Die riesige Glocke

Isabella Mueller @isabella_muenchen

Eines der ältesten Sakralbauten in Brettens Altstadt, das den großen Stadtbrand 1689 überlebt hat, ist die Stiftskirche. Diese Kirche blickt auf eine bewegte Geschichte zurück und wurde zwischen 1350 und 1400 als katholische Kirche, die den Schutzpatronen St. Stephan und St. Laurentius geweiht ist, erbaut. Nachdem die Kirche nach 1559 reformiert wurde, erhielt sie den Namen Stiftskirche und wurde im Zuge der „Pfälzischen Religionsdeklaration“ 1705 zur Simultankirche. So erhielten die Katholiken den Chorraum, während die Reformierten das Kirchenschiff nutzten. Als räumliche Trennung diente ein Lettner mit einigen Stiftswappen, der bis heute erhalten geblieben ist. Um 1775 wurde der Chorraum von der katholischen Gemeinde abgerissen, um eine größere Kirche zu errichten. Als 1936 die katholische Gemeinde ihre eigene Kirche erbaut hatte, überließ sie der protestantischen Gemeinde den Chor, der seit dieser Zeit als Gemeindehaus genutzt wird. Die Stiftskirche fungiert heute sowohl als Gotteshaus als auch Veranstaltungsort für Konzerte und Ausstellungen. Im Kirchhof, der früher als Friedhof diente, entdeckte ich das Melanchthon-Denkmal, das sich auf der Nordseite nahe des Hauptportals befindet. Dieses Sandsteindenkmal des Straßburger Bildhauers Andreas Friedrich zeigt den legendären Reformator und Mitstreiter Martin Luthers, Philipp Melanchthon, dessen Geburtsstadt Bretten war und der in der Stiftskirche angeblich auch getauft wurde. Auf dem Kirchplatz befindet sich auch die riesige Melanchthonglocke. Diese Glocke hing einst im 61 Meter hohen Turm, der früher vermutlich ein Bergfried einer kleinen Stadtburg war. Aufgrund ihres Gewichts von 4 Tonnen wurde sie jedoch auf ihren heutigen Standort verlegt. Neben den Grabplatten an der südöstlichen Außenseite von geistlichen und adeligen Persönlichkeiten des früheren kurpfälzischen Oberamtes fand ich auf der Südseite die Figur des „Brettener Hundles“, dem Wahrzeichen der Stadt. Dieser soll der Legende nach die Stadt bei ihrer Belagerung vor einer feindlichen Eroberung gerettet haben. Der Kirchenraum der Stiftkirche wird von dem abstrakten Deckengemälde des Brettener Künstlers Willi Gilli aus dem Jahr 1997 geprägt. Ein weiteres optisches Highlight ist die Wacker-Weigle-Orgel, die seit 1997 zentral hinter dem Altar steht. Durch ihr zartes Stahlgestell, das das Orgelwerk hält, hat der Betrachter freien Blick auf die vermauerten gotischen Arkadenbögen. Beeindruckend ist auch die Bachkapelle an der rechten Seite des Kirchenschiffes, die um 1514 von der Brettener Adelsfamilie Bach eingefügt wurde und als Begräbnisstätte für angesehene Bürger der Stadt diente. Davon zeugen die herrlichen Epitaphien, die von zwei Fenstern mit Glasgemälden des Künstlers Albert Fink aus dem Jahr 1936/37 beleuchtet werden. Die älteste Kirche Brettens mit ihrem Kirchplatz ist eine wunderbare Sehenswürdigkeit, das ein historisches Kulturgut der Stadt darstellt. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos davon. 🙂

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