Die Zerstückelte

Isabella Mueller @isabella_muenchen Wien

Eine der brutalsten Tötungsdelikte der österreichischen Kriminalgeschichte, die sogar zu einer Parlamentsdebatte über die Verschärfung des Strafvollzuges führte, ereignete sich am 8. Januar 1960. Aber der Reihe nach. Am Vormittag des 12. Januar 1960 fand eine Rentnerin im Mülleimer im 8. Wiener Stadtbezirk Josefstadt an der Ecke Lange Gasse-Florianigasse große fleischige Knochen, die in Papier eingewickelt waren. Die alte Dame hielt diese für Rinderschenkel, die sie dem Hund ihrer Altmetallhändlerin mitbrachte. Als der Hund nachmittags auf dem Lagerplatz im 16. Wiener Gemeindebezirk Ottakring genüsslich am Fleischknochen nagte, bemerkte ein Kunde der Trödlerin, dass der Knochen von einem Menschen stammte. Sofort nahm diese ihrem Hund den Knochen ab und alarmierte die Polizei, die die Knochen in die Gerichtsmedizin weitergab. Diese stellten fest, dass es sich um die Ober- und Unterschenkel einer jungen Frau handelte, die offensichtlich zunächst mit einer Säge und dann mit einer Hacke zerteilt worden waren. Laut den Forensikern wurde die Frau vor etwa vier Tagen ermordet. Die Mordkommission übernahm die Ermittlungen, die eine große Suchaktion der übrigen Leichenteile startete. Dabei konzentrierten diese sich auf die Umgebung der ersten Fundstelle und tatsächlich wurden diese schnell fündig. Im Hof der Florianigasse 17 wurden weitere zerhackte Leichenteile entdeckt. Zeitgleich machte sich dort der Hausmeister namens Johann Rogatsch verdächtig, der versuchte die Ermittler vom Keller fernzuhalten. Diese ließen sich jedoch vom 27 Jahren alten, mehrfach verurteilten Gewaltverbrecher nicht abhalten. Schon im Treppenhaus zum Keller klebten Blutspritzer. In der Waschküche wurden Fleischreste im Abflusskanal sowie eine Säge mit Blutspuren und anhaftenden Fleischfetzen im Kellerabteil, das zur Hausmeisterwohnung von Rogatsch gehörte, gefunden. Johann Rogatsch, der wegen Einbruchs und schwerer Körperverletzung eine Freiheitsstrafe verbüßt hatte und vier Jahre wegen Notzucht eingesessen hatte, galt als dringend Tatverdächtiger. Zudem wurde seine Lebensgefährtin Franziska Weber seit genau vier Tagen vermisst. Nach seinen Angaben sollte diese sich aber mit ihrem Sohn bei ihrer Großmutter in Langenlois aufhalten. Die Ermittler vermuteten zunächst, dass die Tote vielleicht Rogatschs Lebensgefährtin war, die er ermordet und zerstückelt hatte. Doch dies stellte sich als Irrtum heraus, da Franziska Weber tatsächlich in Langenlois war. Dies belegten auch Zeugen und ihre Zugfahrtickets. In der Zwischenzeit gruben die Ermittler im Keller einen weiblichen Kopf aus. Mit diesem konnte am 12. Januar 1960 die Tote identifiziert werden. Diese war die erst 18 Jahre alte Studentin Ilse Moschner. Eine Studentin, die noch bei ihren Eltern wohnte und nebenbei wie einst ihr Vater als Inkassantin einer Versicherungsgesellschaft arbeitete. Vor vier Tagen war sie nach einem Inkassogang nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Ihr Vater hatte sofort eine Vermisstenanzeige aufgegeben und sich sogar selbst auf die Suche nach seiner Tochter gemacht. Er lief ihre Tour vom Freitag ab. In dieser hatte seine Tochter insgesamt 3.000 Schilling einkassieren sollen. Doch kurz vor der Florianigasse 17 hatte er vor Erschöpfung aufgegeben. Die einzige Kundin dort war die Lebensgefährtin von Johann Rogatsch. Diese hatte jedoch ein hieb- und stichfestes Alibi. Die Ermittler waren sich sicher, dass Franziska Weber nichts mit dem Mord an der Studentin zutun hatte. Als Täter kam nur Johann Rogatsch in Frage, den die Ermittler nun im Sicherheitsbüro verhörten. Im Verhör gestand Johann Rogatsch die Studentin im Affekt getötet zu haben. Nachdem er seine Lebensgefährtin mit ihrem Sohn zum Bahnhof gebracht hatte, war er in ihrer gemeinsame Wohnung in der Florianigasse 17 