Wiens spektakulärer Mordfall

Isabella Mueller Wien @isabella_muenchen

Ein bis heute spektakulärer Mordfall, der für gewaltiges Aufsehen in der österreichischen Metropole Wien sorgte, ist der an der Edelprostituierten Maria Schmidt. Ihre Leiche wurde am 29. Juni 1913 im Hotel Römischer Kaiser, das nur ein paar Gehminuten von der Wiener Oper entfernt ist, im Zimmer 18 im zweiten Stock tot aufgefunden. Sie lag erwürgt mit dem Rücken auf dem Bett und war vollständig bekleidet. Einzig die drei obersten Knöpfe der Bluse, die von hinten zu schließen war, waren geöffnet. Der Tathergang zeichnete sich dabei wie folgt ab. Der Täter öffnete die Bluse von Maria Schmidt, die mit ihrem Gesicht zum Bett stand und schnürte ihr solange die Kehle zu bis sie starb. Dabei sorgte ein Detail für großes Aufsehen bei der Presse. Denn die Ermordete hatte mysteriöse Bisswunden im Halsbereich. Diese waren so tief, dass dem Mörder der Beiname „Vampir von Wien“ gegeben wurde. Trotzdem der Mörder beim Betreten des Hotels vom Nachtportier und beim Verlassen des Zimmers vom Zimmermädchen gesehen wurde, konnte er nicht gefasst werden. Gewiss war, dass der Täter aus Wiens oberen Kreisen stammen musste, da er teure Kleidung trug. Der zwischen 25 bis 28 Jahre alte Mann, hatte einen dunklen Anzug, einen braunen Hut sowie edle Lackschuhe getragen und war der deutschen Sprache mächtig. Nach Betreten des Zimmers hatte er 30 Minuten später das Dienstmädchen gerufen, dem er eine Krone mit der Bitte die gnädige Frau erst am Morgen zu wecken, gegeben hatte. Danach verschwand er in der lauen Sommernacht. Das Opfer Maria Schmidt war eine 26 Jahre alte äußerst attraktive Frau, die stets teure Kleidung und Schmuck trug, weshalb ihr Spitzname auch reiche Mizzi war und die Polizei darum zuerst von einem Raubmord ausging. Mizzi lebte in einer eleganten Wohnung in der Rittergasse im 4. Wiener Gemeindebezirk und trennte ihr Privatleben strikt von ihrem Beruf. Ihre Freier aus der oberen Gesellschaftsschicht traf sie in Lokalen, um dann in teuren Hotels ein Stelldichein zu haben. Am Tag ihres Todes begann ihr Arbeitstag um 21 Uhr. Mit ihrem ersten Kunden ging sie in das Hotel City, das sie gegen 22 Uhr wieder verließ. Gegen Mitternacht war sie mit einem Freier im Hotel Modern. Danach traf sie sich im Café l`Èurope mit ihrer Freundin Aloisia Belnar, ebenfalls einer Prostituierten. Um etwa 2 Uhr morgens kaufte sie vor dem Stephansdom beim Stock-im-Eisen-Platz Äpfel, wo sie von einem jungen Mann angesprochen wurde, mit dem sie ins Hotel Römischer Kaiser ging. Gegen 3 Uhr morgens war Maria Schmidt tot. Trotz einer Belohnung von 1000 Kronen wurde ihr Mörder nicht gefasst. Zwar wurde 1914 ein Verdächtiger namens Leopold Sochor verhaftet. Es stellte sich jedoch heraus, dass dieser nicht der Mörder von Mizzi Schmidt, sondern von der Prostituierten Anna Muhr war. Auch ein Student namens Felix Kundegraber wurde verhaftet, aber mangels Beweise wieder frei gelassen. Erst zehn Jahre später erhielt die Polizei einen anonymen Hinweis, dass es sich bei dem Mörder tatsächlich um Felix Kundegraber handeln soll. Dieser hatte Wien nach dem Tod von Mizzi Schmidt 1913 verlassen. Er änderte seinen Namen in Felix Gerbauld, einen angeblichen Neffen der Familie und trat in die französische Fremdenlegion ein. Er nahm die französische Staatsbürgerschaft an und heiratete in Marseille. Zwar erwirkte die Wiener Polizei einen Haftbefehl bei den französischen Behörden, doch war die Auslieferung schwierig, da er die französische Staatsbürgerschaft durch die 5 Jahre Fremdenlegion rechtmäßig erworben hatte. Nun versuchte die Polizei die Namensänderung als unrechtmäßig aufzudecken, damit wäre der französische Pass als ungültig erklärt worden, was aber misslang. So blieb Kundegraber ein freier Mann. Zwar tauchte nach vielen Jahren ein schriftliches Geständnis von Felix Kundegraber auf, in dem er den Mord gestand, das er mit Lixi der Mörder unterschrieb, wie ihn seine Familie immer genannt hatte. Doch bestanden Zweifel, da Felix Kundegraber ein Angeber war, der das Interesse an seiner Person liebte. Die Polizei ging abermals diversen Spuren nach und es entbrannte sogar eine Diskussion darüber, ob Mizzi Schmidt überhaupt ermordet oder das angebliche Opfer eines Blutgerinsels als Folge einer Operation im Nasenbereich geworden war. Gewiss ist, dass Mizzi Schmidt tot im Zimmer 18 gefunden wurde, das es heute nicht mehr gibt. Zwar besitzt das Hotel insgesamt 24 Zimmer, doch eine Tür mit einem Schild r. 18 sucht man dort vergeblich. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom Stock-im-Eisen-Platz im Herzen Wiens. 🙂

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