Die Nackten in der Fußgängerzone

Isabella Müller Leipzig @isabella_muenchen

Am östlichen Ende der Leipziger Fußgängerzone unweit vom Augustusplatz entdeckte ich in der Grimmaischen Straße ein außergewöhnliches Skulpturen-Ensemble. Bei dieser Plastik aus Bronze handelt es sich um die Unzeitgemäßen Zeitgenossen, die aus fünf Figuren: einer Pädagogikerin, einem Diagnostiker, einem Rationalisatikerin, einem Stadtgestaltiker und einem Kunsttheoretiker bestehen. Diese befinden sich quer zur Straße stehend nackt auf einem Balken balancierend. Dabei weist jede Figur ein vergoldetes Detail auf. So trägt der Stadtgesaltiker einen goldenen Lorbeerkranz, während die Pädagogikerin einen goldenen Hammer in der Hand hält. Die Rationalisatikerin ist mit goldener Säge, der Diagnostiker mit goldenem Hörrohr und der Kunsttheoretiker mit goldener Nase sowie goldenen Ohren dargestellt. Am Balken ist die Inschrift des deutschen Dramatikers Rolf Hochhuth angebracht. Diese lautet: „Selbstverständlich darf man einem Prinzip ein Leben opfern – doch nur das eigene“. Darüber hinaus befinden sich im senkrechten Balken Zitate des Dramatikers Bertolt Brecht und des Dichters Johann Wolfgang von Goethe. Das ungewöhnliche Figurenensemble, in dem jede Figur streng an ihren Prinzipien festhält, wurde 1986 bis 1989 von Bernd Göbel, dem Professor der Bildhauerei an der Hochschule Burg Giebichenstein in Halle geschaffen. Die zeitgenössische Plastik ist nicht nur eine Bereicherung für Kunst im öffentlichen Raum, sondern regte mich auch zum Nachdenken und Innehalten an. Denn wie bemerkte schon Oscar Wilde so treffend: „Mir gefallen Menschen besser als Prinzipien, und Menschen ohne Prinzipien sind das Beste, das ich kenne auf der Welt.“ In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Freude mit meinen Fotos dieses Kunstwerks in der Leipziger Fußgängerzone. 🙂

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