Die Panther-Bande

Isabella Mueller @isabella_muenchen München

Eine der gefährlichsten Verbrecherbanden der Nachkriegszeit, die ganz München in Angst und Schrecken versetzte, war die Panther-Bande. Der Anführer dieser skrupellosen Bande war der erst 21 Jahre alte Münchner Mauergeselle Hugo Werner, ein ehemaliger Musterschüler, der als Bücherwurm am liebsten Indianerromane verschlang. Diese faszinierten ihn so sehr, dass er bereist im Alter von 13 Jahren zusammen mit vier anderen Freunden den Pantherbund gründete und diese im Anschleichen, Spurenlesen und Überrumpeln unterrichtete. Niemand ahnte zu dieser Zeit, dass diese Jungenbande zu einer der brutalsten Gangsterbanden der Nachkriegszeit werden würde. Da Hugo Werner von der Idee besessen war, eine Gangsterbande im großen Stil zu werden, holte er den 24 Jahre alten Albrecht Stein mit ins Boot. Mit diesem verübten sie am 23. November 1946 den ersten großen Überfall auf eine Großtankstelle an der Brienner Straße. Ziel war es, Benzinmarken und Werkzeuge zu erbeuten, was aber nicht glückte, da ein Nachtwächter ein Bandenmitglied fasste. Zwar konnte Hugo Werner flüchten, wurde jedoch im Tumult ausgerechnet von Albrecht Stein in die Brust geschossen. Die Pantherbande schaffte es jedoch ihren 15 Jahre alten Anführer in einer Kriegsruine auf den Habsburger Platz zu schleppen. Dieser glaubte nicht daran, dass Albrecht Stein ihn zufällig getroffen hatte. Da auf Verrat die Todesstrafe stand, wurde dieser getötet und unter dem Schutt in der Kriegsruine begraben. Just nach dem dieser verscharrt war, tauchte die amerikanische Militärpolizei auf und verhaftete die Panther-Bande. Wie durch ein Wunder blieb die Leiche unentdeckt. Die Panther-Bande wurde wegen diverser Einbrüche zu zwei Jahren Jugendknast in Niederschönfeld verurteilt. Anno 1949 kam die Bande wieder frei, die nun unter dem Deckmantel einer bürgerlichen Identität mit geregeltem Einkommen weitere Einbrüche verübte. Dabei wurde stets ein Teil der Beute gerecht verteilt, der größere Teil wurde in einer sogenannten Bundeskasse angespart. Hugo Werner arbeitete als Maurer und suchte ständig neue Mitglieder. Er nahm den 17 Jahre alte, vorbestraften Alois Lechhart in die Gangsterbande auf. Diesem gab er 30 Mark, da ihm das Fahrgeld für die Anmeldung bei der Fremdenlegion fehlte. Als er diesen wenige Monate statt in der Fremdenlegion in München sah, wurde ihm klar, dass Lechhart ein Verräter war. Denn bereits 1946 war Lechhart vom Tankstellennachtwächter zur Kripo gebracht worden und zwar genau an dem Abend als die Panther-Bande gefasst wurde. Lechhart wurde am 13. August 1949 in die Isarauen gelockt, wo ihn Werner erschoss. Am 20. Februar 1951 überfiel die Panther-Bande den Geldboten Martin Plenagl vom Hauptzollamt an der Landsberger Straße. Doch dieser wehrte sich, weshalb ihn Werner eine Kugel in den Rücken jagte. Als sie die erbeutete Aktentasche des Geldboten öffneten, war diese jedoch leer. Umsonst hatte Werner den Geldboten getötet. Zuvor hatten sie am 30. Januar 1951 den Zigarrenhändler Josef Gassner in seinem Schwabinger Kiosk überfallen, dem sie mit einem Schuss in seinen Oberschenkel niederstreckten. Anschließend flüchteten sie ohne nennenswerte Beute. Danach stieß der 20 Jahre alte Mechaniker Erich Reutner zur Panther-Bande, der einst mit Hugo Werner im Jugendgefängnis eingesessen hatte. Dieser Neuzugang schlug vor seinen 70 Jahre alten Onkel, den pensionierten Gärtnermeister Matthias Augustin zu überfallen, der 10.000 Mark in seinem Haus in München-Harling aufbewahrte. Am 14. Oktober 1951 begaben sich Hugo Werner, Erich Reutner und ein weiteres Bandenmitglied zum Haus von Augustin, der kurz die Tür öffnete, aber sofort sich dagegen stemmte, als er seinen Neffen sah. Sein Sohn Oskar eilte ihm zur Hilfe. Doch da fiel bereits ein Schuss, der Matthias Augustin tödlich in den Kopf traf. Anschließend flüchtete die Bande. Auf der Flucht versuchte sich Erich Reuter sein Leben während eines Kinobesuchs in Augsburg bei der Filmpause des Ingrid-Bergmann-Films „Weißes Gift“ auf der Herrentoilette mit drei Schuss zu nehmen. Doch die Ärzte konnten sein Leben retten. Die Polizei stellte fest, dass das Projektil mit dem des am 14. Oktober 1951 erschossenen Rentners Matthias Augustin übereinstimmte. Daraufhin besuchte der Amtmann Schmid Erich Reutner, der ihm alles über die Panther-Bande erzählte. Daraufhin wurde die Panther-Bande festgenommen. Am 11. Mai 1953 begann gegen die acht noch lebenden jungen Männer vor dem Landgericht München I. der Prozess wegen drei Morden, zwei Mordversuchen, schweren Raubüberfällen und räuberischer Erpressung. Am Pfingstsamstag 1953 wurde der coole Gangsterboss Hugo Werner und zwei weitere Haupttäter zu lebenslangen Zuchthaus verurteilt. Die 5 übrigen Angeklagten erhielten Haftstrafen von zwei bis zehn Jahren. Hugo Werner wurde nach mehr als 20 Jahren Haft 1973 vom Ministerpräsidenten Alfons Goppel begnadigt und aus der Haft entlassen. Die Panther-Bande wurde in zahlreichen Büchern und Filmen verewigt. Einer der ersten Kinofilme über diese Gangsterbande kam 1960 unter dem Titel „Am Tag, als der Regen kam“ in die Kinos. Die Rolle des Werner Hugo spielte kein Geringerer als Mario Adorf. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von München, der Stadt, in der die Panther-Bande jahrelang ihr Unwesen getrieben hatte. 🙂

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