Die Ausgeburt der Hölle

Isabella Mueller @isabella_muenchen Prag

Nicht nur Männer können Freude daran haben, andere zu quälen, auch Frauen können leidenschaftliche Sadistinnen sein. Eine von ihnen war die luxusverwöhnte 42 Jahre alte Josefine Luner, Gattin des Klavierfabrikanten Edmund Luner, die in einer noblen Villa in Mödling in der Jägerhausgasse 9 lebte. Am 10. Dezember 1934 hatte die schlanke, große Frau mit schwarzen langen Haare das 14 Jahre alte zierliche Bauernmädchen Anna Augustin aus Mannersdorf im Burgenland als Haus-und Kindermädchen eingestellt. Diese sollte sich neben dem Haushalt auch um den 2 Jahre alten Sohn und die 14 Jahre alte Tochter kümmern. Was Anna nicht ahnte war, dass ihr Leben in ihrem neuen Zuhause zur Hölle auf Erden werden würde. Josefine Luner liebte es Anna nicht nur psychisch mit Beschimpfungen und Beleidigungen zu erniedrigen, sondern sie auch physisch zu misshandeln. Ihre Züchtigungsmaßnahmen bestanden in Schlägen mit dem Teppichklopfer, Eiswasser über ihren Körper zu gießen, ihre Locken abzuschneiden, sie 24 Stunden hungern zu lassen oder ihre Zunge und Vagina mit einem glühenden Schürhaken zu verbrennen. Statt auf ihrem Zimmer im Dachgeschoss zu schlafen, musste Anna im Felsenkeller unweit der Villa auf dem nackten Steinboden, ohne Decke schlafen. Es war nur eine Frage der Zeit bis Anna an den Grausamkeiten krepieren würde. Dies war im Oktober 1935 kurz nach Mitternacht der Fall als Edmund Luner Annas Leiche in ihrem Zimmer in der Villa fand, die bereits in einem fortgeschrittenen Zustand der Verwesung war. Gegen 1 Uhr nachts meldete er den Leichenfund dem Gendarmerieposten in Mödling. Zu diesem Zeitpunkt war seine Gattin Josefine Luner ebenfalls schon seit Tagen spurlos verschwunden. Josefine Luner geriet schnell ins Visier der Ermittler, da Nachbarn aussagten, dass sie mehrfach beobachtet hatten wie Anna von ihr geschlagen worden war. Josefine Luner stand unter dem dringenden Tatverdacht mit dem Tod ihrer Hausgehilfin Anna etwas zu tun zu haben. Bereits im Juni 1929 stand Josefine Luner wegen Misshandlung, Freiheitsberaubung und Erpressung ihrer damaligen Hausangestellten Anna Neupärtl vor Gericht und wurde zu 6 Monaten schweren Kerkers und 300 Schilling Schmerzensgeld verurteilt. Danach misshandelte sie ihre neue Magd Franziska Greiml von Oktober 1930 bis November 1933, der sie drohte, diese umzubringen, wenn sie ihre Misshandlungen zur Anzeige brachte. Da sie diese eines Tages so schwer am Kopf verletzt hatte, blieb diese geistig und körperlich beeinträchtigt. Zu einer Anzeige kam es nie, auch nicht bei Helene Haditsch, die Josefine Luner ebenfalls wie danach Paula Krenn quälte, in dem sie so sehr mit einer Hundepeitsche auf letztere einschlug, dass deren Gesicht davon für gezeichnet war. Die Obduktion von Anna Augustin ergab, dass ihr Körper übersät war von Wunden. Josefine Luner wurde verhaftet und beschuldigt Anna Augustin durch andauernde Quälereien und Misshandlungen in einen qualvollen Zustand versetzt zu haben, die schließlich an ihren schweren Verletzungen gestorben war. Als Josefine Luner nach ihrem Verschwinden wieder auftauchte, leugnete sie hartnäckig die Tat. Im September 1936 kam es vor dem Landesgericht II auf dem Hernalser Gürtel zu einem aufsehenerregenden Prozess, in dem 120 Zeugen und 8 Sachverständige ihre Aussagen machten. Immer wieder kam es zu Buhrufen im Publikum, da Josefine Luner im Prozess keinerlei Reue zeigte. Sie verteidigte vielmehr ihre Züchtigungsmaßnahmen, da sie ihrer debilen Haushaltshilfe Anna, die Bettnässerin war, nur helfen wollte. Ein psychiatrisches Gutachten attestierte Josefine Luner Bosheit und Grausamkeit in Verbindung mit erotischen Trieben. Am 7. Oktober 1936 befanden die Geschworenen Josefine Luner des vorsätzlichen Mordes an Anna Augustin für schuldig. Sie wurde zum Tod durch Erhängen verurteilt. Dieses Urteil feierte das Publikum mit Bravorufen. Jedoch wurde das Urteil später in lebenslangen schweren Kerker durch den Bundespräsidenten Wilhelm Miklas umgewandelt. Ihr Ehemann Edmund Luner erhielt wegen Mittäterschaft 6 Jahre schweren Kerker. Denn wie schon Albert Einstein treffend bemerkte: „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Freude mit meinen Fotos vom Manner Werksverkauf im 17. Wiener Gemeindebezirk Hernals, in dem einst der Prozess gegen die Sadistin Josefine Luner stattfand. 🙂

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