Der Judenplatz in Wien: Geschichtsträchtiger Ort gegen das Vergessen

Wien Isabella Müller @isabella_muenchen

Bei meinem Spaziergang durch Wiens Altstadt kam ich auch am Judenplatz mit dem Holocaust-Mahnmal, dem Jüdischen Museum und dem Gotthold Ephraim Lessing Denkmal vorbei. Der Judenplatz war im Mittelalter das Zentrum der jüdischen Gemeinde Wiens und zeugt bis heute vom kulturellen Erbe des Wiener Judentums. In der damaligen jüdischen Gemeinde befand sich auch eine der größten europäischen Synagogen, deren Steine nach ihrer Zerstörung während des blutigen Pogroms in den Jahren 1420 bis 1421, in dem die Juden gefangen, deportiert und ermordet wurden, für den Bau der alten Universität verwendet wurde. Zentral auf dem Judenplatz, der 1294 unter dem Namen Schulhof erstmals erwähnt wurde, befindet sich auch das Holocaust-Mahnmal. Dieses wurde auf Initiative des jüdisch-österreichischen Holocaust-Überlebenden Simon Wiesenthal und nach dem Entwurf der britischen Künstlerin Rachel Whiteread von der Stadt Wien errichtet und am 25. Oktober 2000 enthüllt. Ich betrachtete das Mahnmal in Form eines Kubus, auf dessen Sockel in den Boden gemeißelte Namen der 45 Orte, an denen die österreichischen Juden im Nationalsozialismus getötet wurden, steht. Der Betonwürfel ist als Bibliothek konzipiert, die aber keinen Einlass durch ihr integriertes Tor gewährt. Die rasterartige Steinoberfläche besteht aus nicht lesbaren Büchern, deren Rücken nach Innen gekehrt sind. Das Mahnmal für die 65.000 österreichisch-jüdischen Opfer der Shoa auf diesem geschichtsträchtigen Platz kämpft gegen das Vergessen genauso wie das sich unweit von ihm befindende jüdische Museum an, das ebenfalls 2000 eröffnet wurde. Das Museum zeigt in Schauräumen das mittelalterliche Judentum in Wien. Zudem gibt es einen virtuellen Rundgang durch das Wien im 14. Jahrhundert und die Ausgrabungen der mittelalterlichen Synagoge aus dem Jahr 1995 sind in den unterirdischen Museumsräumen zu bestaunen. Gegenüber von dem Holocaust-Mahnmal steht eine Bronzestatue des Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing, dessen Blick auf die Fassade des Jordanhauses gerichtet ist. An der Fassade des dreigeschossigen Giebelhaus, das zwischen 1542 und 1565 errichtet wurde, ist ein spätgotisches Relief der Taufe Christi und des Heiligen Georg zu sehen, dessen Inschrift sich auf das Pogrom von 1421 bezieht. Auch eine Gedenktafel, die auf Initiative des Kardinal Christoph Schönborn von der Erzdiözese Wien gestiftet wurde, ist dort angebracht. Die Gedenktafel wurde am 29. Oktober 1998 enthüllt und ihr Titel lautet „Kiddusch HaSchem“, das „Heiligung Gottes“ bedeutet. Das Jordanhaus erinnert an die Wiener Geserah, an der alle Juden am 23. Mai 1420 in Österreich gefangen genommen und zwangsgetauft wurden. Wer sich nicht taufen ließ, tötete sich entweder selbst oder wurde wie 210 Juden bei lebendigem Leib verbrannt. Der Judenplatz ist für mich ein einzigartiger Ort der Erinnerung, der gegen das Vergessen ankämpft und wachsam für die Zukunft macht. Denn wer nicht aus der Geschichte lernt, ist verdammt sie zu wiederholen.

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