„Leihgabe der Hölle“ auf dem Wiener Beethovenplatz

Isabella Müller Wien

Zufällig kam ich am Beethovenplatz mit dem 4.000 Quadratmeter großen Beethovenpark und dem sich darauf befindenden Beethoven-Denkmal im 1. Wiener Gemeindebezirk vorbei. Da dieses Jahr Beethoven seinen 250. Geburtstag gefeiert hätte, machte ich einen kleinen Abstecher zu diesem historischen Denkmal. Dieses wurde von Caspar Zumbusch aus Bronze geschaffen und von der Gesellschaft für Musikfreunde zu Beethovens 100. Geburtstag gestiftet. Am 1. Mai 1880 wurde es feierlich enthüllt und anlässlich der Einwölbung des Wienflusses um 180 Grad gedreht, so dass der Blick des Musikgenies auf die neu gestaltete Lothringerstraße geht. Das imposante Denkmal mit der Bronzefigur des sitzenden Beethoven ist umgeben vom gefesselten Prometheus, in dessen Fleisch ein Adler wühlt sowie der Victoria-Figur mit Siegeskranz und neun Putten. Das Figurenensemble ist auf einem mehrstufigen, seitlich gerundeten Vierkantsockel aus schwedischen Granit arrangiert, der von dem Steinmetzmeister Eduard Hauser geschaffen wurde. Nachdem ich das Denkmal eine Weile betrachtet hatte, fiel mein Blick auf eine skurrile Bronzeskulptur unweit des Denkmals stehend, die ich zuerst nicht einzuordnen wusste. Bei dieser Bronzeskulptur handelt es sich um ein umstrittenes Kunstwerk des renommierten Bildhauers Markus Lüpertz, das Beethoven mit zwei bunten Köpfen ohne Gliedmaße darstellt. Die Hommage an Beethoven, die schon in Bonn und Leipzig mit ähnlichen Skulpturen des Künstlers Empörung in der Bevölkerung hervorrief, stieß auch in Wien auf Proteste. So bezeichneten diverse Wiener Zeitungen das Werk als „hässlich, grässlich, dilettantisch“ und beriefen sich dabei auf Leserzuschriften. Die 2,70 Meter hohe Skulptur, die Beethoven mit verzerrtem Gesicht und Wallemähne im Vordergrund und im Hintergrund eine größer wirkende Figur ohne Arme und mit vertrockneten Lorbeerkranz auf kahlem Kopf darstellt, bezeichneten einige Kritiker als „Leihgabe der Hölle“. Denn bis 2022 soll diese Dauerleihgabe am Platz vor dem Konzerthaus bleiben. Die Kombination dieses umstrittenen Kunstwerks in Kontrast zum historischen Denkmal zauberte mir ein Schmunzeln ins Gesicht. Aber Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos davon. 🙂

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