Die Grabkirche der Königsfamilie in Delft

Isabella Müller @isabella_muenchen www.isabellas.blog Niederlande Delft Holland

Das weithin sichtbare Wahrzeichen und zugleich eine der größten sowie bekanntesten Kirchen der Niederlande ist die Nieuwe Kerk auf dem pulsierenden Marktplatz der Keramikstadt Delft in der Provinz Südholland. Die Kirche aus Backsteingotik gegenüber vom Rathaus ist als die Grabkirche der niederländischen Königsfamilie weltweit bekannt. Ihr markanter 108,75 Meter hoher Westturm ist der zweithöchste des Landes, der seit 1660 36 Glocken besitzt. Die Glocken erklingen alle Viertelstunde, halbe Stunde und ganze Stunde mit einem anderen Klang. Mehrere Glockenspieler bespielen zudem regelmäßig das Carillon, das von Francois Hemony aus den Resten des Glockenspiels vom Rathaus geschaffen wurde. Mit dem Bau der Kirche wurde 1381 begonnen, die 1382 eingeweiht wurde. Der Überlieferung nach ging der Bau der Kirche auf folgende Vision zurück. Als der Bettler Simon wieder einmal von Jan Col, einem Lehrling eines Delfter Pelzhändlers, Essen gebracht bekam, zeigte der knieende Simon zum Himmel. Dort erschien die Jungfrau Maria inmitten einer goldenen Kirche. Kurz darauf verstarb der Bettler. Doch seitdem hatte Jan Col 30 Jahre lang immer am selben Tag im Januar diese Erscheinung. Mithilfe von 2 Beginen erreichte er, dass dort, wo sonst Menschen hingerichtet, eine Kirche gebaut wurde. Tatsächlich soll ein Dokument diese Vision von Jan Col bestätigen. Doch mittlerweile wurde diese Fata Morgan entmystifiziert, die von freigesetztem Methangas herrühren soll, was zu Halluzinationen führte. Der erste Bau der Kirche war aus Holz, der durch eine steinerne Basilika ersetzt wurde, die der Heiligen Maria geweiht ist. Da diese die zweite Pfarrkirche neben der „Oude Kerk“ war, erhielt diese den Namen „Nieuwe Kerk“, die anlässlich der Reformation 1572 an die Niederländisch-Reformierte Kirche überging. Am 6. September 1496 genau nach 100 Jahren Bauzeit war die Kirche mit der Fertigstellung des Westturms vollendet, die der Schutzpatronin St. Ursula geweiht ist. Die Heilige Ursula von Köln war einer Legende zufolge die Tochter des christlichen Königs Dionotus. Ihr Vater vermählte sie mit dem heidnischen Aetherius. Doch Ursula flüchtete zusammen mit 11.000 Gefährtinnen nach Rom, um ihre Jungfräulichkeit zu bewahren. Unterwegs wurden sie von den Hunnen überfallen. Ursula sollte ihren Anführer heiraten. Sie weigerte sich erneut. Daraufhin wurde sie mit ihren 11.000 Gefährtinnen von Pfeilen durchbohrt. Später wurde Ursula heilig gesprochen, die zur Schutzpatronin der Schulkinder und Lehrerinnen wurde. In den Kirchenturm schlug am 3. Mai 1536 ein Blitz ein, der einen großen Stadtbrand auslöste, bei dem die Kirche und die Stadt schwer beschädigt wurde. Bei den Aufräumarbeiten fand man unter der herabgefallenen Kirchenglocke, die vermisste Jacopmijne Pietersdochter, die zur falschen Zeit am falschen Ort war. Die alte, gebrechliche Frau war zum Beten in die Kirche gegangen, als der Blitz einschlug und sie von der Glocke begraben wurde. Welch tragisches Schicksal. Am 12. Oktober 1654 erlitt die Nieuwe Kerk ebenfalls starke Beschädigungen. Dieser Tag wird als Delfter Donnerschlag bezeichnet, da vormittags das Schießpulverdepot mit 90.000 Pfund Schießpulver explodierte. Die Explosion war so laut, dass der Knall selbst auf der 150 Kilometer entfernten Insel Texel zu hören war. Nach der Explosion wurde in den umliegenden Gemeinden Geld eingesammelt, um noch im gleichen Jahr mit dem Wiederaufbau der Kirche beginnen zu können. Anno 1655 bekam das Baudenkmal seine heutige Form, in dem die Kirche zur Kreuzbasilika aus Stein ausgebaut wurde. Im Jahr 1872 wurde die Turmspitze erneut durch einen Blitzeinschlag zerstört. Nach ihrem Wiederaufbau nach den Entwürfen des legendären Architekten Pierre Cuypers hatte diese eine Höhe von 108,75 Metern. Nur der Turm des Utrechter Doms mit seinen 112 Meter ist höher. Der Turm der Nieuwe Kerk kann bestiegen werden. Nach sage und schreibe 376 Stufen kann man in 85 Meter Höhe ganz Delft und Umgebung überblicken. Die Innengestaltung der Nieuwe Kerk wurde typisch für calvinistische Gotteshäuser recht schlicht gehalten, deren Hauptattraktion das prunkvolle Grabmonument von Wilhelm von Oranien ist. Dieses steht zentral im Chorraum unter einem freistehenden mit Marmorsäulen gestützten Baldachin. Es zeigt den lebensgroßen, sitzenden Wilhelm von Oranien davor und dahinter den Toten Wilhelm, der auf dem Kenotaph liegt. Entworfen wurde das Prunkgrab von dem berühmten Architekten Hendrik de Keyser. Das Denkmal ist mit zahlreichen Symbolen versehen. So stehen die vier Frauenstatuen aus Bronze für die Werte Freiheit, Gerechtigkeit, Glaube und Mut, für die Wilhelm von Oranien gekämpft hat, dessen Lebensmotto „Je maintiendrai“, was „Ich werde bestehen“ heißt, war. Wilhelm von Oranien wurde nach seiner Ermordung im Prinsenhof in Delft am 3. August 1584 dort beigesetzt. Dieser war von dem Franzosen Balthasar Gérards im Auftrag des spanischen Prinzen am 10. Juli 1584 erschossen worden. Seine letzten Worte waren: „Mein Gott, Mein Gott, hab Mitleid mit mir und mit diesem armen Volke.“ Seit dem Mord am „Vater des Vaterlandes“ wie Wilhelm von Oranien genannt wurde, werden die Mitglieder des niederländischen Königshauses, mittlerweile 46 an der Zahl, in der Krypta beigesetzt, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Nur der Bürgermeister von Delft besitzt dafür den Schlüssel. Der Legende nach hat Wilhelms Hund nach dessen Tod jegliche Nahrung verweigert. Ein weiteres bekanntes Grabmal ist das von Hugo Grotius, einem der berühmtesten Söhne der Stadt, der als Vater des internationalen Völkerrechts gilt. Ein politischer Konflikt mit Prinz Maurits brachte diesen ins Gefängnis, aus dem ihm eine spektakuläre Flucht in einer Bücherkiste gelang. Er ging ins Ausland, wo er bis zu seinem Tod lebte. Von dort veröffentlichte er viele Schriften. Ihm wurden auf dem Marktplatz sogar drei Bronzestatuen gewidmet. Besonders erwähnenswert sind die 17 handwerklich gefertigten Bleiglasfenster, die von der Jahrhunderte langen Geschichte dieses einzigartigen Bauwerks berichten. Auch ich kam bei meinem Besuch der Nieuwe Kerk nicht aus dem Staunen heraus und wünsche dir viel Freude mit meinen Foto-Impressionen dieses sakralen Kleinods. 🙂


