Reise in das mittelalterliche Judenviertel in Trier

Isabella Mueller @isabella_muenchen

Bei meiner Erkundungstour der Trierer Altstadt, entdeckte ich die „Kleine Judenpforte“. Eine Station eines historischen Pfades, der vom Trierer Judenviertel berichtet. Die erste urkundliche Bezeugung einer jüdischen Gemeinde in Trier liegt aus dem Jahr 1066 vor. Damals wurden die Juden der Stadt beschuldigt, durch Zauberkünste am Tod des Erzbischofs Eberhard beteiligt gewesen zu sein, der seinerseits die Trier Juden zwangstaufen wollte. Dreißig Jahre später kam es im Zusammenhang mit dem Ersten Kreuzzug, 1096, zu einem ersten Judenpogrom in der Stadt, wodurch viele Juden ums Leben kamen. Das mittelalterliche Judenviertel erstreckte sich zwischen Hauptmarkt, Jakobstraße und Stockstraße. Spätestens seit dem 11. Jahrhundert und bis zur Vertreibung der Juden aus der Straße 1418 war das dicht bebaute Stadtviertel von jüdischen Familien bewohnt. Die kleine Judenpforte wurde um das Jahr 1219 erbaut. Sie war einer von drei Zugängen in das Viertel. Der Durchgang wurde Anfang des 17. Jahrhunderts um drei Bögen nach Westen erweitert und Ende des 18. Jahrhunderts zum Markt vorgebaut. Über der Pforte befinden sich Fachwerkhäuser aus der Renaissance um 1600. Damals bestand das jüdische Stadtviertel aus 60 Häusern mit Synagoge, Gemeindehaus und jüdischen Einrichtungen. Ich besichtigte das ehemalige jüdische Stadtviertel, das heute von Gastronomiebetrieben geprägt ist. Nachdem ich den Durchgang durchquert hatte, erwarteten mich dicht stehende Häuser, in denen bis zu 300 Juden früher gelebt hatten. Die Enge, die hier herrschte, machte mir die lange Diskriminierung der Juden bewusst. Ich erlebte ein Stück Geschichte hautnah inmitten von Dutzenden Bars und Restaurants. In der Judengasse befindet sich auch das älteste erhaltene jüdische Wohnhaus in Deutschland. Das Haus wurde im Jahr 1235 zusammen mit drei Nachbarhäusern in der Judengasse errichtet. Die Deckenbalken des Hauses sowie die gotische Fassade sind auf das Jahr 1311 datiert. Zudem befindet sich in der Judengasse im Keller des Hauses Nr. 4/4a noch eine Mikwe, ein jüdisches Ritualbad. Von der Seite der Judengasse führt ein langer, tonnengewölbter Treppengang zu einem Keller, der sich unterhalb des Hinterhauses erstreckte. Der Raum mit Kreuzgratgewölbe mit zwei Jochen und einem massiven Gurtbogen weist eine Höhe von fast fünf Meter auf. An der Westwand des großen Raumes befinden sich zwei tiefe Rundbogennischen. Von der Ostseite schließen zwei tiefer gelegene Räume an, die über Treppenstufen erreichbar sind. Die Mikwe schloss an den Großen Judenplatz an und befand sich in der unmittelbaren Nähe zur Synagoge und zum Gemeindehaus. Die Mikwe wird in einer Urkunde des Jahres 1359 als der „frauwen kalden bade“, also Kaltbad der Frauen, bezeichnet. Ich hatte zuvor noch nie Notiz von dem Mikwe, dem sogenannten Tauchbad im Judentum genommen, dessen Wasser nicht der Hygiene, sondern der Reinigung von ritueller Unreinheit durch rituelles Untertauchen dient. Ich spazierte noch eine Weile durch das Viertel, bevor ich zum Hotel zurück ging. Im Hotelzimmer angekommen fielen mir die weisen Worte von Buddha ein: „Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft. Konzentriere Dich auf den gegenwärtigen Moment!“. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos vom jüdischen Stadtviertel in Trier. 🙂

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