Deutschlands größtes expressionistisches Gesamtkunstwerk im öffentlichen Raum ist der Platanenhain mit über 40 Skulpturen und Plastiken des Bildhauers Bernhard Hoetger auf der Darmstädter Mathildenhöhe. Bereits 1830 wurde ein Platanenhain dort angelegt, der 1899 Teil der Künstlerkolonie wurde, die der Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt ins Leben gerufen hatte. Dieser holte 1911 den Bildhauer Bernhard Hoetger zur Künstlerkolonie, um den 125 Meter langen und 40 Meter breiten Platanenhain für die vierte Ausstellung auf der Mathildenhöhe künstlerisch zu gestalten. Unter dem Motto der Kreislauf des Lebens fertigte er Skulpturen, Reliefwände und Inschriften an, die neben ägyptischen und buddhistischen Motiven, auch hinduistische und romantische Lyrik beinhalten. Den südlichen Eingang des Platanenhains ziert ein Portal, auf dessen rechtem Pfeiler ein Puma thront, auf dessen Rücken sich ein Kind zur Sonne entgegen streckt und auf dem eine Inschrift aus dem Sonnenhymnus des Pharaos Echnaton eingeschrieben ist. Auf dem linken Pfeiler ruht ein Panther, auf dessen Rücken ein Kind schläft und der eine Inschrift des Brunnengebets besitzt. Dem Portal gegenüber steht eine Brunnengruppe mit drei Wasserträgerinnen. Diese ziert die erste Strophe des Gedichts „Gesang der Geister über dem Wasser“ von Johann Wolfgang von Goethe. Seitlich eingerahmt wird die Brunnengruppe von 7 Wasserträgerinnen auf beiden Seiten. Im Osten und westen des Platanenhains befinden sich zwischen den äußeren Baumreihen je zwei Reliefwände, die den Zyklus vom Werden und Vergehen thematisieren. Zum Hain hin ausgerichtet ist die liegende Figur der sterbenden Mutter, die zu beiden Seiten je zwei steinerne Schakalvasen zieren, an dessen Füße sich bärtige Masken befinden. Bernhard Hoetger verewigte damit die Künstlerin Paula Modersohn-Becker, die 1907 drei Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Mathilde im Alter von 31 Jahren verstarb. Im Süden sind zehn Löwenvasen aufgestellt, die als Pflanzgefäße für Agaven dienen. Das Skulpturenensemble im Platanenhain ist ein einzigartiges Gesamtkunstwerk, das beide Weltkriege überstand und seit dem 24. Juli 2021 wie auch die anderen Gebäude auf der Mathildenhöhe zum UNESCO-Welterbe zählt und das zurecht. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von diesem faszinierenden Platanenhain, der Natur und Architektur auf wundersame Weise zu einer Einheit verschmelzen lässt. 🙂

















Entdecke mehr von Spannende Krimis und Abenteuertipps für wahre Entdecker!
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
