Der geheimnisvolle Obeliskbrunnen mit ägyptischen Hieroglyphen

Isabella Müller Wien @isabella_muenchen

Obelisken standen schon bei den Ägyptern als kosmische Symbole mit dem Sonnenkult in Verbindung. Von einer Goldkugel als Sonnensymbol bekrönt, verkörpern sie den Weg der Sonnenstrahlen zur Erde, während die vier Kanten die Weltrichtungen markieren. Einen solchen Obelisken entdeckte ich im Schlosspark Schönbrunn in Form einer faszinierenden Brunnenanlage. Diesen Obeliskbrunnen ließ Maria Theresia 1777 als Gestaltung des Schönbrunner Berghanges nach Entwürfen von Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg bauen. Die bildhauerischen Arbeiten führte Benedikt Henrici aus. Der Brunnen bildet den optischen Akzent am Ende der östlichen Diagonalallee und ist einer der wichtigsten Blickpunkte des Gartens. Ich war vom ersten Moment an verzaubert von diesem außergewöhnlichen Brunnen, der aus einen Bassin besteht, das von einer Stützmauer mit vasenbesetzter Balustrade eingefangen ist. Dieser einzigartige Grottenberg ist in der Mitte durch drei Wasserbecken gegliedert und von Flussgöttern bevölkert. Der Felsenberg ist ein Sinnbild für die Finsternis und die wilden ungebändigten Kräfte der Erde. Daraufhin weist auch der Schriftsteller Wilhelm Beyer in seinem Buch „Österreichs Merkwürdigkeiten“, der den Grottenberg auch als Sybillengrotte bezeichnet, die in Vergils Aeneis den Eingang zur Unterwelt bildete. Tatsächlich strahlt der zerklüftete Grottenberg etwas Mystisches aus, das auf den ersten Blick nicht erklärbar ist. Mich begeisterte besonders das herrliche Wasserspiel, das aus dem Mund der zentralen Maske und aus den Vasen der Flussgötter stattfindet. Denn hier ergießt sich das Wasser in das 160 Quadratmeter große Brunnenbecken. Blickfang ist der Obelisk, der aus 27 quadratischen Blöcken zusammengesetzt und mit einer pyramidenförmigen Spitze abgeschlossen ist. Dieser, von vier vergoldeten Schildkröten als Symbol der Stabilität getragen, sollte mit seinen angebrachten Hieroglyphen die Geschichte des Hauses Habsburgs erzählen. Diese sind jedoch erfunden, da Hieroglyphen erst ab 1822 entziffert werden konnten. Besonders beeindruckend ist die zweiläufige Treppe zu einer Plattform, von der aus eine kleine Höhle im Grottenberg den Ausblick in die Allee ermöglicht. Auf der Spitze des Obelisk thront ein Adler auf einer Sonnenkugel. Dieser symbolisiert den Kaiser, der als Herrscher zwischen Himmel und Erde vermittelt. Gebannt von diesem Brunnen verweilte ich dort eine Zeit lang, bevor ich mich zur nächsten Sehenswürdigkeiten im Schönbrunner Schlosspark, der unentgeltlich besucht werden kann, aufmachte. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos dieses geheimnisvollen Obeliskbrunnens. 🙂

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