Die Kaisertherme: antikes Monument des römischen Imperiums mit unterirdischen Labyrinth in der ältesten Stadt Deutschlands

Isabella Mueller, @isabella_muenchen

In der Römerstadt Trier besuchte ich einer ihrer Hauptattraktionen die Kaisertherme, die als eine der größten Badeanlagen des Römischen Reiches geplant war. Das spätantike Bauwerk steht für die Zeit des 4. bis 5. Jahrhunderts, in der Trier Kaiserresidenz und damit eine der wichtigsten Metropolen des römischen Imperiums war. Die Kaisertherme sollten mit Badesaal, Sauna, Massageräumen und Wandelhallen den vornehmen Römern zur Erholung dienen. Aber sie wurden in ihrer ursprünglich geplanten Funktion niemals fertig gestellt. Sie wurden zum UNESCO Welterbe ernannt und ich machte mich auf, die mächtigen Ruinen mit ihren unterirdischem Labyrinth zu erkunden. Meine erste Station führte mich zum Warmbadesaal, dem caledarium, der heute ab und zu für Events genutzt wird und Platz für bis zu 650 Sitzplätzen bietet. Von dort aus ging ich zum Kaltbadetrakt. In der Römerzeit wurde bei einem Thermenbesuch zuerst die Haut mit Öl gesäubert, dann folgten unterschiedlich temperierte Bäder, Massagen und Schwitzbäder. Auch medizinische Behandlungen und Operationen fanden in der Therme statt. So sind auch die komplexen Raumfolgen der Kaisertherme zu erklären. Der größte Saal war damals als Kaltbad, frigidarium, vorgesehen. Nachdem die ursprüngliche Bauplanung aufgegeben worden war, wurde er komplett abgetragen. Ich bestaunte die heute sichtbaren Mauern im Gelände, die nach diesem Plan rekonstruiert wurden. Dasselbe gilt auch für die weite Mauerrundung, in der eines der Wasserbecken, piscina I, vorgesehen war. Danach lief ich zum Zwischentrakt. Dieser bildete den Übergang als lauwarmer Trakt, tepidarium, mit Baderäumen zu beiden Seiten des Rundbaus zwischen dem warmen und dem ungeheizten Badebereich. Für den runden Saal war eine Fußboden- und Wandheizung geplant. Nach Niederlegung des Kaltbadetraktes wurde der Rundbau zur neuen Eingangshalle. Ich entdeckte die originalen Türschwellen und fühlte mich in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt. Der zweite Hauptsaal der Thermenanlage war mit Fußbodenheizung ausgestattet und als Warmbad, caldarium, vorgesehen. Auch hier befand sich in jeder Apsis ein halbrundes, beheiztes Wasserbecken, piscina II. Ich erkannte in der großen Apsis umlaufend eine ganze Reihe von Feuerstellen, die für die Heizung unter dem Wasserbecken vorgesehen waren. Diese wurden außerhalb des Raumes befeuert. Die heiße Luft konnte unter dem Becken und dem Fußboden zirkulieren. Der heutige Boden liegt unter dem antiken Fußbodenniveau. Weil die Unterbodenheizung, hypocaustum, allein für die gewünschte Badetemperatur von 40 °C nicht ausgereicht hätte, waren zusätzlich Kesselöfen für die Warmwasserbereitung notwendig. Sie sollten in den als Kesselhaus geplanten Eckbauten installiert werden. Den guten Erhaltungszustand verdankt dieser Bauteil seiner Weiternutzung im Mittelalter. In die Ecke des römischen caldariums baute man später einen wehrhaften Wohnturm ein, die Alderburg. Als dann im 12. Jahrhundert die mittelalterliche Stadtmauer bis an die Alderburg herangeführt wurde, mauerte man die großen römischen Fensterbögen zu. In der südlichen Apsis wurde ein Stadttor, Alderport, eingerichtet mit einem der römischen Fenster als Durchfahrt. Ich erreichte über eine Treppe von der sogenannten „Publikums-Ebene“ den unterirdischen Versorgungstrakt. Der Versorgungstrakt war in der Antike nicht für den Publikumsverkehr bestimmt. Zum