Bella Italia auf dem Odeonsplatz in München

Isabella Müller München @isabella_muenchen

Italienischer Flair gepaart mit prunkvollen Sehenswürdigkeiten versprüht der Odeonsplatz mitten in der Münchner Altstadt. Der Odeonsplatz, der die Fußgängerzone zum Norden abschließt und den Anfang zum Prachtboulevard, der Ludwigsstraße bildet, verdankt seinen Namen dem ehemaligen Konzerthaus Odeon aus dem frühen 19. Jahrhundert, das im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde. Nach seinem Wiederaufbau beherbergt es heute das Bayerische Innenministerium. Auch das Bayerische Staatsministerium für Finanzen, für Landesentwicklung und für Heimat befindet sich am Odeonsplatz und zwar im ersten Gebäude das auf dem Odeonsplatz errichtet wurde, dem einstigen Palais Leuchtenburg. Dieses wurde von 1816 bis 1821 errichtet. Leider erlitt es dasselbe Schicksal wie das Odeon und wurde im Zweiten Weltkrieg ebenfalls zerstört. Heute erstrahlt das größte Palais Münchens wieder in neuem Glanz. Der Odeonsplatz spiegelt wie kein anderer Platz in München die Liebe des König Ludwig I. zu Italien wider. Dieser wurde durch seine Studienreisen nach Rom inspiriert einen Platz in München unter dem Architekten Leo von Klenze zu schaffen, der geprägt ist von der italienischen Architektur. Er ließ rund um den Platz Gebäude im römisch-klassizistischen Stil errichten, die heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Münchens zählen. Eingerahmt wird der Platz von der königlichen Residenz mit seinem herrlichen Hofgarten, einigen Stadtpalais, der Theatinerkirche und dem Bazargebäude. Im Zentrum des Platzes befindet sich die Feldherrnhalle, die als Vorbild die Loggia dei Lanzi in Florenz hatte und zu Ehren des Bayerischen Heeres 1844 auf Wunsch Ludwig I. nach den Plänen des Hof-Architekten Friedrich von Gärtner errichtet wurde. Beeindruckend sind nicht nur die gewaltigen Löwen aus Laaser Marmor des Bildhauer Wilhelm Rümann, die links und rechts neben dem mittigen Treppenaufgang zur Halle positioniert sind, sondern auch die Bronzestatuen unter den seitlichen Arkadenbögen des Grafen Tilly und des Fürsten Wrede, die vom Bildhauer Ludwig Schwanthaler stammen. Das Bayerische Armeedenkmal für die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges befindet sich in der Hallenmitte an der Rückwand und wurde von dem Erzgießer Ferdinand Miller gefertigt. Von der Feldherrnhalle aus gliedert sich die prächtige Ludwigstraße in die Residenz- und Theatinerstraße. In der Residenzstraße liegt Deutschlands größtes Innenstadtschloss, die Münchner Residenz. Dieses Stadtschloss, das von 1508 bis 1918 Wohn- und Regierungssitz der bayerischen Kurfürsten und Könige war, stellt heute eines der bedeutendsten und größten Museumskomplexe Bayerns mit dem Residenzmuseum, der Schatzkammer sowie dem Cuvilliés-Theater dar. Das einstige politische und kulturelle Zentrum Bayerns besitzt einen herrlichen Hofgarten, der von 1613 bis 1617 unter Kurfürst Maximilian I. nach dem Vorbild italienischer Renaissancegärten angelegt wurde. Im Zentrum der grünen Innenstadtoase befindet sich der majestätische Dianatempel, der von Heinrich Schön 1615 als zwölfeckiger Pavillon entworfen und einst mit der bronzenen Statue der Diana von Hubert Gerhard bekrönt war. Diese wurde 1623 unter Hans Krumpper zur Allegorie Bayerns, der sogenannten „Tellus Bavarica“, umgestaltet, da sie die natürlichen Reichtümer Bayern symbolisieren sollte. Der Pavillon mit acht offenen und vier geschlossen Rundbogenarkaden beheimatet in seinem Inneren vier Wandbrunnen, die vom Künstler André Gides mit Muscheln verziert wurden. Umsäumt wird der Hofgarten von faszinierenden Arkadengängen. Besonders der westliche Arkadengang mit den Fresken der Schüler des Malers Peter Cornelius ist bemerkenswert. Gegenüber der Residenzstraße liegt die Theatinerstraße, in der sich die