Geldbeutel waschen und Metzgersprung am Fischbrunnen auf dem Münchner Marienplatz

Isabella Müller München @isabella_muenchen

Einer der beliebtesten Treffpunkte in München befindet sich im weltberühmten Zentrum der bayerischen Landeshauptstadt vor dem Haupteingang des Neuen Rathauses. Gemeint ist der Fischbrunnen, der an die Zeit erinnert als auf dem Marienplatz über viele Jahrhunderte lang der Markt stattfand und Händler Obst, Gemüse, Wein, Blumen, Fleisch und auch Fisch anboten. Daher stammt auch sein Name Fischbrunnen. Die Geschichte des populären Fischbrunnens beginnt bereits 1343 als sich dort ein Brunnen befand, der als einziger an das Wassersystem angeschlossen war und Quellwasser von außerhalb in Münchens Innenstadt beförderte. In den Jahren von 1862 bis 1865 wurde der bestehende Brunnen durch den Bildhauer Konrad Knoll ersetzt. Dieser Brunnen zeigte zwischen den bronzenen, wasserspeienden Delfinen und Löwenköpfen vier Metzgerburschen. Diese schütteten aus einem Eimer Wasser in den Brunnen. Begleitet wurde das lustige Ensemble von vier darüber thronenden Knaben an deren Spitze ein Altgeselle mit gehobenem Becher thronte. Dieses Figurenensemble war eine Hommage an den Metzgersprung, der jedes Jahr am Rosenmontag stattfand. An diesem Tag, der heute alle drei Jahre von der Münchner Metzgerinnung veranstaltet wird, werden die Metzgerlehrlinge nach erfolgreicher Beendigung ihrer Lehrzeit zum Metzger getauft. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Brunnen vollständig zerstört und erst 1954 unter Verwendung der noch erhaltenen wenigen Figuren vom Münchner Bildhauer und Akademieprofessor Josef Henselmann wieder aufgebaut. Ich mag diesen wunderschönen Brunnen mit seinem türkisfarbenen Becken aus Nagelfluh, einem Gestein aus dem nördlichen Alpenvorland, auf dessen mittiger Säule drei Metzgerburschen stehen, die aus Eimern Wasser in das Becken gießen. Bekrönt wird die Säule durch einen bronzenen Kugelfisch des Bildhauers Otto Kallenbach. Besonders im Sommer ist dieser Brunnen ein absoluter Publikumsmagnet, von dessen Beckenrand aus Einheimische und Touristen gern das bunte Treiben auf dem Marienplatz beobachten. Der Fischbrunnen ist aber nicht nur ein Eyecatcher, sondern soll auch für ein sorgloses Leben sorgen. Darum wird seit 1426 traditionell am Aschermittwoch darin der Geldbeutel gewaschen. Dieser Brauch geht darauf zurück, dass nach dem närrischen Treiben die einfachen Leute kein Geld mehr hatten und der Dienstherr den leeren Geldbeutel mit einer Lohnerhöhung füllen sollte. Diese Tradition des Geldbeutel waschen wird bis heute am Aschermittwoch mit Münchens Oberbürgermeister oder seinem Stellvertreter zelebriert. Der Fischbrunnen ist nicht nur ein beliebter Treffpunkt, sondern vielmehr ein echtes Kulturgut. Euch wünsche ich viel Freude mit dieser prächtigen Sehenswürdigkeit im Herzen Münchens. 🙂

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