Betrieb und für die Wartung der Thermenanlage gab es ein aufwändiges System von Bedienungsgängen unter dem Fußbodenniveau. Dort gelangte das Personal zu zahlreichen Kammern mit Feuerungsstellen, praefurnium, derUnterbodenheizung. Die für den Thermenbetrieb ebenfalls notwendigen Abwasserkanäle, cloaca, verlaufen über weite Strecken unmittelbar unter den Bedienungsgängen. Der Abfluss gehört zu dem halbrunden Becken des frigidariums. Die Wasserversorgung der Gesamtanlage sollte über die 13 Kilometer lange Leitung von der Ruwer durch einen Abzweig am Amphitheater erfolgen. Ich schaute von dem halbrunden Gang in einen konservierten Ausgrabungsbefund, dem Privatbad des Stadthauses, domus, aus der Zeit vor dem Bau der Thermen. Die kleinen Ziegelpfeiler, die ich rechts in der Nische erblickte, gehörten zur Unterbodenheizung, hypocaustum, und trugen den eigentlichen Fußboden. Ich erreichte nach dem Verlassen des unterirdischen Teils der Anlage das kleine Bad, balneum. Diese kleinere Badeanlage entstand nach dem das Thermenprojekt im späten 4. Jahrhundert endgültig aufgegeben wurde. Ihre Frontseite war zum heutigen Palastgarten hin ausgerichtet. Eine offene Vorhalle mit Säulen grenzte an die benachbarte römische Straße. Die Thermenanlage grenzt zwar an die Konstantin-Basilika, ist aber in Richtung Mosel auf das Forum ausgerichtet. Die Hauptfront mit dem Eingang lag zur heutigen Straße Weberbach. Von dort sollte man über offene Säulenhallen, porticus, zu einem großen Freigelände für Sport und Spiele, der palaestra gelangen. Nach Aufgabe der Thermenplanung wurde dieser Platz erweitert und anders genutzt. Ich war fasziniert von den Kaiserthermen, die man vielmehr als Bauruine bezeichnen kann, da sie in ihrer eigentlichen Aufgabe nie genutzt wurden. Denn leider geriet die Ausführung des Projektes ins Stocken, als Konstantin I. seine großen politischen Aktivitäten nach Osten verlagerte. Erst in den 360er Jahren wurde unter Valentinian I. die Bautätigkeit wieder aufgenommen. Der Kaiser ließ einen Teil der Anlage abreißen und den Rest ohne die Installationen für den Badebetrieb als Empfangs- oder Exerzierhalle fertigstellen. Aus dieser Zeit rühren die kasernenartigen Umbauten um den Innenhof. Im Mittelalter ließ sich eine Trierer Adelsfamilie in dem verfallenen Hauptgebäude nieder und baute es zur Alderburg aus. In einem anderen Teil des Ruinengeländes wurden die Kirche St. Gervasius und das Agnetenkloster errichtet. Wegen dieser dichten Überbauung wurde die architektonische Gesamtkonzeption der Thermenanlage bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts nicht erkannt. Erst nach den Zerstörungen des II. Weltkrieges konnte 1960 bis 1966 das ehemals bebaute Gelände freigelegt und großflächig untersucht werden. Heute gehört die Anlage dem Land Rheinland-Pfalz. Ich war beeindruckt von den Thermen, die ich dank eines Multimediaguides auf eigene Faust erkunden und durch die Begehung der Therme ober- und unterirdisch live fühlen und erleben konnte. Der anschließende Ausstellungsbereich mit Modellen und einer Filmanimation machte die Therme so für mich noch einmal hautnah erlebbar. Die Kaisertherme sind ein wunderbares Überbleibsel aus der Antike und sehr sehenswert. Ich war überwältigt von dieser Sehenswürdigkeit und machte mich auf zur nächsten UNESCO-Welterbestätte in Trier, der Porta Nigra, das römische Stadttor von Trier. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos von den Kaiserthermen in der schönen Römerstadt Trier. 🙂

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