Theatinerkirche St. Kajetan befindet. Diese imposante Kirche mit ihrer leuchtend gelben Außenfassade, den beiden 65 Meter hohen Türmen mit ihren Kupferhauben und der gigantischen 70 Meter großen Kuppel wurde im späten 17. Jahrhundert im Stil des italienischen Spätbarocks errichtet. Die Theatinerkirche wurde von dem Kurfürstenpaar Ferdinand Maria und Henriette Adelaide von Savoyen anlässlich der Geburt ihres Sohnes, dem Erbprinzen Max Emanuel gestiftet. Henriette Adelaide von Savoyen löste nach der lang ersehnten Geburt ihres Sohnes ihr Gelübde ein für den aus Italien nach Bayern geholten Theatinerorden die Kirche St. Kajetan und ein Kloster zu erbauen. Diese wurde nach dem Vorbild der Mutterkirche des Theatinerordens Sant´Andrea della Valle in Rom errichtet. Ihre Außenfassade blieb aber über 100 Jahre lang unvollendet. Dies lag daran, dass 1663 der italienische Architekt Agostino Barelli mit dem Bau der Kirche beauftragt wurde, von ihm stammt auch der Grundriss und die Innenraumgliederung. Dieser verstritt sich jedoch mit dem Bauleiter Antonio Spirelli. Daraufhin übernahm 1674 Enrico Zucalli die künstlerische Leitung und schloss den Rohbau 1678 ab. Auf ihn gehen die beiden Türme und die Kuppel zurück, die die Münchner Skyline bis heute entscheidend prägen. Die zweigeschossige Fassade zur Theatinerstraße im Rokoko-Stil, die von François de Cuvilliés dem Älteren und später von seinem Sohn François de Cuvilliés dem Jüngeren fertiggestellt wurde, erhielt die Kirche erst 100 Jahre nach ihrer Weihe. 1768 war die Kirche vollendet, in deren Fürstengruft 49 Mitglieder der Wittelsbacher Herrscherfamilie ihre letzte Ruhestätte fanden. Der südländische Charme dieser Kirche ist bis heute unverkennbar und macht sie zu einem der beliebtesten Fotomotive des Odeonsplatzes. Die Ostseite des Odeonsplatzes wird seit 1826 durch den klassizistischen Bau des lang gestreckten Bazargebäudes geprägt. Dieses Gebäude beherbergt neben einem Kino, exklusive Boutiquen und das Traditionscafé Tombosi, das älteste noch existierende Kaffeehaus der Stadt. Auf dem Odeonsplatz befinden sich nicht nur historische Gebäude, sondern auf ihm wurde auch Geschichte geschrieben. Ein besonders prägendes Ereignis war der Hitler-Ludendorff-Putsch am 9. November 1923. Bei diesem Marsch zur Feldherrnhalle kamen 16 Putschisten und 4 Polizisten ums Leben. Seit dem 9. November 2010 erinnert eine Gedenktafel an der Münchner Residenz an die getöteten Polizisten. Eng verbunden mit diesem Hitler-Ludendorff-Putsch ist die Vergangenheit der Viscardigasse, die sich hinter der Feldherrnhalle befindet. Diese spielte nach der Machtergreifung Hitlers 1933 für alle eine große Rolle, die stillen Protest gegen das NS-Regime üben wollten. Denn nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde an der Ostseite ein Ehrenmal mit der Aufschrift „Und ihr habt doch gesiegt“ angebracht. Dieses Ehrenmal wurde von zwei SS-Männern bewacht und jeder der vorbei ging, musste diesem mit einem Hitlergruß huldigen. Wer dies vermeiden wollte, bog in die Viscardigasse ab, die daraufhin im Volksmund den Namen Drückebergergasse erhielt. Daran gedenkt bis heute eine 18 Meter lange Spur aus 44 Bronzesteinen des Künstlers Bruno Wank. Ebenso unvergessen ist der gigantische Trauerzug mit über 100.000 Menschen, die den Weg zwischen dem Odeonsplatz und dem Siegestor am 7. Oktober 1988 für den verstorbenen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß säumten. Der Odeonsplatz zählt neben dem Marienplatz und dem Karlsplatz, Stachus genannt, zu einer der schönsten und geschichtsträchtigsten Plätze der bayerischen Landeshauptstadt München, der mich immer wieder mit seiner architektonischen Schönheit in seinen Bann zieht. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos dieses herrlichen Münchner Platzes. 🙂

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