Italienischer Flair mitten in München

Für reichlich südländischen Charme sorgt die barocke Theatinerkirche St. Kajetan auf dem Odeonsplatz der bayerischen Landeshauptstadt München. Diese Kirche mit ihrer leuchtend gelben Fassade wurde von dem Kursfürstenpaar Ferdinand Maria und Henriette Adelaide von Savoyen anlässlich der Geburt ihres Sohnes, dem Erbprinzen Maximilian II. Emanuel, gestiftet. Damit löste Henriette Adelaide, die bereits mit 14 Jahren den Sohn Ferdinand Maria des Kurfürsten Maximilian I. von Bayern ehelichte, ihr Gelübde nach der lang ersehnten Geburt des Thronfolgers ein, eine Kirche und ein Kloster für den aus Italien nach Deutschland geholten Theatinerorden zu errichten. Mit dem Bau der Kirche, die nach dem Vorbild der Mutterkirche des Theatinerordens Sant`Andrea della Valle in Rom erbaut werden sollte, wurde 1663 der italienische Architekt Agostino Barelli beauftragt, von dem auch der Grundriss und die Innenraumgliederung stammt. Dieser verstritt sich jedoch so sehr mit dem Bauleiter Antonio Spirelli, das der bayerische Hofbaumeister Enrico Zucalli die künstlerische Leitung 1674 übernahm und den Rohbau 1678 abschloss. Von ihm stammt die imposante 71 Meter hohe Vierungskuppel und die beiden 66 Meter hohen Türme mit ihren Kupferhauben, die von 1684 bis 1692 fertiggestellt wurden und bis heute die Münchner Skyline prägen. Aufgrund erneuter Auseinandersetzungen über die Fassadengestaltung blieb die Außenfassade unvollendet und wurde so am 11. Juli 1675 dem heiligen Kajetan, einem der Gründer des Theatinerordens, geweiht. Erst 100 Jahre später erhielt die Kirche eine zweigeschossige Fassade, die vom Bildhauer François de Cuvilliés der Ältere 1765 im Rokoko-Stil gestaltet wurde und von seinem Sohn François de Cuvilliés dem Jüngeren 1768 fertiggestellt wurde. Die Figuren und das Dekor der Fassade schufen die Bildhauer Roman Anton Boos und Ignatz Günther. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Kirche und der ehemalige Klostertrakt schwere Schäden. Beide wurden ab 1954 wiederaufgebaut und der Klostertrakt wurde ab 1970 durch neue Gebäude nach Plänen des Architekten Gustav Gsaenger erweitert, in denen bis heute das Kultusministerium beheimatet ist. Der prächtige Innenraum der Kirche mit seiner reichen Ausstattung von korinthischen Säulen, Putti und filigranen Stuck entlang des Kirchenschiffes im Stil des italienischen Hochbarocks wurde ab 1674 von Lorenzo Petri und Givanni Viscardi gestaltet und ist im Gegensatz zur leuchtend gelben Fassade im schlichten Weiß gehalten. Besonders beeindruckend ist der prunkvolle Hochaltar mit seinen überlebensgroßen Statuen. Von den einst vier Evangelisten sind nach dem Zweiten Weltkrieg heute nur noch drei zusehen, die 2009 aufwendig restauriert wurden. In der Theatinerkirche befindet sich auch die Fürstengruft, in der 49 Mitglieder des bayerischen Herrscherhauses der Wittelsbacher ruhen und über deren Eingang der damalige Kurfürst Max Emanuel die Inschrift: „Was sterblich ist an ihnen, hinterließen hier Bayerns erlauchte Fürsten“ anbringen ließ. Die Theatinerkirche mit ihrer hochbarocken Pracht im Inneren und ihrer prunkvollen Fassade erinnert an ein kleines Stückchen bella Italia mitten im Herzen Münchens. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos dieser außergewöhnlichen Kirche. 🙂

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