Maria am Gestade: Gotisches Kirchenschatzkästchen, das fast dem Abriss zum Opfer gefallen wäre

Wien @isabella_muenchen Isabella Müller

Die Kirche Maria am Gestade ist nicht nur die zweitälteste Kirche der Donaumetropole Wien, sondern sie zählt auch zu den schönsten gotischen Kirchen Österreichs. Die prächtige Wallfahrtskirche im Herzen der Stadt sollte 1784 tatsächlich infolge der Kirchenstrukturreform unter Kaiser Josef II. geschlossen und zum Abriss bestimmt werden. Während der Napoleonischen Kriege diente sie sogar als Pferdestall und Munitionsdepot. Doch zum Glück kam man von dem Plan ab die Kirche abzureißen und entdeckte sie als architektonisches Juwel und Kulturdenkmal wieder. Sie bekam neues Lebensrecht und erstrahlt seit ihrer Wiederinstandsetzung in neuem Glanz. Unweit des Donaukanals an der Salvatorgasse 12 gelegen, machte ich mich auf diese Kirche, die ursprünglich „Kirche Unsere liebe Frau auf der Gstetten“ hieß, zu erkunden. Einst war die Kirche, deren ehemalige Lage am Hochgestade eines Arms der Donau war, die Kirche für die Fischer und Schiffer. Schon von außen ist die Kirche mit ihrem filigranen reich geschmückten Turmhelm, dessen Maßwerk durchbrochen ist und die umliegenden modernen Bauten in ihrer Höhe überragt, eine Augenweide. Der Ort, an dem die Kirche errichtet wurde, galt bereits bei den römischen Legionären von Vindobona als Kultstätte. Im 12. Jahrhundert wurde dort eine romanische Kirche errichtet und 100 Jahre später der gotische Bau im heutigen Gewand. Über eine lange Stiegenanlage gelangte ich zur Kirche Maria am Gestade, die 1820 in die Hände der Redemptoristen, einer römisch-katholischen Ordensgemeinschaft, die sie bis heute betreut, übergeben wurde. Ich betrat diese Kirche, in der auch die Reliquien des Heiligen Klemens Maria Hofbauer, dem Schutzpatrons Wiens aufbewahrt werden, durch das Westportal mit seinen wundervollen Statuen. Der Langhans der Kirche ist aufgrund des damaligen Verlaufs der Donau und durch Platzmangel zum Chor hin leicht geknickt. Mein Blick fiel sofort auf den Hochaltar mit seinen wunderbaren Mosaiken mit dem Gott Vater im Gesprenge. Im Hintergrund befinden sich die bunten Glasfenster, die die Themen Passion, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu, das Leben Mariens und Pfingsten darstellen. Auch die spätgotischen Tafelbilder sowie die hochgotischen Steinskulpturen sind sehr sehenswert. Ein besonderes Highlight ist der Renaissance-Altar in der Nebenkapelle, der Perger-Altar, der 1520 von Johann Perger gestiftet und nach ihm benannt wurde. Auch die Kapelle mit dem Altar und Reliquienschrein des Heiligen Klemens Maria Hofbauer konnte ich bewundern. Dort findet jeden Dienstag um 18 Uhr eine Klemens-Messe statt. Die Kirche ist reich an gotischen Schätzen und auch ihre Orgel ist beachtenswert. Diese große Orgel befindet sich an der Westempore und wurde 1911 von dem Orgelbauer Matthäus Mauracher junior erbaut. Ich war beeindruckt von der Schönheit dieser Kirche mit ihrem prachtvollen Innenraum, der ein wahres Schatzkästchen ist. Die Kirche Maria am Gestade ist ein echter Geheimtipp für einen Wien-Besuch und ein wahrhaft schönes, gotisches Kleinod der Wiener Altstadt. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der herrlichen Kirche Maria am Gestade im Herzen Wiens. 🙂

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