Das mächtige Stadttor

Isabella Müller Bietigheim @isabella_muenchen

Bei meiner Sightseeingtour durch Bietigheim entdeckte ich das Untere Tor. Dieses ist das einzige noch erhaltene von vier Stadttoren. Denn früher war die ganze Altstadt von einer Stadtmauer umringt und jeder der in die Stadt wollte, musste erst eines der Stadttore passieren. Abends wurden diese geschlossen, um so den Bewohnern der Stadt Schutz zu bieten. Ein solches Zeugnis des Mittelalters ist das Untere Tor in der Bietigheimer Fußgängerzone, das Ende des 14. Jahrhundert aus unregelmäßig versetzten Buckelquadern aus der teilzerstörten Burg errichtet wurde und zur Stadt hin offen war. Im 15. Jahrhundert wurde es durch eine Fachwerkwand geschlossen und um ein Fachwerkobergeschoss erweitert. Besonders fasziniert war ich von dem Unteren-Tor-Glöckchen an der Dachlaterne, das seit dem 16. Jahrhundert geläutet wurde, um den Torschluss zu signalisieren. Während des 30-jährigen Krieges wurde die Glocke von den Soldaten sogar als Zielscheibe benutzt, das eine Erneuerung nachdem Krieg mit sich brachte. Der gotische Torbogen wird an beiden Seiten von Fallgatterrillen flankiert. Besonders markant ist neben dem Hirschstangenwappen der Grafen von Württemberg über der Fallgatternische, auch das 1781 geschaffene Relief. Dieses zeigt eine doppelgesichtige butterstoßende Frau, die umgeben ist von prallgefüllten Kornsäcken sowie eine aus einem Schälchen trinkende Frau und ein brotessendes Kind. Dabei wurde die Bibelstelle Psalm 111 und Psalm 112 angegebenen. Das Relief wurde 1950 vom Haus des Bäckers Johann Martin Böhringer in den Durchgang des Tores versetzt. Mein persönliches Highlight war das herrliche Wandgemälde an der Außenseite des Tores, das eine historisierende Landsknechtdarstellung von 1890 zeigt. Seit Beginn der 1930er Jahre besitzt das Stadttor an beiden Seiten auch Fußgängertore. Vor dem Unteren Tor befindet sich auch ein bemerkenswerter, klassizistischer Brunnen mit einer eleganten Brunnensäule mit korinthisierendem Kapitell und Vase. Dieser Brunnen befand sich früher außerhalb der Stadttore und wurde als Pferdetränke von den Fuhrleuten genutzt, die in den Gastwirtschaften und Unterkünften der unteren Vorstadt einkehrten. Dies brachte ihm auch den Namen Fuhrmannsbrunnen ein. Doch dieser Name ist nicht der einzige im Volksmund gebräuchliche Name für den Brunnen. Denn aufgrund seines Reliefs am Brunnentrog, das zwei Fischer, die ein Fischnetz mit dem Stadtwappen, der Jahreszahl 1782 sowie den Namen der Brunnenstifter Johann Martin Perlenfein und Philipp Jaco Kraus halten, erhielt er auch den Namen Fischbrunnen. An der Trogseite des Brunnens, der heute schlicht als Unterer-Tor-Brunnen bezeichnet wird, befindet sich die Bibelstelle Hiob 12,8, die darauf verweist, dass auch die Fische im Meer von Gottesweisheit und Verstand zeugen. Das Untere Tor und der Untere-Tor-Brunnen sind wunderbare Sehenswürdigkeiten, die an das mittelalterliche Bietigheim erinnern und somit ein wertvolles kulturelles Gut für Einheimische wie Touristen darstellen. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos davon. 🙂

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