Wiens Pilgerstätte zu Corona-Zeiten

Isabella Müller Wien @isabella_muenchen

Eines der meist fotografierten Sehenswürdigkeiten in Wiens Fußgängerzone ist die Dreifaltigkeitssäule am Wiener Graben. Diese Pestsäule erinnert an den „Schwarzen Tod“, der Wien 1679 heimsuchte und über 100.000 Menschen das Leben kostete. Denn zu dieser Zeit wütete in der Kaiserstadt eine der letzten großen Pestepidemien. Viele Menschen flüchteten aus der Stadt. Auch der Kaiser Leopold I. verließ die Stadt und versprach nach Beendigung der Pest ein Denkmal aus Marmor zu stiften. Daraufhin wurde am 30. Juli 1687 eine 21 Meter hohe Säule am Wiener Graben, an der Stelle an der bereits eine hölzerne Dreifaltigkeitssäule mit neun Engeln am Sockel stand, errichtet. Diese erinnert nicht nur an den Sieg über die Pest, sondern auch an den Sieg der Habsburger über ihre Gegner. Die Säule, die ein außergewöhnliches ikonographisches Programm aufweist, wurde von vielen Künstlern und Handwerkern gestaltet. Dabei wurde der ursprüngliche Entwurf von Joseph Frühwirth von Bernhard Fischer von Erlach, Paul Strudel, Lodovico Ottavio Burnacini, Johann Ignaz Bendel und Tobias Kracker weiterentwickelt und realisiert. Die feierliche Einweihung der Säule erfolgte am 29. Oktober 1693, bevor sie 1694 vollständig fertiggestellt wurde. Eine umfangreiche Sanierung erfolgte 1981. Die imposante Säule ist ein plastisches Kunstwerk des Barocks, das zu unserer schwierigen Zeit in der Corona-Krise zur Pilgerstätte für viele Menschen wurde, die bei der Dreifaltigkeitssäule Hoffnung und Trost suchen. Seit der Corona-Pandemie werden Kerzen am Sockel aufgestellt und an der Balustrade hängen Kinderzeichnungen mit Gebeten. Die Pestsäule im Ersten Bezirk, dem Herzen Wiens, ist zu einem Ort der Hoffnung für viele Menschen geworden, die dort um göttlichen Schutz, nicht vor der Pest, sondern vor dem Corona-Virus beten. Denn wenn die Hoffnung aufwacht, legt sich die Verzweiflung schlafen. Doch leider liegen düstere Wolken über diesen Zufluchtsort, da am 2. November 2020, das Herz der Stadt, der Erste Bezirk, durch einen Terroranschlag bei dem vier Menschen grundlos getötet und 23 Menschen verletzt wurden, heimgesucht wurde. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass dies in Wien und dazu noch im Ersten Bezirk passieren würde. Das hat mich zutiefst betroffen gemacht und mein Herz erschüttert. Mein tiefes Mitgefühl gilt allen Verletzten und ihren Angehörigen. Meine Hoffnung ist am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende. Bleibt gesund und einen schönen Sonntag! Eure Isabella

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