Die enthauptete Giftmörderin

Isabella Mueller @isabella_muenchen

Am 27. Juni 1845 wurde Christiane Ruthardt mit dem Schwert als verurteilte Giftmörderin ihres Ehemannes enthauptet. Doch warum hatte die schwäbische Hausfrau ihren Ehemann, der weder trank, noch schlug und auch nicht fremd ging, getötet? Vielleicht hilft ein Blick in Christiane Ruthardts Vita. Christiane Ruthardt wuchs bei diversen Pflegefamilien in Ludwigsburg unter dem falschen Namen Mayer auf. Erst im Alter von 20 Jahren erfuhr sie, dass sie die uneheliche Tochter der adeligen Hauptmannswitwe Henriette von Lehste, die sie heimlich in einem Gasthof geboren hatte und des Hofmedicus Klein war, die sich jedoch nie zu ihr bekannten. Sie arbeitete als Dienstmädchen und sehnte sich nach einem gut bürgerlichen Leben mit Familie wie es typisch für das Zeitalter des Biermeiers war, in der das private Leben innerhalb der Familie mit klassischer Rollenverteilung im Mittelpunkt stand. Doch es wollte mit der Liebe einfach nicht klappen, was auch bedingt an ihrer Herkunft lag. Christiane war ein tüchtiges, gehorsames Dienstmädchen, das sogar von einer Dienstherrin 400 Gulden geerbt hatte, was damals ein kleines Vermögen war. Im Alter von 35 Jahren heiratete sie 1839 den Stuttgarter Goldarbeiter Eduard Ruthardt. Mit ihm zog sie nach Stuttgart in die Torstraße und bald danach kam ihr Kind auf die Welt. Es schien so, dass sich endlich für Christiane Ruthardt das Blatt zum Guten gewendet hatte und ihr Traum vom häuslichen Idyll mit ihrer eigenen kleinen Familie gepaart mit bürgerlichem Ansehen erfüllt hätte. Ihr Ehemann war ein liebevoller Mann, der jedoch ein passionierter Tüftler war und ihr gesamtes Vermögen für nutzlose Erfindungen verprasste. Der Schuldenberg wuchs immer weiter und Christiane Ruthardt, das Sinnbild einer adretten, schwäbischen Hausfrau wollte sich in ihrer Verzweiflung schon das Leben nehmen, als sie auf die Idee kam, lieber das Leben ihres Gatten zu beenden. Eine Scheidung kam nach geltendem Gesetz nicht infrage und so schmiedete sie den Plan ihren Mann zu vergiften. Dafür konsultierte sie diverse Ärzte, die ihr wegen einer angeblichen Rattenplage das Rattengift Arsenik verschrieben. Dieses verfütterte sie jedoch nicht an die Ratten, sondern an ihren Ehemann. So mischte sie das Gift in sein Essen und in seine Medizin. Im Frühjahr 1844 suchte ihr kranker Ehemann schließlich seinen Hausarzt Dr. Voettinger auf und teilte diesem seine Beschwerden mit, der ihm eine Magenentzündung diagnostiziert und Brausepulver verschrieb sowie eine Behandlung mit Blutegeln und Senfteigkompressen anordnete. Nachdem ihm sein Hausarzt am 9. Mai mitteilte, dass er zwar an einer „hartnäckigen Gastritis enteritis nucosa“ leide, diese jedoch gute Genesungschancen hat, war sein Tod besiegelt. Denn als er dies seiner Ehefrau mitteilte, erhöhte sie die Giftdosierung. Am 10. Mai wurde sein Hausarzt von Christiane Ruthardt zum Krankenbett ihres Mannes gerufen, da sich sein Gesundheitszustand dramatisch verschlechtert hatte. Am 11. Mai 1844 starb er schließlich. Christiane Ruthardt nahm den Tod äußerst gefasst entgegnen und wollte schon alles für die Beerdigung vorbereiten, als sie nur vier Stunden später von dem Polizeidiener Gölz verhaftet und auf das Kriminalamt Stuttgart gebracht wurde. Doch wieso war ihr die Polizei so schnell auf die Schliche gekommen? Dies lag daran, dass ein Tag vor Ruthardts Tod dieser Besuch vom Diakon Hofacker bekam, der ihm Trost spendete. Danach traf sich dieser mit seinem Schwager. Er erzählte ihm und seiner Ehefrau von dem kranken Ruthardt, als plötzlich die Frau des Schwagers kreidebleich wurde. Ihr fiel just in diesem Moment ein, dass ihr gestern bei ihrem Hausarzt Dr. Johann Wilhelm Camerer Christiane Ruthardt begegnet war, die neben Abführmittel, auch eine Portion Arsenik verschrieben bekommen hatte. Diese Hinweise teilte sie nachdem sie vom schlechten Gesundheitszustands des Ehemannes von Christiane Ruthardt erfahren hatte, der Polizei mit, die nach dem plötzlichen Tod Ruthards eine Obduktion anordnete. Diese ergab, dass Eduard Ruthardt vergiftet worden war. Als Täterin kam nur seine Ehefrau, Christiane Ruthardt, in Betracht. Diese gestand nach ihrer Festnahme, dass sie ihren Ehemann mit Gift getötet hatte. Am 20. Dezember 1844 wurde ihr Fall vor dem Kriminal-Senat des Königlichen Gerichtshofes in Esslingen verhandelt. Am 4. Februar 1844 wurde Christiane Ruthardt zum Tode und zur Bezahlung der Prozesskosten verurteilt. Zwar hatte ihr Anwalt aus Marbach ein psychologisches Gutachten beantragt, doch dieses wurde nicht genehmigt. Am 27. Juni 1845 wurde Christiane Ruthardt, die sich nichts mehr als ein glückliches Leben mit ihrer Familie und endlich bürgerliches Ansehen gewünscht hatte, vor den Augen von über tausend Schaulustigen auf der Feuerbacher Heide mit dem Schwert im wahrsten Sinne des Wortes einen Kopf kürzer gemacht. Ihr Kopf sorgte nach ihrer Hinrichtung für einen Skandal, da ihr Leichnam nicht wie von ihr gewünscht an Ort und Stelle verscharrt wurde, sondern in die Anatomie nach Tübingen überführt wurde. Nachdem der Fuhrmann in Tübingen angekommen war, stellte er den Sarg mit ihrer Leiche im Hof der Anatomie ab, wo er geöffnet und der Kopf der Toten entnommen, umhergeworfen und ihrer Haare beraubt wurde. Diese Schandtat entfachte eine Debatte über den Umgang mit Anatomieleichen. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom wunderschönen Naherholungsgebiet, der Domäne Monrepos, im Ludwigsburger Raum. 🙂

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