Luxemburg: Das Gibraltar des Nordens

Isabella Müller Luxemburg @isabella_muenchen

Luxemburg ist der zweitkleinste Staat der Europäischen Union, der zusammen mit Belgien und den Niederlanden die Benelux-Länder bildet. Die Hauptstadt des Großherzogtums Luxemburg heißt ebenfalls Luxemburg. Die Gründung der Stadt geht auf den Ardenner Graf Siegfried I. zurück, der 963 den Bockfelsen erwarb und darauf seine Burg erbaute. Im 16. Jahrhundert wurde diese zur mächtigsten Festung Europas ausgebaut, die zwar im 19. Jahrhundert geschliffen wurde, doch prägen die Relikte dieser Festung bis heute das Stadtbild, die seit 1994 zusammen mit der Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Eine der Sehenswürdigkeiten dieser Wehranlage und eines der Wahrzeichen Luxemburgs sind die Kasematten. Diese ursprünglich 23 Kilometer langen und bis zu 40 Meter tief in die Erde ragenden unterirdischen Gänge wurden im 17. Jahrhundert zu Verteidigungszwecken von den Spaniern und Österreichern angelegt, weshalb Luxemburg auch als Gibraltar des Nordens bezeichnet wurde. Noch heute können die Bock- und Petruss-Kasematten besichtigt werden. Das Herzstück der Bock-Kasematte ist die archäologische Krypta, ein Vorzimmer, das die Ursprünge Luxemburgs beheimatet. Zur bestbefestigten Stadt Europas gehörte auch eine gewaltige Stadtmauer, von der noch die Wenzelmauer zeugt. Diese ursprünglich 875 Meter lange Mauer mit 37 Türmen und 15 Toren, wurde von den Spaniern und Franzosen erbaut und diente als Schutz für die Bewohner im Tal und schloss die Unterstadt zusammen mit dem Rham-Plateau in den Verteidigungsring ein. Heute noch an der Wenzelmauer erhalten ist der Jakobsturm, ein Torturm mit rechteckigem Grundriss, der einst eine Zugbrücke, einen Torgraben und eine Geschützkasematte besaß. Diese sogenannte Dinselpforte wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Zur Festung gehörte auch das 1685 errichtete Reduit Lambert, von dem durch die Schleifung 1868 bis 1874 nur noch Überreste zeugen. Auch vom Fort Thüngen, das 1732 entstand und dessen Namensgeber der österreichische Festungskommandant Adam Sigmund Freiherr von Thüngen war, sind nur noch drei Kehltürme, die sogenannten Drei Eicheln, erhalten. Dieser Name rührt davon, dass auf den Dächern der Türme einst goldene Eicheln standen. Das Fort Thüngen war früher von einem Graben umgeben, der auch zum 170 Meter entfernten Fort Obergrünewald führte. Seit 2006 befindet sich dort das Musée d´Art Moderne Grand-Duc Jean. Das Reduit beherbergt das Festungsmuseum Musée Dräi Eechelen. Den schönsten Blick auf die faszinierenden Reste der Festung hat man von der Straße Chemin de la Corniche, dem schönsten Balkon Europas, die sich vom Vorgebirge Bock bis zur Heiliggeist-Zitadelle erstreckt. Diese wurde 1234 als Kloster gegründet und im Zuge des Baus der dritten Ringmauer im 14. Jahrhundert in den befestigten Teil der Stadt integriert. Im 16. Jahrhundert erhielt es während der spanischen Fremdherrschaft seinen militärischen Charakter. Sein heutiges Aussehen stammt aus den Jahren 1685 bis 1687 als der berühmte französische Festungsbaumeister Vauban den Standort der Zitadelle erweiterte und die Wälle und Bollwerke zu Bastionen verstärkte. Auch die spanischen Türmchen, von denen einst 28 existierten, die Mitte des 17. Jahrhundert von den Spaniern errichtet wurden, wurden von Vauban weiter ausgebaut. Doch dies war nicht der letzte Streich des legendären Militäringenieurs Vauban. Denn dieser war auch für die wuchtigen nach ihm benannten Vauban-Türme verantwortlich, die 1685 in den Befestigungsring der Stadt integriert wurden. Vauban befestigte die Höhen mit zwei Forts und verbarrikadierte das Tal durch eine Abschlussmauer, die an das Fort Berlaimont und an die Forts der Grünewälder Höhen angrenzten. Beeindruckend ist auch die noch erhaltene Schlossbrücke aus rotem Sandstein, die 1735 erbaut wurde und die Oberstadt mit dem Bockfelsen verband. An dieser Schlossbrücke befand sich einst das Schloss Luxemburg, von dem heute nach der Schleifung nur noch ein Turm, der sogenannte Hohle Zahn zeugt. Die noch erhaltenen steinernen Zeitzeugen der einst mächtigen Festung erinnern an eine einzigartige Militärarchitektur, die sich perfekt durch den Vauban-Rundgang, den Kulturwegen des Europarats, erkunden lässt. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos dieser einzigartigen Wehranlage im Herzen Luxemburgs. 🙂

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