Ein Mord, der Kriminalgeschichte schrieb

Isabella Müller Bönnigheim @isabella_muenchen

In der Nähe vom Stadionschen Schloss in der Bönnigheimer Altstadt entdeckte ich ein außergewöhnliches Denkmal in Form eines Grabsteins. Dieses Denkmal ist dem Bönnigheimer Schultheiß Johann Heinrich Rieber gewidmet, der am 21. Oktober 1835 dort heimtückisch angeschossen wurde und zwei Tage später seinen schweren Verletzungen erlag. Der Mordfall ging in die Kriminalgeschichte des 19. Jahrhunderts ein, da er als einzig bekannter deutscher Kriminalfall gilt, der in Amerika, in der Stadt Washington D.C., aufgeklärt wurde und das erst nach 37 Jahren. Außerdem benutzte ein Ermittler zum ersten Mal die forensische Ballistik, um die Tatwaffe zu identifizieren. Aber wie kam es zu diesem Verbrechen und was war das Motiv? Der Schultheiß Rieber war ein beliebter und wohltätiger Mann, der am besagten 21. Oktober 1835 nach einer Beerdigung in das Gasthaus Waldhorn einkehrte. Danach machte er sich zu seiner Wohnung im Kavaliersbau neben dem Schloss auf. Nur wenige Meter von seiner Haustür entfernt trafen ihn 10 Schüsse in den Rücken. Zwar war der Stadtarzt schnell vor Ort, doch der Schultheiß starb nach zwei Tagen an seinen schweren Verletzungen. Der Mord konnte trotz intensiver Ermittlungen des Oberamtsrichters und einer ausgesetzten Belohnung damals nicht aufgeklärt werden. Denn es gab weder Zeugen noch ein Motiv, warum der kinderlose, unverheiratete Schultheiß ermordet worden war. Erst 1872 wurde der Mordfall in Washington D.C. mithilfe des aus Bönnigheim ausgewanderten Friedrich Rupp aufgeklärt. Dieser erzählte seinen Bekannten zufällig vom unaufgeklärten Mord an dem Schultheiß. Plötzlich fiel ihm einer seiner Bekannten ins Wort und sagte, dass er den Mörder kenne. Zuerst dachte Friedrich Rupp an einen schlechten Scherz, doch der Mann behauptete steif und fest, tatsächlich zu wissen, wer den Schultheiß ermordet hatte. Dabei handelte es sich um Gottlob Rüb, einem ehemaligen Kameraden in der Armee, der ihm gebeichtet hatte, den Schultheiß ermordet zu haben. Diese Informationen meldete Rupp der Staatsanwaltschaft Heilbronn, die den Fall neu aufrollte. Nachdem ausreichend Beweise für den Mörder gefunden wurden, wurden die Ermittlungen im August 1872 „durch beruhend Erklären“ eingestellt. Doch wer war Gottlob Rüb und was war sein Motiv? Gottlob Rüb war Jägersbursche in Stetten am Heuchelberg, der einen unsteten Lebensstil führte und Schulden hatte. Er wollte mit 30 Jahren in die Waldschützhütte nach Bönnigheim versetzt werden. Doch diese Stelle bekam er nicht, da ihm der Schultheiß Rieber ein schlechtes Leumundszeugnis ausgestellt hatte. Daraufhin lauerte er ihm auf und erschoss ihn kaltblütig. Nachdem Mord wanderte er nach Amerika aus und kämpfte in einer deutschen Kompanie im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg. Er war der erste Soldat, der im März 1847 bei der Belagerung der mexikanischen Hafenstadt Veracruz unter dem legendären amerikanischen General Robert E. Lee sein Leben ließ. So endet die Geschichte des Mörders Rüb. An sein grausames, hinterhältig begangenes Verbrechen erinnert heute noch der Grabstein im Hof des Kavaliersbaus, der in die Kriminalgeschichte einging und bis heute Menschen berührt.

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