zurückgekehrt. Dort wartete schon die junge, äußerst attraktive Studentin Ilse Moschner. Diese wollte zu Franziska Weber. h diese war verreist, weshalb die Studentin wütend war und sich im Ton vergriff. Daraufhin schlug ihr Rogatsch mit der flachen Hand ins Genick. Die junge Frau brach zusammen und bewegte sich nicht mehr. Rogatsch geriet in Panik. Denn einem vorbestrafte Mann würde die Polizei nicht glauben. Darum entsorgte er die Leiche, in dem er diese zerstückelte. Die Ermittler schlossen eine Affekttat jedoch aus. Rogatsch tischte immer neue Details auf und bezichtigte sogar den Ex-Partner seiner Lebensgefährtin der Tat. Dieser hatte jedoch ein stichhaltiges Alibi. Der cholerische Rogatsch, da waren sich die Ermittler sicher, hatte die Tat von langer Hand geplant. Er schickte seine Lebensgefährtin bewusst zu ihrer Großmutter, da er wusste, dass die junge Studentin wie bereits zweimal zuvor am besagten Mordtag, in die Florianigasse kommen würde, um die Versicherungsprämie einzukassieren. Bei der Obduktion stellte sich heraus, dass die Studentin mehrere Schläge auf den Kopf mit einem spitzen Gegenstand erlitten hatte. Zudem waren die Leichenteile mit Messerstichen übersät. Als Rogatsch damit konfrontiert wurde, gab er zu, dass er mit einer Kurbelwelle mehrmals auf die Studentin eingeschlagen und diese dann mit einem Messer bearbeitet hatte. Die Ermittler rekonstruierten den Tathergang folgendermaßen. Johann Rogatsch hatte die wartende Studentin in die Wohnung gebeten. Er bezahlte die Versicherungsprämie mit einem 50-Schilling-Schein. Die Studentin musste wechseln, dafür setzte sie sich aufs Sofa. Dann wurde Rogatsch zudringlich. Als die Studentin sich wehrte, schlug er ihr ins Genick. Danach schlug er mit einer Kurbelwelle auf ihren Kopf ein und stach bestialisch auf sie ein. Das Motiv für den Mord lag nicht nur an dem Geld, das er der Studentin nach der Tat abnahm, sondern war vor allem von sexueller Natur. Darauf deutete die Verstümmelung der Leiche. Diese trug eindeutig die Handschrift eines Lustmörders. Er zerstückelte nicht nur die Leiche, sondern kochte jedes einzelne Leichenteil und aß wahrscheinlich auch von einigen, bevor er die übrigen entsorgte. Am 22. Juni 1961 begann der Prozess gegen Johann Rogatsch vor dem Wiener Oberlandesgericht. Dieser plädierte auf unschuldig, da sein Geständnis durch Gewalteinwirkungen der Polizeibeamten erzwungen worden war, was sich schnell als unwahr herausstellte. Die Gerichtsmediziner widerlegten während des Prozesses die Angaben zur Tötung von Rogatsch. Laut diesen hatte er Ilse Moschner gewürgt, sexuell missbraucht und verbluten lassen, bevor er sie zerstückelte. Johann Rogatsch wurde am 30. Juni 1961 von den Geschworenen einstimmig für schuldig befunden und zu lebenslangen schweren Kerker mit Dunkelhaft am 8. jeden Monats, dem Tag als er Ilse Moschner brutal ermordet hatte, verurteilt. Rogatsch, der seine Strafe in der Justizanstalt Stein verbüßte, wurde dort wegen seiner Gewalteskapaden und Unruhestiftungen in den Sondersicherheitstrakt verlegt. Im Freizeitraum der Justizanstalt wurde er von dem Mithäftling Ernst Karl am 15. Januar 1974 erwürgt. Dieser gab an aus Notwehr gehandelt zu haben, da Rogatsch ihm zum Haftausbruch und Geiselnahme zwingen wollte. Da er sich weigerte, attackierte dieser ihn, so dass er ihn erwürgte. Für diese Tat wurde er sogar als Rächer von Stein von den anderen Inhaftierten gefeiert. Johann Rogatsch, dessen sichergestellte Tatwerkezuge im Wiener Kriminalmuseum ausgestellt sind, wurde am 18. Januar 1974 in Stein beerdigt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom Brunnenmarkt, einer der Sehenswürdigkeiten des 16. Wiener Gemeindebezirks Ottakring, in dem durch das Knabbern des Hundes von den Leichenteile, der Mord an Ilse Moschner erst ins Rollen kam. 🙂

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