Der Anschlag

Isabella Müller @isabella_muenchen Prag

Am 7. Juli 1973 verfasste die 22 Jahre alte Olga Hepnarová einen Brief. In diesem kündigte sie an, dass sie im 7. Prager Stadtbezirk mit einem gestohlenen Bus mit voller Geschwindigkeit in eine Menschenmasse rasen würde. Diesen Brief schickte sie 3 Tage später an die Redaktion der Zeitung „Svobodné Slovo“ und an die Zeitschrift „Mladý Svět“. Keiner ahnte, dass Olga Hepnarová noch am selben Tag ihre schriftliche Ankündigung in die Tat umsetzen würde. Diese fuhr in einem geliehenen LKW auf der heutigen Milade Horákovástraße vor dem Haus Nr. 9 auf den Gehweg, der auch als Straßenbahnhaltestelle diente. Dort warteten etwa 25 Menschen auf die Straßenbahn. In diese Menschenmenge raste Olga Hepnarová mit voller Absicht. Bei dem Anschlag starben 8 Menschen und 12 Menschen wurden dabei schwer verletzt. Doch warum raste Olga Hepnarová in die Menschenmasse? Die Antwort war Gesellschaftshass. Olga Hepnarová wuchs behütet als Tochter einer Zahnärztin und eines Bankbeamten auf. Sie war eine gute Schülerin, die aber schwer soziale Kontakte schloss, schon fast Autistin war. Olga Hepnarová entwickelte mit zunehmenden Alter immer mehr psychische Probleme, weshalb sie im Juni 1964 mithilfe von Medikamenten einen Suizidversuch unternahm. Doch Olga konnte gerettet werden, wurde aber für 1 Jahr in eine psychiatrische Klinik untergebracht. In dieser wurde sie von ihren Mitpatientinnen misshandelt. Olga Hepnarová war eine kettenrauchende schwer depressive Außenseiterin, die ihre Mitmenschen als ihr gegenüber feindlich gesinnt empfand. Zugleich war Olga auch hyperaktiv und fühlte sich zu Frauen hingezogen. Vielleicht begann sie auch darum eine Ausbildung als Kraftfahrerin, was zu dieser Zeit als typischer Männerberuf galt. Zuerst lebte Olga in einer Hütte, doch aufgrund der kalten Winter, zog sie in das Wohnheim ihres Ausbildungsbetriebes. Dann verliebte sie sich in eine junge Frau, mit der sie eine frenetische Beziehung führte. Doch als diese die Beziehung plötzlich beendete, fiel Olga erneut in ein tiefes Loch. Ihr Hass auf die Gesellschaft wuchs, der in dem Anschlag am 10. Juli 1973 gipfelte. Ohne Skrupel und kaltblütig war Olga in die unschuldige Menschenmasse mit dem LKW gerast. Auch bei Gericht zeigte sie keine Reue. In ihrem Schlussplädoyer bezeichnete sie sich als der Prügelknabe der Gesellschaft. Olga Hepnarová wurde am 6. April 1974 vom Stadtgericht Prag wegen 8-fachen Mordes zur Todesstrafe verurteilt. Diese akzeptierte das Urteil. Ihre Mutter hatte jedoch ein Gnadengesuch beim damaligen tschechischen Staatspräsidenten eingereicht, der dieses am 3. März 1975 abwies. Am 12. März 1975 wurde Olga Hepnarová als letzte Frau in Tschechien hingerichtet. Vor ihrer Hinrichtung wehrte sich Olga Hepnarová aufs Extremste, so dass die Gefängniswärter sie regelrecht auf den Hinrichtungsplatz schleifen mussten. Bis heute fasziniert Olga Hepnarová Menschen weltweit, deren Leben nicht nur Lese-, sondern auch reichlich Filmstoff lieferte. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Prags Altstadt, der Stadt, in der Olga Hepnarová nicht nur lebte und den grausamen Anschlag auf unschuldige Menschen verübte, um sich an der Gesellschaft zu rächen, sondern auch hingerichtet wurde. 🙂

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