nahm die Verfolgung des Mannes auf. Er schaffte das Unmögliche und stellte nach einer wilden Verfolgungsjagd den Mann, der anschließend verhaftet wurde. Bei dem Mann handelte es sich um Karl Koppius, der zusammen mit seinem jüngeren Bruder Fritz das Ehepaar Friedrich brutal mit einem Hammer ermordet hatte. Das Ehepaar musste getötet werden, da sie keine Zeugen wollten. Denn die blutrünstigen Brüder hatten einen Raubüberfall auf einen Geldbriefträger geplant. Dieser wurde mit einer Postanweisung, die am 30. Oktober Karl Koppius im Börsenpostamt aufgegeben hatte, in die Friedrische Wohnung, in der sie sich am 2. November eingemietet hatten, gelockt. Sie töteten das Ehepaar und warteten auf den Geldbriefträger, der die Postanweisung in Höhe von 8,25 Mark an Paul Schlegel, der Karl Koppius war, auszahlte. Doch statt ihn in die Wohnung zu zerren und auszurauben, mussten sie ihn ziehen lassen, da ein Kollege, der im gleichen Haus eine Nachnahmesendung zugestellt hatte, auf ihn wartete. Dieser Zufall rettete dem Geldbriefträger sein Leben. Danach hatte Karl Koppius die irre Idee den Verleger Siegfried Weber zu erpressen. Er war überzeugt, dass er einen Weltbesteller verfassen würde. Nachdem Karl Koppius verhaftet worden war, wurde am nächsten Tag auch sein Bruder Fritz inhaftiert. Im Zuge der Ermittlungen gestanden die Brüder diverse Verbrechen. Tatwaffe war jedes Mal ein Hammer, weshalb die Brüder als die Hammermörder in Leipzigs Kriminalgeschichte eingingen. Am 5. Oktober 1910 wurden Karl und Fritz Koppius zum Tode verurteilt. Doch Fritz wurde vom sächsischen König begnadigt, in dem er das Todesurteil in lebenslänglich Zuchthaus umwandelte. Damit war das Schicksal des mordenden Bruderpaares besiegelt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos des Bayerischen Bahnhofs, der sich unweit der Windmühlenstraße in Leipzig befindet. 🙂

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