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Herzlich Willkommen auf meiner Reise durch Kreativität und Entdeckung! Mein Name ist Isabella Mueller, und ich lade euch ein, die faszinierenden kreativen Universen zu erkunden, die ich durch meine Blogs erschaffe. Seit 2020 widme ich meine Leidenschaft dem Erzählen fesselnder Geschichten, die mysteriös, historisch und emotional sind. Es ist mein Ziel, nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen und den Entdeckergeist in jedem von uns zu wecken. Auf isabellas.blog kombiniert sich die Spannung von Kriminalgeschichten mit aufregenden Reisetipps. Stellt euch vor, ihr wandert durch malerische Straßen einer neuen Stadt und ergründet dabei dunkle Geheimnisse, die in den Schatten ihrer Geschichte verborgen liegen. Jedes Stück auf meinem Blog ist so konzipiert, dass es das Herz eines jeden Krimi-Fans höherschlagen lässt und gleichzeitig die Neugier auf unbekannte Orte weckt. Hier seid ihr eingeladen, den Nervenkitzel des Unbekannten und die Schönheit unserer Welt zu erleben – eine perfekte Kombination für alle Abenteuerlustigen! In meinem zweiten Blog, akteq.com, dreht sich alles um wahre, ungelöste Kriminalgeschichten. Unter dem Motto „akteQ: Cold Case Stories“ enthülle ich die unheimlichen und oft tragischen Geschichten hinter ungelösten Fällen. Gemeinsam können wir die Rätsel der Vergangenheit erforschen und tief in die menschliche Psyche eintauchen. Was geschah wirklich? Wer waren die Menschen hinter diesen mysteriösen Ereignissen? In diesem Blog lade ich euch ein, Fragen zu stellen und die Antworten zu finden, die oft im Dunkeln liegen. Ein weiteres spannendes Kapitel meiner Bloggerlaufbahn findet ihr auf thecastles.org. Hier beginne ich eine zauberhafte Reise durch die Geschichte der Burgen und Schlösser. Haltet inne, während ihr die Geschichten entdeckt, die in den Mauern dieser alten Gemäuer verborgen sind. „Explore the enchantment, discover the history – your journey begins at thecastles.org!“ Diese Worte sind mehr als nur ein Slogan; sie sind eine Einladung an alle, die Geschichte und Magie miteinander verbinden möchten. Lasst euch von den beeindruckenden Erzählungen und der Faszination vergangener Epochen inspirieren! Aber das ist noch lange nicht alles! Auf kripo.org erwartet euch ein umfassendes Onlinemagazin für echte Kriminalfälle. Taucht ein in die Welt des Verbrechens, erfahrt von den realen Geschichten hinter den Schlagzeilen und den Menschen, die sich mit der Aufklärung beschäftigen. Mit criminal.energy entführe ich euch in die packenden Erzählungen wahrer Verbrechen, in denen Bösewichte gejagt, gefasst und verurteilt werden. Die Suche nach Gerechtigkeit und die Konfrontation mit dem Unbekannten stehen im Mittelpunkt. Mit TrueCrime Blog 187.news geht’s in die Abgründe des Verbrechens. Und für all jene, die die Welt bereisen wollen, bietet wanderlust.plus die Möglichkeit, die Welt, ein Abenteuer nach dem anderen, zu erkunden. Hier geht es um die Liebe zur Erkundung und die Freude, neue Kulturen und Landschaften zu entdecken. Schließlich lädt truecrime.ch dazu ein, die dunklen Seiten der Schweiz und Europas zu entdecken: wahre Verbrechen, wahre Geschichten. Lasst uns gemeinsam die Geschichten entdecken, die die Welt um uns herum prägen. Ich freue mich darauf, euch auf dieser aufregenden Reise zu begleiten und hoffe, dass ihr viele unvergessliche Momente mit mir teilen werdet!