Das Denkmal des belgischen Kolonialismus an der Strandpromenade des belgischen Küstenorts Blankenberge

Isabella Müller Belgien @isabella_muenchen

Bei meinem Spaziergang entlang der herrlichen Strandpromenade von Blankenberge kam ich auch an dem Bronze-Denkmal der beiden belgischen Offiziere Joseph Lippens und Henri-August De Bruyne vorbei. Beide wurden damals im Kongo am 1. Dezember 1892 von arabischen Sklavenhändlern umgebracht. Sie dienten der Armee des belgischen Königs Leopold II., der sich an der kolonialen Aufteilung Afrikas wie auch die Großmächte Frankreich, Großbritannien und Deutschland beteiligte. Im Jahr 1885 konnte er große Teile des Kongos unter dem Namen Kongo-Vrijstaat seiner direkten Verwaltung unterstellen. Dies führte zu Interessenskonflikten mit ostafrikanischen und arabischen Sklaven- und Elfenbeinhändlern, die von 1892 bis 1894 mit militärischen Mitteln ausgetragen wurden. Diesen Krieg gewannen schließlich die belgischen Kolonialherren. Es war ein siegreicher Feldzug gegen die Sklaverei. Dies versuchte auch der Brüssler Bildhauer Guillaume Charlier mit seinem Denkmal auf der beliebten Strandpromenade auszudrücken. Auf einem Sockel stehen die beiden Offiziere und halten in ihren Händen die belgische Fahne, unter ihnen sucht eine afrikanische, nackte Frau mit ihrem Kind Schutz. Auf dem Denkmalsockel sind Reliefplatten angebracht, die die Ermordung der belgischen Offiziere durch die Sklaven- und Elfenbeinhändler zeigen. Das Denkmal trägt die auf Französisch und Niederländisch folgende Inschrift: „Diejenigen, die den Tod eines Helden für die Zivilisation gestorben sind“. Das Denkmal entstand auf Initiative von Altkolonisten und wurde am 9. September 1900 eingeweiht. Da die Bevölkerung von Blankenberge die Darstellung einer nackten Afrikanerin für zu anstössig hielt, wurde diese samt Kind zum Leidwesen des Künstlers entfernt und eingelagert. Im Ersten Weltkrieg raubten die Deutschen die beiden Bronzestatuen, da sie Eisen benötigten und schmolzen diese ein. Doch diese konnten nachgegossen werden, da die Modelle der Standbilder aufbewahrt worden waren. Am 10. September 1922 wurde das Denkmal diesmal mit der nackten Afrikanerin mit Kind zum zweiten Mal eingeweiht. Übrigens entzog der belgische Staat am 15. November 1907 dem König Leopold II. die Verwaltung und wandelte den Freistaat Kongo in eine reguläre Kolonie um, die am 30. Juni 1960 ihre Unabhängigkeit erlangte. Die Herrschaft des belgischen Königs Leopold II. gilt bis heute als eines der grausamsten Kolonialregime. Dieses Denkmal an der Strandpromenade erinnert an jene Zeit. Es ist sehr sehenswert und ich konnte dank der dort angebrachten Informationstafeln in die Geschichte des belgischen Kolonialismus eintauchen. Eine spannende Reise in eine längst vergangene Zeit, in der die Sklaverei und Ausbeutung von Bodenschätzen sowie der Handel von Kautschuk und Elfenbein auf der Tagesordnung standen. Besonders seit der Erfindung des luftgefüllten Reifens 1888 von dem britischen Tierarzt John Boyd Dunlop explodierte der weltweite Bedarf an Kautschuk und die Plünderungen nahmen überhand. Bis heute ist der Ostkongo reich an Bodenschätzen, aber arm an staatlichen Kontrollen und die Unterdrückung der Bevölkerung nach wie vor groß. Die Demokratische Republik Kongo zählt leider immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt. Aber verliere niemals die Hoffnung, denn jeden Tag geschehen Wunder. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos des Denkmals der beiden belgischen Offizieren im Küstenort Blankenberge. 🙂

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