Die Neupfarrkirche in Regensburg: im Mittelalter eine der beliebtesten katholischen Wallfahrtskirchen Deutschlands auf den ehemaligen Grundrissen einer jüdischen Synagoge

Isabella Müller Regensburg @isabella_muenchen

Bei meiner Erkundungstour durch Regensburgs Altstadt entdeckte ich auch den Neupfarrplatz mit seiner Neupfarrkirche. Hinter der Entstehung der Kirche verbirgt sich eine spannende Geschichte. Die Neupfarrkirche steht auf den Ruinen der zerstörten jüdischen Synagoge. Denn der Neupfarrplatz war im Mittelalter das jüdische Viertel der Stadt, in der die jüdische Stadtbevölkerung lebte. Aufgrund von Pogromen gegen die Juden wurden diese im Februar 1519 aus Regensburg vertrieben und ihre Synagoge dem Erdboden gleich gemacht. Bei dem Abriss der Synagoge verletzte sich ein Steinmetz lebensgefährlich. Doch wie durch ein Wunder überlebte er. Diese wundersame Genesung wurde der Mutter Gottes, Maria, zugeschrieben. Daraufhin entstand eine Holzkapelle, die der „Wallfahrt zur Schönen Maria“ gewidmet wurde und schnell zu der Pilgerstätte schlechthin in Deutschland avancierte. Diese katholische Wallfahrtskirche löste einen wahren Hype aus, so dass im September 1519 der Grundstein für eine prächtige steinerne Wallfahrtskirche nach den Plänen des Architekten Hans Hieber gelegt wurde. Einen erheblichen Anteil auf diesen deutschlandweiten Ansturm auf die Kirche hatte der Buchdruck. Denn es wurden vier gedruckte Bücher herausgebracht, die von Wundern handelten und das erste Buch thematisierte die wundersame Heilung des schwerverletzten Steinmetz. Darum pilgerten Scharen zu dieser Wallfahrtskirche. Doch durch die rasche Verbreitung der lutherischen Lehren, versiegten die finanziellen Mittel für den Bau und aus der einst so prachtvoll geplanten Kirche wurde ein Langbau, der 1540 geweiht wurde. Mit stetiger Popularität der lutherischen Lehren wurde aus der „Wallfahrtskirche zur schönen Maria“, die erste evangelische Kirche Regensburgs, die Neupfarrkirche. Ihr heutig anmutiges Erscheinungsbild erhielt die Kirche 1860 unter Leitung des Architekten Ludwig Folz. Die Neupfarrkirche wurde im Typ der Doppelchoranlage erweitert und vollendet. Sie ist der bedeutendste kirchliche Renaissancebau der Region, an dem sich spätgotische Elemente mit neuen italienisch-lombardischen Formen der Renaissance vereinen. Die Neupfarrkirche, die erhöht auf einem Terrassensockel aus Sandstein mit allseitigen Aufgängen liegt und ihren Doppeltürmen als Kuppelbau erinnerte mich stark an den Florentiner Dom. Im Inneren der Kirche befindet sich ein Altar aus dem Jahr 1617 und original erhaltene Wappenscheiben in den Fenstern. Die bedeutendste Scheibe ist die eucharistische Scheibe von 1815. Die Kirche wurde ab Ende 2011 aufgrund ihres schwer beschädigten Sandsteinsockels sowie ihrer maroden Fenster vollständig saniert. Heute erstrahlt die Neupfarrkirche in neuem Glanz und ihre Geschichte beeindruckte mich sehr, die ich dank Schautafeln, die sich ringsum die Kirche befinden, nachlesen konnte. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von der Neupfarrkirche auf dem Neupfarrplatz in Regensburgs Altstadt. 🙂

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