Rosenduft und Vogelgezwitscher im grünen Kurpark Bad Wörishofen

Isabella Müller Bad Wörishofen @isabella_muenchen

Bad Wörishofen gilt als die Stadt „Wo Kneipp zu Hause war“. Denn seit über 40 Jahren wirkte dort Sebastian Kneipp, der legendäre „Wasserdoktor“, der Bad Wörishofen zum Ursprungsort der weltberühmten Kneipp-Therapie gemacht hat, die auf den 5 Säulen Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und innere Balance basiert. Der Pfarrer und spätere Monsignore Sebastian Kneipp wäre dieses Jahr am 17. Mai 1821 200 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass rief der Kneipp-Bund das Jahr 2021 zum Kneipp-Jahr aus und auch ich besuchte zu meinem Geburtstag nach vielen Jahren die Stadt des Heilverfahren-Pioniers wieder. Die beschauliche, aber nicht provinzielle Stadt mit ihrer beruhigten, dabei kein bisschen langweiligen Fußgängerzone bietet wunderbare Parkanlagen. Eine von ihnen ist der mehr als 163.000 Quadratmeter große Kurpark im Westen der Stadt. Diese grüne Oase wurde 1894 noch zu Lebzeiten von Sebastian Kneipp als Park mit Ruhebänken und Spazierwegen auf den Lehmfeldern einer ehemaligen Ziegelei angelegt und mit Bäumen bepflanzt, die vom Erzherzog Josef von Österreich gestiftet wurden. Anno 1902 wurde der Kurpark erstmals vergrößert. Danach entstand 1967 anstelle des Sportgeländes der Jakobsweiher mit großer Fontäne. Nur fünf Jahre später wurde mit der Taufe der neu gezüchteten Beetrose „Bad Wörishofen“ der Grundstein für den Rosengarten gelegt, der auf 10.000 Quadratmetern rund 6.000 Rosenstöcke in 550 Sorten und Arten besitzt. Ein 3.500 Quadratmeter großer Aroma- und Duftgarten mit 250 verschiedenen Duftpflanzenarten wurde im Jahr 1997 eröffnet. An der Nordseite des Duft- und Aromagartens wurde eine Tastgalerie für Blinde und Sehbehinderte errichtet, die durch Tasten, Schmecken oder Schilder mit Blindenschrift die Pflanzen erraten können. Zwei Jahre danach wurden die ersten drei Heilkräutergärten eingeweiht. Diese stellen eine besondere Attraktion im Kurpark dar und zeigen die geschichtliche Entwicklung der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde. Es gibt den mittelalterlichen Klostergarten, den sogenannten Walahfried-Strabo-Garten. Walahfrid Strabo war im frühen 9. Jahrhundert Abt des Benediktinerklosters auf der Bodensee-Insel Reichenau und schuf das als „Hortulus“ bekannte Lehrgedicht, in dem 24 Heilkräuter, Küchen – und Zierpflanzen in Versen beschrieben sind. Diese 24 Kräuter kann jeder in diesem Garten entdecken. Ein weiterer Heilkräutergarten des Mittelalters ist der Hildegard-von-Bingen- Garten, der nach der Benediktiner-Äbtissin Hildegard von Bingen benannt wurde und nach ihrem medizinischen Lehrbuch „Causae et curare“ nach den vier Elementen Erde, Feuer, Wasser und Luft angelegt wurde. Die Frühe Neuzeit wird durch den Leonhart-Fuchs-Garten repräsentiert. Dieser wurde in vier Beeten nach streng geometrischen Formen der Renaissance symmetrisch um einen Brunnen gestaltet. Die Modere symbolisiert der Sebastian-Kneipp-Garten, der alle Kräuter der Kneipp´schen Hausapotheke zusammen mit Arzneipflanzen, die in der modernen Pflanzenheilkunde eine wichtige Rolle spielen, beherbergt. Seit 2001 bereichern Ziervogelvolieren den prächtigen Kurpark, der 2008 eine Gradieranlage und einen Osteo-Walk erhielt. Im Jahr 2010 wurde eine kinder- und behindertengerechte „Kneippanlage für Alle“ eröffnet. Bis heute einzigartig ist der 2012 angelegte 1.550 Meter lange Barfußweg quer durch den Kurpark mit 25 Erlebnisstationen, an denen jeder das Barfuß-Laufen ganz bewusst sei es in der Zapfengrube, in den Schlammgräben, im Sandstrand oder durch den Bach erfahren kann. Glückswege, die im Rahmen der Wandertrilogie Allgäu angelegt wurden, bilden zusammen mit der neuen Glücksinsel im Jakobsweiher seit 2013 einen idealen Ort zum Innehalten und Ausruhen. Im Jahr 2018 entstand neben dem Hainbuchen Pavillon im Südwesten auch der Garten der Männergesundheit, dessen zentrales Element die lebende Sonnenuhr ist, bei der der Mensch selbst der Zeiger ist und bei Sonnenschein die Tageszeit durch seinen eigenen Schatten anzeigt bekommt. Zudem gibt es ein modernes Hochbeet mit zwölf Heilpflanzen der Männergesundheit. Der Kurpark ist ein Fest der Sinne, der ein faszinierendes Erlebnis mit seinen Gärten, den verschiedenen Anlagen und Stationen darstellt und einfach für mich erlebbare Erholung pur war. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos dieses ganz besonderen Fleckchens im Kneippkurort Bad Wörishofen. 🙂

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