Wiens erster Serienkiller

Isabella Mueller @isabella_muenchen Wien

Wir schreiben das Jahr 1870 als eine Mordserie an Dienstbotinnen Wiens Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzte. Das erste Opfer war 1883 die 34-jährige Josefine Timal. Kurze Zeit später wurde ihre 47-jährige Tante Katharina Timal und nur sechs Wochen danach Theresia Ketterl und wenige Monate später am 28. Dezember 1883 Rosa Ferenszi getötet. Alle vier ermordeten Frauen hatten die gleichen Eigenschaften. Sie waren alle Dienstbotinnen, ledig, im mittleren Alter und hatten Geld angespart. Kein Geringerer als der Polizeirat Karl Breitenfeld, Leiter des Sicherheitsbüros, nahm sich Wiens erstem Serienkiller an, da er eine Koryphäe im Aufklären von Verbrechen war. Seine Ermittlungen führten zu dem als Hochstapler bekannten Hugo Schenk. Der gut aussehende, blonde Mann mit Schnurrbart und elegantem Zwirn wurde am 11. Februar 1849 in Tschechien als Sohn eines Kreisgerichtsrats geboren. Er besuchte die Artillerieschule und gab sich schon früh als russischer Fürst aus, der vom Tötungskommando des Zaren verfolgt würde. Im Alter von 32 Jahren wurde der Filou erstmals wegen Heiratsschwindel in Stein verhaftet, wo er eine 1-jährige Freiheitsstrafe verbüßte. Dort lernte er den wegen Diebstahl inhaftierten Karl Schlossareck kennen, zusammen mit Schenks Bruder Karl wurden sie zum Trio Infernal, das zahlreiche Verbrechen beging. Die Nachforschungen des Kriminalisten Karl Breitenfeld ergaben, das Hugo Schenk, der ständig Namen, Adressen und Berufe wechselte, sein erstes Opfer die 34-jährige Josefine Timal per Zeitungsinserat im Januar 1883 kennengelernt hatte. Bei ihrer ersten Begegnung gab er sich als Bahningenieur namens Siegel aus, der mit seinen beiden Komplizen, die er als seine Diener ausgab, angereist war. Unter vorgehaltener Hand tischte er Josefine Timal auf, dass er ein russischer Fürst sei. Er versprach ihr die Ehe, worauf Josefine ihren Dienstmädchenposten in Wien kündigte, ihre Sachen packte und mit all ihrem Ersparten sich zusammen mit ihrem zukünftigen Ehemann auf Hochzeitsreise nach Krakau begab. Ihre Reise endete jedoch in Weißkirchen. Zuerst vergewaltigte Hugo Schenk die noch jungfräuliche Josefine Timal. Danach stieß sein Kumpane Schlossareck hinzu. Sie knebelten und fesselten Josefine, nahmen ihr das Ersparte weg, banden einen Stein um ihren Leib und warfen sie die Schlucht Gevatterloch hinunter. Um auf Nummer sicher zu gehen, dass niemand auf Hugo Schenk schloss, kontaktierte er ihre einzige Verwandte. Diese war ihre Tante Katharina Timal, die als Dienstbotin in Budweis arbeitete. Er informierte diese über die Hochzeit ihrer Nichte und bat sie fortan bei ihnen zu wohnen. Die alleinstehende 47-jährige nahm das verlockende Angebot an und kam am 21.Juni 1883 mit ihrem gesamten Hab und Gut am Wiener Bahnhof an, wo Hugo Schenk bereits auf sie wartete. Gemeinsam begaben sie sich auf den Weg zu dem angeblichen Landgut. Dazu mussten sie aber die Donau überqueren. Im Boot wartete schon Schenks Komplize Schlossareck, der sich als Fährmann ausgab. Er wollte die Dame erwürgen, doch Katharina konnte ihm entweichen. Darum zog Hugo Schenk sein Schlachtermesser und schnitt ihr kurzerhand die Kehle durch. Danach entwendeten sie die Wertsachen der älteren Frau und entsorgten ihre Leiche in der Donau. Nur sechs Wochen später traf Hugo Schenk Theresia Ketterl, ebenfalls eine Dienstbotin, die er in Lilienfeld umbrachte und ihren Leichnam in die Schlucht Sternleiter warf. Zuvor hatten sie angeblich mit Schenks Revolver russisches Roulette gespielt. Auch ihr entwendete Schenk ihre Wertsachen. Das vierte Opfer wurde Rosa Ferenszi, die Hugo Schenk am 28. Dezember bei einem Ausflug nach Pressburg tötete. Er zertrümmerte mit einer Hacke ihre Schädeldecke und warf sie mit einem Stein beschwert in die Donau. Seine Ausbeute waren 800 Gulden. Das nächste Opfer war schon ausfindig gemacht. Doch der Polizeirat Breitenfeld verhaftete am 10. Januar 1884 Hugo Schenk in der Wohnung seines Komplizen Karl Schlossareck um 5 Uhr morgens. Einen Tag später wurde auch Schlossareck und Schenks Bruder Karl verhaftet. Hugo Schenk blieb bei den Verhören standhaft und leugnete die ihm vorgeworfenen Verbrechen. Es fehlte das Geständnis. Zwar hatte Hugo Schenks große Liebe Emilie Höchsmann, eine Frau im mittleren Alter, die kein Vermögen besaß, der Polizei den ihr von Hugo Schenk geschenkten Schmuck gebracht, der eindeutig als der von der Ermordeten Theresia Ketterl identifiziert wurde, doch Hugo Schenk hatte auch dafür eine plausible Erklärung parat. Aus diesem Grund wendete der Polizeirat Breitenfeld eine List an und beschuldigte Emilie Höchsmann der Mittäterschaft. Hugo Schenk, der Emilie wirklich liebte, beteuerte ihre Unschuld und knickte schließlich ein. Er gestand alle Morde und darüber hinaus auch noch zahlreiche andere Verbrechen. Hugo Schenk und Karl Schlossareck wurden am 22. April 1884 im Galgenhof vom Scharfrichter Heinrich Willenbacher und seinem Gehilfen mit dem Würgegalgen hingerichtet. Aufgrund des hohen öffentlichen Interesses wurden im kleinen Hof Nr. 1 des Wiener Landgerichtes Eintrittskarten für die Hinrichtung verkauft. So endete einer der spektakulärsten Mordserien Wiens, die noch viele Jahre danach für Angst und Schrecken bei Wiens Dienstbotinnen sorgte. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Wiens altem Rathaus, die auch als Hinrichtungsstätte diente und in der 1671 der Graf Franz Nadásdy hingerichtet wurde. 🙂

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