Das Costello Sforza: Residenz der Mailänder Herrscher

Isabella Müller Milano @isabella_muenchen

Eine der Sehenswürdigkeiten Mailands neben dem Dom und der Scala ist das Schloss Castello Sforza. Dieses imposante Stadtschloss wurde im 14. Jahrhundert von der Familie Visconti als Verteidigungsanlage erbaut. Nach dem Aussterben des Geschlechts der Visconti wurde es zerstört. Sein heutiges Erscheinungsbild der Schlossfassade in Richtung Stadt ist das Werk von Francesco Sforza, Herzog von Mailand, der berühmte Künstler und Architekten darunter Giovanni da Milano, Jacopo da Cortona und Marcoleone Nagarolo engagierte und mit der unehelichen Tochter von Filippo Maria Visconti verheiratet war. Ich wollte dieses Wahrzeichen Mailands unbedingt besichtigen und gelangte nach kurzem Fußmarsch zum Piazza Costello mit seinem wunderschönen Springbrunnen in der Mitte vor dem Haupteingang des Sforza-Schlosses. Schon der erste Eindruck der imposanten Zinnen gekrönten Festungsanlage mit ihrem wuchtigen Eingangsportal und dem mächtigen Turm, dem Torre Filarete, der nach dem florentinischen Architekten und Bildhauer Antonio Averlino, genannt Filarete, benannt wurde, beeindruckte mich sehr. Der Turm, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts von den französischen Truppen als Gästetoilette genutzt wurde, stürzte nach einer Explosion ein. Er wurde zwischen 1901 und 1905 von dem Architekten Luca Beltrami rekonstruiert. Dabei basierte die Rekonstruktion auf ikonografischer Dokumentation und anderer Architektur aus der Sforza-Zeit. Beltrami weihte den Turm König Umberto I. von Savoia, der 1900 in Monza ermordet wurde. Über dem Bogen am Haupteingang ist ein Marmorflachrelief mit dem König zu Pferd zu sehen. Über der Figur des Königs befindet sich eine Statue des heiligen Ambrosius, des Schutzpatrons von Mailand und die Wappen der Familie Sforza. Das Costello Sforza ist ein faszinierendes Beispiel für die Architektur der Renaissance und beherbergt heute wunderbare Kunstmuseen wie das Museo d ´Arte Antica und das Archäologische Museum, Museo della Preistoria. Dabei stellt die Skulpturensammlung aus der Spätantike, dem Mittelalter und der Renaissance die bedeutendste Sammlung lombardischer Werke dar. Neben dem Grabmal von Bernabo Visconti aus dem 14. Jahrhundert, gibt es Figurenfriese der mittelalterlichen Porta Romana, die Ereignisse nach Eroberung der Stadt durch Friedrich Barbarossa im Jahr 1162 darstellen. Darüber hinaus gibt es im Sala des Asse, den Privaträumen des Herrschers, wunderschöne Fresken nach den Entwürfen von Leonardo da Vinci zu bestaunen und zudem befindet sich in den Räumen die berühmte Pietá Rondanini, das letzte unvollendete Werk des Künstlers Michelangelo. Die Museen beheimaten zahlreiche Gemälde berühmter Maler sowie eine antike Waffensammlung und historische Musikinstrumente. Im Untergeschoss der Rocchetta und der Sala Viscontea befinden sich das Prähistorische und das ägyptische Museum. Das Costello Sforza ist wahrlich ein Schatz an kulturellem Gut und seine Geschichte ist einfach spannend. Nach seinem Wiederaufbau durch seinen Namensgeber Franceso Sforza wurde 1466 der innere Teil des Schlosses zur Residenz mit herzoglichen Hof umgeben vom verstärkten Komplex der Rocchetta, einer Festung in der Festung, ausgebaut. In ihr befindet sich ein weiterer Turm, genannt Bona. Während der Herrschaft Ludovico Sforzas wurden viele der einflussreichsten Künstler dieser Zeit wie Donato Bramante und Leonardo da Vinci an den Mailänder Hof geholt. Unter ihnen wurde der Seitenflügel, Ponti cella, sowie die Freskenmalereien in der Sala delle Asse, dem Schlafzimmer des Herzogs, von Leonardo da Vinci verziert. Nach Zerschlagung der Herrschaft der Sforza durch die Franzosen 1499 verschlechterte sich der Zustand des Schlosses zunehmend. Im Jahr 1526 wurde das Castello Sforza unter der spanischen Herrschaft zu einem sternförmigen Verteidigungsring umgebaut. Diese Verteidigungsfunktion behielt die österreichische Herrschaft der Habsburger bis 1706 bei. Danach nutzte Napoleon das Schloss nach seinem Einzug nach Mailand 1796 als Truppenunterkunft, Pferdestall und den Innenhof als Exerzierplatz. In den Tagen vom 18. bis 22. März 1848 wurde das Castello Sforza während der Aufstände der Cinque Giornate vom Volk gestürmt. Im Jahr 1861, nach der Vereinigung Italiens, wurde unter Beltrami mit der Restaurierung und Rekonstruktion des Castello Sforza begonnen, das heute zum Wahrzeichen und Aushängeschild Mailands zählt. Ich bestaunte neben dem Rocchetta Turm Bona di Savoia mit seiner Johannes Nepomuk Statue im Waffenhof, das prachtvolle Deckenfresko von Leonardo da Vinci und war einfach nur begeistert von den reichen Kunstschätzen des Schlosses und seiner Museen. Nach ausgiebiger Besichtigung gönnte ich mir eine Verschnaufpause im Schlosspark, dem Parco Sempione, der sich direkt hinter dem Schloss befindet. Das Castello Sforza ist eine echte Sehenswürdigkeit, die reich an Geschichte, Kultur und Kunst ist und für uns ein wahnsinniges kulturelles Erbe darstellt. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom Castello Sforza in Mailand. 🙂

Verfasst von

Webseite: www.isabellamueller.com . Email: post@isabellas.blog . Instagram: @isabella_muenchen . Facebook: @IsabellaMuenchen . Twitter: @IsabellaMuelle9