Der Tote auf der Eisenbahnschiene

Isabella Mueller @isabella_muenchen Wien

Am 24. Juli 1884 erblickte der Lokführer des Eillastzugs von Wien nach Marchegg im Scheinwerferlicht nahe Gänserndorf gegen Mitternacht einen Menschen auf den Schienen liegend. Sofort trat der Lokführer auf die Bremse und der Zug stoppte noch vor diesem. Als der Lokführer ausstieg, sah er, dass die Person ein Mann war, der bereits von einem Zug überrollt und dabei in zwei Hälften getrennt worden war. Dieser hatte sich wohl vor einen Zug geworfen, um sich umzubringen. Die Leiche wurde in das Gerichtsmedizinische Institut nach Wien gebracht und dort obduziert. Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergab jedoch, dass es sich nicht um einen Selbstmord, sondern eindeutig um einen Mord handelte, da der Mann erstochen worden war. Währenddessen hatten Bahnangestellte an der Schiene, wo der Tote gelegen hatte, eine blutige Schleifspur entdeckt, die in den nahe gelegenen Föhrenwald führte und abrupt an einem Ort endete. Dort war es vermutlich zu einem tödlichen Kampf gekommen. Die Polizei wurde informiert, die den Toten als Franz Krca identifizieren konnte, der am Abend vor der Tat in einem Wirtshaus in Wagram mit den beiden Tagelöhnern Thomas Sik und Julius Zavzalek ordentlich gebechert hatte. Danach brachen die drei Männer gemeinsam auf. Franz Krca wollte von Wien in seine böhmische Heimat wandern. Doch dazu kam er nicht mehr. Die Polizei fasste die beiden Tagelöhner noch am Nachmittag, da sie sich unweit des Tatortes aufhielten und noch die blutige Kleidung vom Mord an Franz Krca trugen. Noch auf dem Weg zur Wache gestanden sie den gemeinsam begangenen Mord an Franz Krca. Dieser hatte im Alkoholrausch geprahlt, dass er nach Amerika auswandern würde. Deshalb glaubten die beiden Tagelöhner, dass dieser in Wien Geld für seine Reise nach Übersee verdient hatte und wollten ihn daher ausrauben. Sie lockten ihn in den Föhrenwald, wo sie ihn überwältigten und töteten, um keinen Zeugen zu haben. Danach suchten sie nach dem Geld, fanden aber nur die lächerliche Summe von 21 Kreuzer. Um den Mord wie Selbstmord aussehen zu lassen, legten sie Franz Krca auf die Schienen. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass Franz Krca obduziert werden würde. Thomas Sik wurde zum Tode und sein jugendlicher Komplize Julius Zavalek zu 18 Jahren Kerker wegen dem Mord an Franz Krca verurteilt. Damit war der als Selbstmord getarnte Mord an Franz Krca aufgeklärt, dem seine eigene Prahlerei zum Verhängnis geworden war. Dir wünsche ich viel Freude mit meinem Fotos vom Eisenbahnmuseum „Das Heizhaus“ in Strasshof, das Österreichs größte Sammlung von historischen Eisenbahnfahrzeugen beherbergt und im Bezirk Gänserndorf liegt, wo einst auch die Leiche von Franz Krca gefunden worden war. 🙂

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